Wasser-Wissen

Aktivkohlefilter für Wasser

Ein gesinterter Aktivkohleblock bindet organische Schadstoffe an seiner inneren Oberfläche und hält bei 0,45 Mikrometern zugleich Partikel und Bakterien mechanisch zurück. Gelöste Salze wie Nitrat bleiben im Wasser. Gewechselt wird nach sechs Monaten, unabhängig von der durchgelaufenen Menge.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 9 Min. Lesezeit5 Quellen
Gestapelte Kokosnussschalen, zwei davon verkohlt als Rohstoff für Aktivkohle, freigestellt
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1 Was Aktivkohle ist und wie sie entsteht

Aktivkohle ist verkohltes Pflanzenmaterial, das durch ein zweites Verfahren porös gemacht wurde. Für die Trinkwasseraufbereitung dient meist die Schale der Kokosnuss als Rohstoff, seltener Harthölzer. Sie wird unter Luftabschluss verkohlt und anschließend bei 700 bis 1000 Grad mit Wasserdampf behandelt. Dabei brennt ein Teil des Kohlenstoffs weg und hinterlässt ein Labyrinth aus Poren.

Das Ergebnis ist Material mit einer inneren Oberfläche zwischen 300 und 2.000 Quadratmetern je Gramm. Ein Esslöffel voll bringt damit die Fläche eines Fußballfelds mit, rund 7.000 Quadratmeter. Diese Fläche ist der ganze Punkt: An ihr bleibt hängen, was aus dem Wasser verschwinden soll.

Die Poren werden nach ihrer Größe unterschieden. Mikroporen messen bis zwei Nanometer, Mesoporen zwei bis fünfzig, Makroporen liegen darüber. Zum Vergleich: Die Filtereinsätze, die wir führen, haben eine Porenfeinheit von 0,45 µm, also 450 Nanometer. Die groben Kanäle transportieren das Wasser, die feinen leisten die Arbeit.

2 Warum die Bauform über die Filterleistung entscheidet

Dieselbe Aktivkohle filtert je nach Bauform hervorragend oder kaum. Der Grund ist banal: Wasser sucht sich den Weg des geringsten Widerstands.

Loses Granulat ist eine Schüttung kleiner Körner. Das Wasser fließt zwischen ihnen hindurch und berührt dabei nur einen Bruchteil der Oberfläche. Ein Teil der Verunreinigungen bleibt hängen, der Rest passiert. Genau deshalb weisen Hersteller von Kannenfiltern selten eine konkrete Filterleistung aus, sondern sprechen von Geschmacksverbesserung.

Gepresste Blöcke entstehen durch Extrudieren: Das Pulver wird erhitzt, mit Bindemittel vermengt und in Form gepresst. Die Bindemittel verkleben allerdings einen Teil der Poren.

Gesinterte Blöcke kommen mit deutlich weniger Bindemittel aus. Das Pulver wird in die Form gefüllt und im Ofen gebacken, bis die Partikel miteinander verwachsen. Es entsteht ein Monoblock, durch den das Wasser hindurch muss. Vorbeifließen ist bauartbedingt nicht möglich.

Auf die Herstellungsform kommt es an. Nur gesinterte Aktivkohle-Blockfilter sind keimsicher und halten das volle Spektrum zurück. Wer „Aktivkohlefilter“ liest, weiß damit noch nicht, was er bekommt.

3 Die drei Wirkungen eines Aktivkohleblocks

Ein gesinterter Aktivkohleblock arbeitet auf drei Arten zugleich. Das unterscheidet ihn von einem Sieb, das nur eine davon kann.

Drei Wirkungen in einem Schnitt

Wirkmechanismen der Aktivkohle nach dem Stand der Wasseraufbereitung; Porengröße und Filterleistung nach den vorliegenden Prüfberichten.

Mechanisch. Partikel, die größer sind als die Kanäle, kommen nicht durch. Das betrifft Schwebstoffe, Sand, Rostpartikel, Asbestfasern, Bakterien und Parasiten wie Kryptosporidien und Giardien. Diese Wirkung ist die einzige, die man sich anschaulich vorstellen kann.

Adsorptiv. Der Begriff kommt vom lateinischen „adsorbere“, ansaugen. Gelöste Stoffe lagern sich an der Oberfläche der Kohle an und bleiben dort haften. Weil die Oberfläche so groß ist, ist die Kapazität beträchtlich. Auf diesem Weg verschwinden Schwermetalle, Pestizide, Arzneimittelrückstände, Hormone und die meisten geruchs- und geschmacksstörenden Stoffe.

Katalytisch. Manche Stoffe sind so klein, dass sie weder hängen bleiben noch aufgehalten werden. Chlor und Chlorverbindungen gehören dazu. An der Kohleoberfläche werden sie chemisch umgewandelt und liegen danach nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form vor. Deshalb verschwindet der Chlorgeschmack vollständig und nicht nur teilweise.

Die adsorptive Wirkung ist umso größer, je feiner die Kanäle sind und je langsamer das Wasser hindurchfließt. Ein Filter, der zu schnell durchläuft, filtert schlechter.

4 Was ein Aktivkohlefilter aus dem Wasser holt

Gesinterte Aktivkohle-Blockfilter reduzieren nachweislich folgende Stoffgruppen:

  • Chlor und Chlorabbauprodukte
  • Schwermetalle wie Blei und Kupfer
  • Arzneimittelrückstände
  • Hormone und hormonähnlich wirkende Stoffe
  • Pestizide, Herbizide und deren Abbauprodukte
  • Mikroplastik und andere Kunststoffpartikel
  • Bakterien und Parasiten
  • Asbestfasern, Sand und Rostpartikel
  • organische Verbindungen, die Geruch und Geschmack stören

Bei PFAS liegen für die Filter, die wir führen, eigene Untersuchungen vor. Ein Prüfbericht des Instituts für Siedlungswasserbau der Universität Stuttgart weist für einen reinen Aktivkohleblock eine Rückhaltung von über 99,9 Prozent für PFOA, PFBS und PFHxA bis rund 2.500 Liter Durchsatz aus. Die Prüfkonzentrationen lagen dabei deutlich über dem, was in deutschem Leitungswasser vorkommt. Die vollständigen Berichte stehen unter Wasserfilter Gutachten.

5 Was Aktivkohle nicht entfernt

Aktivkohle entfernt keine gelösten Salze und Mineralien. Das ist keine Schwäche, sondern die Kehrseite dessen, was den Filter auszeichnet.

Calcium und Magnesium bleiben im Wasser. Deshalb enthärtet ein Aktivkohlefilter nicht, und Kalk im Wasserkocher verschwindet nicht. Wer Kalk loswerden will, braucht einen Ionentauscher oder eine physikalische Kalkschutzlösung; beides lässt sich mit einem Blockfilter kombinieren.

Auch Nitrat bleibt. Nitrat ist ein gelöstes Salz und wird nicht adsorbiert. Interessant ist dabei ein Punkt, den viele übersehen: Ein erhöhter Nitratwert zeigt meist landwirtschaftlichen Eintrag an, und mit dem Dünger kommen Pestizide und deren Abbauprodukte ins Grundwasser. Die entnimmt der Aktivkohleblock sehr wohl. Das Nitrat selbst bleibt.

Wir sagen das ausdrücklich, weil manche Anbieter genau an dieser Stelle unscharf werden.

6 Welche Aktivkohlefilter es für den Haushalt gibt

„Aktivkohlefilter“ bezeichnet zunächst nur das Filtermaterial. Drei Bauarten sind im Handel verbreitet, und sie unterscheiden sich erheblich.

Bauart Filtermaterial Leistung Typische Anschaffung
Tischkannenfilter loses Granulat mit Ionentauscherharz Geschmack und Kalk, sonst wenig 20 bis 60 Euro
Wasserhahnaufsatz Granulat oder kleiner Block je nach Modell sehr unterschiedlich 40 bis 150 Euro
Auftisch- oder Einbaufilter gesinterter Monoblock im 10-Zoll-Format breites Spektrum, geprüft 120 bis 300 Euro

Der Auftischfilter steht neben dem Becken und wird über einen Umschalthebel bedient. Der Einbaufilter sitzt unter der Spüle, dafür gibt es drei Montagevarianten. Gefiltert wird in beiden Fällen dasselbe.

7 Vorteile und Grenzen im Überblick

  • Breite Filterleistung, auch bei Stoffen ohne gesetzlichen Grenzwert: Hormone, Arzneimittelrückstände, Pestizide, Mikroplastik.
  • Mineralien und Spurenelemente bleiben im Wasser, der pH-Wert verändert sich nicht.
  • Kein Strom, keine chemischen Zusätze, kein Abwasser. Jeder Tropfen, der hineingeht, kommt auch heraus.
  • Keimsicher durch die Bauform. Silberzusätze zur Desinfektion sind überflüssig, siehe Wasserfilter ohne Silber.
  • Bis zu sieben Liter pro Minute, damit entfällt der Vorratstank, den Umkehrosmoseanlagen brauchen.
  • Begrenzte Kapazität. Ist die Oberfläche belegt, nimmt der Filter nichts mehr auf und muss gewechselt werden.
  • Kalk und Nitrat bleiben im Wasser, weil sie gelöst vorliegen.
  • Die Anschaffung kostet mehr als eine Filterkanne. Gerechnet auf den Liter dreht sich das Verhältnis um.

Ein Einwand begegnet uns immer wieder: Aktivkohle gebe gebundene Schadstoffe irgendwann schubartig wieder ab. Für loses Granulat trifft das zu, dort ist der Durchbruch ein reales Problem. Beim gesinterten Block schließt die Bauform das aus: Es gibt keinen Weg am Material vorbei, an dem sich ein Schwall lösen und mitreißen ließe.

8 Wann der Filter gewechselt werden muss

Spätestens nach sechs Monaten. Die technische Grundlage dafür ist die europäische Normenreihe DIN EN 806, deren Teil 5 Betrieb und Wartung von Trinkwasser-Installationen regelt, ergänzt um die nationale DIN 1988-200. Das ist eine pauschale Vorgabe aus hygienischen Gründen, unabhängig davon, wie viel Wasser tatsächlich durchgelaufen ist.

Früher wechseln sollten Sie, wenn der Durchfluss spürbar nachlässt. Das ist das zuverlässigste Zeichen dafür, dass der Block sich zusetzt. Kompaktfilter am Wasserhahn haben wegen des kleineren Materialvolumens kürzere Intervalle, teilweise vier Monate.

Aus dem Versand wissen wir: Der häufigste Fehler ist nicht der zu späte Wechsel, sondern der vergessene. Wer sich den Termin nicht notiert, überzieht. Ein überfälliger Filter ist schlechter als keiner, weil er den Durchfluss bremst und im schlimmsten Fall zur Keimquelle wird.

9 Was viele über Aktivkohlefilter glauben

Irrtum: „Stiftung Warentest hat Aktivkohlefilter getestet und abgeraten.“

Richtig ist: Geprüft wurden Tischkannenfilter mit losem Granulat, zuletzt 2022. Leitungsgebundene Filter mit gesintertem Block waren nicht Teil der Untersuchung. Das Urteil wird trotzdem auf sie übertragen.

Irrtum: „Aktivkohle filtert auch den Kalk heraus.“

Richtig ist: Calcium und Magnesium liegen gelöst vor und passieren den Block. Wer enthärten will, braucht einen Ionentauscher oder eine Kalkschutzlösung.

Irrtum: „Ein Aktivkohlefilter verkeimt wie eine Filterkanne.“

Richtig ist: In der Kanne steht das Wasser bei Raumtemperatur. Ein leitungsgebundener Filter wird bei jeder Entnahme mit frischem kaltem Wasser durchspült, ein warmes Milieu entsteht gar nicht erst.

Irrtum: „Aktivkohle ist gleich Aktivkohle.“

Richtig ist: Rohstoff und Herstellung entscheiden. Kokosnussschale liefert feinere Poren als Torf oder Holz, und ein gesinterter Block filtert deutlich besser als dieselbe Menge loses Granulat.

10 Häufige Fragen zu Aktivkohlefiltern

Kann Aktivkohle PFAS filtern?

Ja. Für einen reinen Aktivkohleblock weist ein Prüfbericht des Instituts für Siedlungswasserbau der Universität Stuttgart eine Rückhaltung von über 99,9 Prozent für PFOA, PFBS und PFHxA bis rund 2.500 Liter aus. Bei der kurzkettigen Trifluoressigsäure liegt die Rückhaltung deutlich niedriger, dafür braucht es eine Kombipatrone mit PFAS-Harz.

Kann Aktivkohle Hormone filtern?

Ja. Weil es keine Grenzwerte gibt, filtern Wasserwerke Hormone und Arzneimittelrückstände nicht gezielt heraus. Gesinterte Aktivkohleblöcke entnehmen sie adsorptiv, belegt durch die vorliegenden Prüfberichte.

Worauf sollte ich beim Kauf achten?

Auf den Rohstoff und die Bauform. Kokosnussschale statt Torf oder Holz, gesintert statt lose geschüttet oder extrudiert. Und auf einen Leistungsnachweis eines unabhängigen Instituts mit konkreten Zahlen.

Bleiben die Mineralien erhalten?

Ja. Anders als bei der Umkehrosmose bleiben Calcium, Magnesium und Spurenelemente im Wasser, der pH-Wert bleibt unverändert. Ein Vergleich beider Verfahren steht unter Aktivkohle oder Umkehrosmose.

Wo wird Aktivkohle sonst noch eingesetzt?

In der Medizin gegen Durchfall, in der Chemieindustrie, in Lüftungsanlagen, in der Lebensmittelherstellung und in vielen Wasserwerken als letzte Reinigungsstufe. Die Wasseraufbereitung im Haushalt nutzt dasselbe Prinzip im Kleinen.

11 Welcher Aktivkohlefilter zu Ihnen passt

Nur der Geschmack stört

Auch dafür reicht ein Blockfilter, und er nimmt die Stoffe gleich mit, die man nicht schmeckt. Eine Filterkanne löst das Geschmacksproblem billiger, aber nur dieses.

Altbau, alte Leitungen

Hier liegt der eigentliche Nutzen. Blei und Kupfer aus der Hausinstallation erwischt nur ein Filter am Entnahmepunkt, siehe Blei im Trinkwasser.

Hartes Wasser und Kalkprobleme

Ein Aktivkohlefilter hilft dagegen nicht. Kombinieren Sie ihn mit einem Kalkschutz oder klären Sie zuerst, ob der Kalk überhaupt stört.

Unsere Empfehlung

Ein gesinterter Aktivkohleblock im 10-Zoll-Format, als Auftisch- oder Einbaufilter. Er deckt das breiteste Spektrum ab, braucht keinen Strom und macht kein Abwasser.

Welcher Filtereinsatz passt?Das hängt vom Durchfluss, vom Platz unter der Spüle und davon ab, was raus soll. Fragen Sie kurz nach.

Quellen

  • Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart - Prüfbericht PFAS-Rückhaltung, vorliegend unter Wasserfilter Gutachten
  • DIN EN 806-5 - Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen, Betrieb und Wartung (europäische Norm)
  • DIN 1988-200 - nationale Ergänzung zu DIN EN 806, Wechselintervalle für Filter
  • Bundesministerium der Justiz - Trinkwasserverordnung 2023
  • Umweltbundesamt (2023) - Arzneimittelrückstände in der Umwelt
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Marco Fabian Profilbild

Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor