1 Welche Kritik an Wasserfiltern gibt es?
Zwei Kritikpunkte an Wasserfiltern tauchen in Testberichten und Kundengesprächen immer wieder auf. Wir nehmen beide ernst und antworten darauf.
"Wasserfilter sind nutzlos, da das deutsche Trinkwasser von einwandfreier Qualität ist."
Diese Aussage wird oft ungeprüft wiederholt. Dabei gibt es klare Einwände, warum Leitungswasser nicht automatisch das beste Trinkwasser ist, und die gehören auf den Tisch. Gute Gründe, warum man das eigene Leitungswasser filtern sollte gibt es genügend.
"Wasserfilter sind wenig effizient und gefährliche Keimschleudern."
Dieser zweite Punkt hängt mit einer falschen Pauschalisierung zusammen, vor allem mit dem Bild, dass ein Wasserfilter immer ein Tischkannenfilter sei. Dass Kannenfilter keine leistungsstarken Filtersysteme sind, zeigen die Tests im nächsten Abschnitt.
2 Was sagen Stiftung Warentest oder ÖKO-TEST?
Stiftung Warentest und ÖKO-TEST haben bisher ausschließlich Tischkannenfilter getestet und tragen damit zum einseitigen Bild vom Wasserfilter als Kannenfilter bei.
Der letzte Wasserfilter-Test der Stiftung Warentest stammt aus Juni 2022 und prüfte acht Tischkannenfilter. Gut abgeschnitten hat aber kein Modell, von befriedigend bis mangelhaft war alles dabei. Auch im Vorgänger-Test von 2015 waren die Erkenntnisse dieselben.
Das überrascht nicht, denn lose geschüttetes Filtergranulat ist als Technik schon lange als ungenügend bekannt. Die daraus abgeleiteten Aussagen zur Sinnhaftigkeit aller Trinkwasserfilter halten wir deshalb für unpassend.
Auch die Redaktion des Verbrauchermagazins ÖKO-TEST ist in ihrem letzten Bericht aus Februar 2021 nicht von den ausschließlich getesteten Tischfiltern überzeugt und halten diese für unnötig.
3 Verbraucherzentralen raten ebenfalls von Wasserfilter ab
Die Verbraucherzentralen greifen dieselbe Argumentation wie Stiftung Warentest und ÖKO-TEST auf.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband führt auf seiner Webseite verbraucherzentrale.de einen Faktencheck zu Wasserfilter und den Behauptungen der Hersteller auf. Leider werden darin gar keine Fakten und Beweise aufgeführt. Wir haben ein paar Punkte mal gegenübergestellt:
| Verbraucherzentrale | Vitalhelden |
|---|---|
| Zur Qualität des Leitungswassers in Deutschland führt die Verbraucherzentrale aus: Dieses “...unterliegt regelmäßigen strengen Kontrollen und ist von sehr guter Qualität. Auch die derzeitigen Grenzwerte sind völlig ausreichend…” |
Über Grenz- oder Richtwerte lässt sich bekanntermaßen streiten. Dass es aber für viele neu auftretende Stoffe wie Arzneimittelrückstände oder Mikroplastik bis heute keine eigenen Grenzwerte gibt, halten wir für nicht ausreichend. Seit der TrinkwV-Novelle 2023 hat sich zwar einiges bewegt: Ab Januar 2026 gilt laut Trinkwasserverordnung erstmals ein PFAS-Summengrenzwert (100 ng/l für 20 PFAS-Verbindungen), der ab Januar 2028 auf 20 ng/l (4 PFAS-Verbindungen) verschärft wird. Vergleiche: Rödl & Partner zu den neuen PFAS-Grenzwerten in der TrinkwV ÖKO-Test zu Schadstoffen in Großstädten Trinkwasser-Test von Stiftung Warentest Antibiotika im Wasser / Sendung Frontal 21 (ZDF) |
| Zu Keimen im Leitungswasser “...Sollte Trinkwasser tatsächlich mal krank machende Keime enthalten, liegt ein Hygieneproblem im Rohrleitungsnetz vor, das nicht mit einem Filter behoben werden sollte.” |
Derartige Überraschungen sind gar keine Seltenheit. Aus eigenen Erfahrungen wissen wir, dass von Gemeinden bzw. Gesundheitsämtern ausgesprochene “Abkochgebote” mitunter mehrere Tage Verzögerung haben. Gerade bei gefährlichen Fäkalbakterien ist das problematisch. Derartige Hygieneprobleme werden meistens durch die Zugabe von Chlor behoben, was das Wasser dann auch noch ungenießbar macht. Mit einem Wasserfilter ist man für beides abgesichert. |
| Zu Arzneimitteln im Leitungswasser ...nach Stand der Wissenschaft keine konkrete Gesundheitsgefahr besteht.” |
Es fehlt sicherlich an Langzeitanalysen aber erste Indikationen zu Auswirkungen auf Fische zeigen deutlich, dass man das Thema ernst nehmen sollte. Schließlich handelt es sich nicht nur um einen Wirkstoff, sondern um einen Cocktail aus Tausenden Wirkstoffen. Vergleiche: taz zu Psychopharmaka im Trinkwasser |
| Zu Nitrat im Trinkwasser "Grenzwertüberschreitungen von Nitrat im Trinkwasser sind sehr selten. Die meisten Wasserversorger unterschreiten den Nitratgrenzwert deutlich. |
Wasserversorger sind verpflichtet den Schwellenwert einzuhalten, aber woher kommen die Salze der Salpetersäure eigentlich? Durch massive Überdüngung der Landwirtschaft und deren fehlender Überwachung. Nitrat ist auch gar nicht das eigentliche Problem, schließlich nehmen wir den größten Teil an Nitrat über unsere Nahrung zu uns. In der Wasseranalytik ist Nitrat ein Indikator für ausgebrachte Pflanzenschutzmittel (Pestizide). Da es in der TwVO nur für sehr wenige dieser Mittel überhaupt Grenzwerte gibt, ist gerade dieser Aspekt problematisch. Aktivkohle-Blockfilter können Kohlenwasserstoffverbindungen z.B. sehr zuverlässig entnehmen. |
| Zu Blei im Wasser “Trinkwasserfilter sollten nicht verwendet werden, um Blei herauszufiltern.“ |
Natürlich ist der Austausch von Bleileitungen in solchen Fällen absolut notwendig, allerdings liegt diese Pflicht bei den Eigentümern. Mietern sind hier eher die Hände gebunden. Gerade in Häusern mit Baujahr vor 1973 besteht das Risiko weiterhin. Auch hier kann ein eigener Filter insbesondere direkt am Entnahmepunkt ein Vorteil sein. |
| Zum krankmachenden Potential von Leitungswasser “Leitungswasser in Deutschland ist von sehr guter Qualität und kann nicht für solche Erkrankungen verantwortlich sein.'' |
Dem stimmen wir grundsätzlich zu, aber wie mit allem im Leben macht es die Dosis. Allein die hohe Entfernung von bis zu 50 km zwischen Wasserwerk und Entnahmehahn kann merklich die Trinkwasserqualität reduzieren. Daher können solche Aussagen in falsche Sicherheit wiegen. |
Auch zu einzelnen Filterverfahren nahm die Verbraucherzentrale Stellung. So auch zu Aktivkohlefilter:
| Verbraucherzentrale | Vitalhelden |
|---|---|
| Zu Nachteilen von Aktivkohlefilter führt die Verbraucherzentrale aus: “Ist der Filter voll beladen, können die angelagerten Stoffe konzentriert wieder ins Wasser "durchbrechen". Aktivkohle bietet einen hervorragenden Nährboden für Mikroorganismen. Deshalb enthalten die Filter oft keimtötendes Silber, das aber ausgewaschen wird. Werden die Geräte länger nicht betrieben oder steht das Wasser im Behälter, besteht so trotzdem die Gefahr, dass sich im Wasser Keime vermehren.” |
Leider stimmen diese Ausführungen nur in Bezug auf die viel thematisierten Kannenfilter. Hier pauschalisiert auch die Verbraucherzentrale, denn Aktivkohle gibt es in vielen unterschiedlichen Qualitäten und Herstellungsformen am Markt. Bei einem leitungsgebunden gesinterten Aktivkohle-Blockfilter kann es nicht zu einem derartigen “Durchbrechen” kommen. Auch werden keine Zugaben wie Silber verwendet. Diese Technologie gibt es seit mehr als 20 Jahren am Markt und wird ebenfalls sehr erfolgreich in Industrie und Medizintechnik verwendet. |
Das deutsche Leitungswasser ist sicherlich im weltweiten Vergleich von sehr guter Qualität, aber genauso gut lassen sich eindeutige Einschränkungen anbringen. Daher halten wir es für nicht gerechtfertigt, Wasserfilter so einseitig als nutzlos abzustempeln. Wer hohe Qualität möchte, sollte sich selbst darum kümmern dürfen.
Viel mehr sollte man deutlicher thematisieren, dass es sich bei Kannenfilter eher um “technisch sehr eingeschränkte Geräte” und nicht um professionelle Leitungswasserfilter handelt.
Der Glaubenssatz, dass ein Wasserfilter immer automatisch ein Tischfilter ist, gehört korrigiert. So könnte vermieden werden, dass nahezu sämtliche namhaften Magazine diesen unreflektierten Tenor aufgreifen und weiterverbreiten.
Entzieht ein Wasserfilter dem Wasser Mineralstoffe?
Ein Kritikpunkt, der in Testberichten zu Kannenfiltern immer wieder auftaucht, ist der angebliche Verlust an Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium beim Filtern. Diese Sorge betrifft jedoch vor allem Kannenfilter mit Ionenaustauscher-Kartuschen, die gezielt Härtebildner gegen andere Ionen tauschen und dabei tatsächlich enthärtend wirken. Aktivkohle arbeitet nach einem völlig anderen Prinzip: Sie adsorbiert organische Verbindungen, Chlor und Geschmacksstoffe an ihrer porösen Oberfläche, entfernt aber keine gelösten Mineralstoffe. Ein Aktivkohle-Blockfilter verändert die Wasserhärte daher nicht messbar.
Unseriöse Verkaufspraktiken und Panikmache schaden allen Wasserfiltern
Auf dem Markt gibt es eine große Auswahl und so manche Hersteller nutzen für den Vertrieb ausschließlich Multi-Level-Marketing (Schneeballsysteme). Hierbei werden nur oberflächlich geschulte Vertriebsmitarbeiter in ganze Ortschaften geschickt. Dort wird dann jedes Haus besucht und mittels fragwürdiger Methoden die Wasserqualität gemessen (z.B. einem TDS-Messgerät zur Bestimmung des Leitwerts).
Natürlich soll das Ergebnis negativ überraschen, um den heiligen Gral (das eigene exklusive Produkt) für teures Geld zu verkaufen. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Umkehrosmosefilter, eine im Grundsatz wirksame, aber im Vergleich zu Aktivkohle-Blockfiltern andere Technologie (mehr dazu auf unserer Vergleichsseite Aktivkohle oder Umkehrosmose).
Vor dem Kauf prüfen
Informieren Sie sich über den jeweiligen Anbieter, bevor Sie einen Kaufvertrag abschließen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und nutzen Sie das Internet, Frage-Antwort-Foren und kritische Berichterstattungen bieten gute Anhaltspunkte.
Die eigenen Webseiten der Anbieter enthalten oftmals wenig transparente Produktinformationen und nutzen gerne prominente Gesichter als Werbebotschafter. Alles um den hohen Kaufpreis zu rechtfertigen.
In der Realität gehen bei derartigen Strukturvertrieben bis zu 70% des Kaufpreises direkt an den Verkäufer. Teure Wartungsverträge komplettieren das Rundum-Sorglos-Paket. Daher wird um den Kaufpreis als Teil der Marketingstrategie auch oft ein Geheimnis gemacht.
Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die eigentliche Filtertechnik ebenfalls nur aus gewöhnlichen Bauteilen besteht und die aufgerufenen Mondpreise von mehreren Tausend Euro nicht gerechtfertigt sind. Selbst wenn es 10 oder mehr Filterstufen sein sollten.
Zweifelsohne führen auch solche Methoden zu einer schlechten Wahrnehmung von Wasserfilter im Allgemeinen und stärken das Narrativ, diese seien überflüssig.
Die Kritik trifft eher zu bei …
- Kannenfiltern mit losem Aktivkohle-Granulat (Durchbruchgefahr, Silberzusatz üblich)
- Ionenaustauscher-Kartuschen, die Härtebildner tatsächlich entziehen
- Strukturvertrieben mit Panikmache und überteuerten Mondpreisen
Die Kritik trifft nicht zu bei einem gesinterten Aktivkohle-Blockfilter, weil …
- kein Durchbrechen von Schadstoffen wie bei losem Granulat auftritt
- kein Silberzusatz nötig ist
- Mineralstoffe und Wasserhärte messbar unverändert bleiben
4 Mythen rund um Wasserfilter
✗ „Wasserfilter sind nutzlos, da deutsches Trinkwasser einwandfrei ist.“
✔ Es gibt klare Einwände, warum Leitungswasser nicht automatisch das beste Trinkwasser ist: neu auftretende Stoffe wie Arzneimittelrückstände oder Mikroplastik, für die es noch keine eigenen Grenzwerte gibt, und der bis zu 50 km lange Weg vom Wasserwerk bis zum Entnahmehahn.
✗ „Wasserfilter sind wenig effizient und gefährliche Keimschleudern.“
✔ Das betrifft vor allem Tischkannenfilter, genau die Modelle, die Stiftung Warentest (Juni 2022) und ÖKO-TEST (Februar 2021) ausschließlich getestet haben. Leitungsgebundene Aktivkohle-Blockfilter waren in keinem der beiden Tests dabei.
✗ „Aktivkohlefilter sind unhygienisch und lassen Schadstoffe durchbrechen.“
✔ Das gilt für lose geschüttete Aktivkohle in Kannenfiltern. Bei einem gesinterten Aktivkohle-Blockfilter kommt es nicht zu einem solchen Durchbrechen, ein Silberzusatz ist nicht nötig. Die Technik wird seit mehr als 20 Jahren auch in Industrie und Medizintechnik eingesetzt.
✗ „Wasserfilter entziehen dem Wasser wichtige Mineralstoffe.“
✔ Das trifft nur auf Kannenfilter mit Ionenaustauscher-Kartuschen zu, die Härtebildner gezielt gegen andere Ionen tauschen. Ein Aktivkohle-Blockfilter adsorbiert organische Stoffe, Chlor und Geschmacksstoffe, verändert die Wasserhärte aber nicht messbar.
✗ „Trinkwasserfilter sollten nicht gegen Blei eingesetzt werden.“
✔ Der Austausch von Bleileitungen bleibt Pflicht der Eigentümer, das Risiko besteht vor allem in Häusern mit Baujahr vor 1973. Mietern sind hier oft die Hände gebunden; ein Filter direkt am Entnahmepunkt kann bis zum Austausch ein Vorteil sein.
5 Was Sie jetzt tun können
Prüfen Sie vor dem Kauf, welche Filtertechnik ein Anbieter tatsächlich verbaut, und lesen Sie die Gutachten zu den Carbonit-Wasserfiltern, bevor Sie ein Modell aus dem Wasserfilter-Sortiment wählen.
Bezieht sich fast ausschließlich auf Kannenfilter mit losem Granulat oder Ionentauscher.
Kein Durchbrechen, kein Silberzusatz, Mineralstoffe und Härte bleiben unverändert.
Strukturvertrieb und Panikmache schaden dem Ruf, unabhängig von der Filtertechnologie selbst.

