Wasser-Wissen · Ratgeber

Wasserfilter - Häufige Kritik und Vorurteile

Kritik an Wasserfiltern betrifft vor allem Tischkannenfilter – Stiftung Warentest und ÖKO-TEST testeten ausschließlich diesen Filtertyp. Gesinterte Aktivkohle-Blockfilter kennen die typischen Kannenfilter-Probleme wie Durchbruch, Silberbedarf oder Mineralstoffverlust so nicht. Unseriöse Strukturvertriebe mit Panikmache und Mondpreisen schaden dem Ruf von Wasserfiltern zusätzlich, unabhängig von der Filtertechnologie.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 9 Min. Lesezeit
Frau in schwarzer Bluse betrachtet stirnrunzelnd und skeptisch ein Glas Wasser in ihrer Hand

1 Welche Kritik an Wasserfiltern gibt es?

Zwei Kritikpunkte an Wasserfiltern tauchen in Testberichten und Kundengesprächen immer wieder auf. Wir nehmen beide ernst und antworten darauf.

"Wasserfilter sind nutzlos, da das deutsche Trinkwasser von einwandfreier Qualität ist."

Diese Aussage wird oft ungeprüft wiederholt. Dabei gibt es klare Einwände, warum Leitungswasser nicht automatisch das beste Trinkwasser ist, und die gehören auf den Tisch. Gute Gründe, warum man das eigene Leitungswasser filtern sollte gibt es genügend.

"Wasserfilter sind wenig effizient und gefährliche Keimschleudern."

Dieser zweite Punkt hängt mit einer falschen Pauschalisierung zusammen, vor allem mit dem Bild, dass ein Wasserfilter immer ein Tischkannenfilter sei. Dass Kannenfilter keine leistungsstarken Filtersysteme sind, zeigen die Tests im nächsten Abschnitt.

2 Was sagen Stiftung Warentest oder ÖKO-TEST?

Stiftung Warentest und ÖKO-TEST haben bisher ausschließlich Tischkannenfilter getestet und tragen damit zum einseitigen Bild vom Wasserfilter als Kannenfilter bei.

Der letzte Wasserfilter-Test der Stiftung Warentest stammt aus Juni 2022 und prüfte acht Tischkannenfilter. Gut abgeschnitten hat aber kein Modell, von befriedigend bis mangelhaft war alles dabei. Auch im Vorgänger-Test von 2015 waren die Erkenntnisse dieselben.

Das überrascht nicht, denn lose geschüttetes Filtergranulat ist als Technik schon lange als ungenügend bekannt. Die daraus abgeleiteten Aussagen zur Sinnhaftigkeit aller Trinkwasserfilter halten wir deshalb für unpassend.

Auch die Redaktion des Verbrauchermagazins ÖKO-TEST ist in ihrem letzten Bericht aus Februar 2021 nicht von den ausschließlich getesteten Tischfiltern überzeugt und halten diese für unnötig.

3 Verbraucherzentralen raten ebenfalls von Wasserfilter ab

Die Verbraucherzentralen greifen dieselbe Argumentation wie Stiftung Warentest und ÖKO-TEST auf.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband führt auf seiner Webseite verbraucherzentrale.de einen Faktencheck zu Wasserfilter und den Behauptungen der Hersteller auf. Leider werden darin gar keine Fakten und Beweise aufgeführt. Wir haben ein paar Punkte mal gegenübergestellt:

Auch zu einzelnen Filterverfahren nahm die Verbraucherzentrale Stellung. So auch zu Aktivkohlefilter:

Das deutsche Leitungswasser ist sicherlich im weltweiten Vergleich von sehr guter Qualität, aber genauso gut lassen sich eindeutige Einschränkungen anbringen. Daher halten wir es für nicht gerechtfertigt, Wasserfilter so einseitig als nutzlos abzustempeln. Wer hohe Qualität möchte, sollte sich selbst darum kümmern dürfen.

Viel mehr sollte man deutlicher thematisieren, dass es sich bei Kannenfilter eher um “technisch sehr eingeschränkte Geräte” und nicht um professionelle Leitungswasserfilter handelt.

Der Glaubenssatz, dass ein Wasserfilter immer automatisch ein Tischfilter ist, gehört korrigiert. So könnte vermieden werden, dass nahezu sämtliche namhaften Magazine diesen unreflektierten Tenor aufgreifen und weiterverbreiten.

Entzieht ein Wasserfilter dem Wasser Mineralstoffe?

Ein Kritikpunkt, der in Testberichten zu Kannenfiltern immer wieder auftaucht, ist der angebliche Verlust an Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium beim Filtern. Diese Sorge betrifft jedoch vor allem Kannenfilter mit Ionenaustauscher-Kartuschen, die gezielt Härtebildner gegen andere Ionen tauschen und dabei tatsächlich enthärtend wirken. Aktivkohle arbeitet nach einem völlig anderen Prinzip: Sie adsorbiert organische Verbindungen, Chlor und Geschmacksstoffe an ihrer porösen Oberfläche, entfernt aber keine gelösten Mineralstoffe. Ein Aktivkohle-Blockfilter verändert die Wasserhärte daher nicht messbar.

Unseriöse Verkaufspraktiken und Panikmache schaden allen Wasserfiltern

Auf dem Markt gibt es eine große Auswahl und so manche Hersteller nutzen für den Vertrieb ausschließlich Multi-Level-Marketing (Schneeballsysteme). Hierbei werden nur oberflächlich geschulte Vertriebsmitarbeiter in ganze Ortschaften geschickt. Dort wird dann jedes Haus besucht und mittels fragwürdiger Methoden die Wasserqualität gemessen (z.B. einem TDS-Messgerät zur Bestimmung des Leitwerts).

Natürlich soll das Ergebnis negativ überraschen, um den heiligen Gral (das eigene exklusive Produkt) für teures Geld zu verkaufen. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Umkehrosmosefilter, eine im Grundsatz wirksame, aber im Vergleich zu Aktivkohle-Blockfiltern andere Technologie (mehr dazu auf unserer Vergleichsseite Aktivkohle oder Umkehrosmose).

Vor dem Kauf prüfen

Informieren Sie sich über den jeweiligen Anbieter, bevor Sie einen Kaufvertrag abschließen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und nutzen Sie das Internet, Frage-Antwort-Foren und kritische Berichterstattungen bieten gute Anhaltspunkte.

Die eigenen Webseiten der Anbieter enthalten oftmals wenig transparente Produktinformationen und nutzen gerne prominente Gesichter als Werbebotschafter. Alles um den hohen Kaufpreis zu rechtfertigen.

In der Realität gehen bei derartigen Strukturvertrieben bis zu 70% des Kaufpreises direkt an den Verkäufer. Teure Wartungsverträge komplettieren das Rundum-Sorglos-Paket. Daher wird um den Kaufpreis als Teil der Marketingstrategie auch oft ein Geheimnis gemacht.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die eigentliche Filtertechnik ebenfalls nur aus gewöhnlichen Bauteilen besteht und die aufgerufenen Mondpreise von mehreren Tausend Euro nicht gerechtfertigt sind. Selbst wenn es 10 oder mehr Filterstufen sein sollten.

Zweifelsohne führen auch solche Methoden zu einer schlechten Wahrnehmung von Wasserfilter im Allgemeinen und stärken das Narrativ, diese seien überflüssig.

Die Kritik trifft eher zu bei …

  • Kannenfiltern mit losem Aktivkohle-Granulat (Durchbruchgefahr, Silberzusatz üblich)
  • Ionenaustauscher-Kartuschen, die Härtebildner tatsächlich entziehen
  • Strukturvertrieben mit Panikmache und überteuerten Mondpreisen

Die Kritik trifft nicht zu bei einem gesinterten Aktivkohle-Blockfilter, weil …

  • kein Durchbrechen von Schadstoffen wie bei losem Granulat auftritt
  • kein Silberzusatz nötig ist
  • Mineralstoffe und Wasserhärte messbar unverändert bleiben

4 Mythen rund um Wasserfilter

✗ „Wasserfilter sind nutzlos, da deutsches Trinkwasser einwandfrei ist.“

✔ Es gibt klare Einwände, warum Leitungswasser nicht automatisch das beste Trinkwasser ist: neu auftretende Stoffe wie Arzneimittelrückstände oder Mikroplastik, für die es noch keine eigenen Grenzwerte gibt, und der bis zu 50 km lange Weg vom Wasserwerk bis zum Entnahmehahn.

✗ „Wasserfilter sind wenig effizient und gefährliche Keimschleudern.“

✔ Das betrifft vor allem Tischkannenfilter, genau die Modelle, die Stiftung Warentest (Juni 2022) und ÖKO-TEST (Februar 2021) ausschließlich getestet haben. Leitungsgebundene Aktivkohle-Blockfilter waren in keinem der beiden Tests dabei.

✗ „Aktivkohlefilter sind unhygienisch und lassen Schadstoffe durchbrechen.“

✔ Das gilt für lose geschüttete Aktivkohle in Kannenfiltern. Bei einem gesinterten Aktivkohle-Blockfilter kommt es nicht zu einem solchen Durchbrechen, ein Silberzusatz ist nicht nötig. Die Technik wird seit mehr als 20 Jahren auch in Industrie und Medizintechnik eingesetzt.

✗ „Wasserfilter entziehen dem Wasser wichtige Mineralstoffe.“

✔ Das trifft nur auf Kannenfilter mit Ionenaustauscher-Kartuschen zu, die Härtebildner gezielt gegen andere Ionen tauschen. Ein Aktivkohle-Blockfilter adsorbiert organische Stoffe, Chlor und Geschmacksstoffe, verändert die Wasserhärte aber nicht messbar.

✗ „Trinkwasserfilter sollten nicht gegen Blei eingesetzt werden.“

✔ Der Austausch von Bleileitungen bleibt Pflicht der Eigentümer, das Risiko besteht vor allem in Häusern mit Baujahr vor 1973. Mietern sind hier oft die Hände gebunden; ein Filter direkt am Entnahmepunkt kann bis zum Austausch ein Vorteil sein.

5 Was Sie jetzt tun können

Prüfen Sie vor dem Kauf, welche Filtertechnik ein Anbieter tatsächlich verbaut, und lesen Sie die Gutachten zu den Carbonit-Wasserfiltern, bevor Sie ein Modell aus dem Wasserfilter-Sortiment wählen.

Pauschale Kritik

Bezieht sich fast ausschließlich auf Kannenfilter mit losem Granulat oder Ionentauscher.

Gesinterter Aktivkohle-Blockfilter

Kein Durchbrechen, kein Silberzusatz, Mineralstoffe und Härte bleiben unverändert.

Unseriöse Anbieter

Strukturvertrieb und Panikmache schaden dem Ruf, unabhängig von der Filtertechnologie selbst.

Möchten Sie sich selbst ein Bild machen?Informieren Sie sich über geprüfte Aktivkohle-Blockfilter, oder sprechen Sie direkt mit Marco Fabian.
Artikel teilen
Marco Fabian Profilbild

Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor