Viele Menschen nutzen Wasserfilter, zum einen, um „weicheres Wasser“ zu erhalten, das weniger Kalk und Magnesium aufweist. Besonders Kaffee- und Teeliebhaber bevorzugen gefiltertes Wasser. Zum anderen haben viele auch Angst, dass doch Schadstoffe in das Trinkwasser gelangt sein könnten.
Bei der Auswahl der getesteten "Wasserfilter" beschränkte sich Stiftung Warentest leider ausschließlich auf simple Kannenfilter, die mit der Filterung von Schadstoffen wenig zu tun haben.
Professionelle Wasserfiltersysteme fanden keine Beachtung, was Endverbrauchern aber sicherlich viel helfen würde, schließlich funktionieren diese mit völlig anderen Methoden und hätten die Ergebnisse von Stiftung Warentest zu Wasserfiltern möglicherweise maßgeblich verändert. Mehr zu den Schwächen einfacher Kannenfilter im Detail lesen Sie auch in unserem Artikel Tischwasserfilter im Test: was bringen sie wirklich?
1 Welche Schadstoffe im Trinkwasser vorkommen
Trotz ständiger Kontrollen kann es vorkommen, dass Schadstoffe ins Trinkwasser gelangen. Alte oder verunreinigte Leitungen im häuslichen Wassersystem sind eine häufige Ursache für zum Beispiel im Wasser enthaltene Schwermetalle.
Blei im Trinkwasser ist dabei giftig und auch Kupfer, Zink und Nickel können in höheren Konzentrationen zu Magen-Darm-Problemen führen. Cadmium als Schwermetall im Trinkwasser kann bei kritischen Konzentrationen sogar langfristige Schäden verursachen, da es sich in Leber und Niere ansetzt.
Und auch wenn die Wasserwerke die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung einhalten, heißt das noch nicht, dass wirklich keine Schadstoffe mehr unter dem erlaubten Höchstwert im Wasser vorhanden sind. Viele Schadstoffe werden in der Trinkwasserverordnung auch gar nicht kontrolliert. So gibt es für Medikamentenrückstände oder polare Pestizide keine Grenzwerte im Trinkwasser.
2 Was Stiftung Warentest 2022 getestet hat
Stiftung Warentest prüfte 2022 acht Tischkannenfilter. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Die Noten reichten von „befriedigend“ bis „mangelhaft“, selbst die besten Kannen kamen nicht über ein „befriedigend“ hinaus. Grundsätzlich gilt Wasser erst ab weniger als 8,4 °dH als „weich“; hier wird schon deutlich, dass Tischkannen vor allem auf den Geschmack des Wassers abzielen, nicht auf Schadstoffe.
Getestet gegen nicht getestet
Der für die Wasserhärte verantwortliche Kalk ist nicht gesundheitsschädlich, andere im Wasser befindliche Schadstoffe standen bei den Herstellern der Tischkannenfilter aber offenbar eher im Hintergrund. Laut Stiftung Warentest ließ die Fähigkeit, den Härtegrad zu senken, bereits nach einem Viertel der angegebenen Kartuschenkapazität deutlich nach; die Filter schafften ihre Kernaufgabe also nur kurzfristig.
Deutlich schwerer wiegt ein zweiter Befund: In sämtlichen getesteten Kannen wies Stiftung Warentest Bakterien nach, bei einem Modell auch Schimmelpilze. Kartuschenanzeigen, die eine Überlastung des Filters verhindern sollen, orientieren sich in vielen Fällen lediglich daran, wie oft der Deckel geöffnet wurde; ein tatsächliches Verkeimungsrisiko wird damit nicht zuverlässig erkannt.
- Enthärtung: lässt schon nach einem Viertel der Kapazität deutlich nach.
- Hygiene: Bakterien in allen Kannen, Schimmelpilz bei einem Modell.
- Kartuschenanzeige: orientiert sich meist nur an der Öffnungshäufigkeit, nicht am tatsächlichen Verkeimungsrisiko.
Ein wenig überzeugendes Testergebnis; bei der Filterung von Schadstoffen waren einige Modelle immerhin etwas erfolgreicher.
3 Wie sich professionelle Filtersysteme von Kannenfiltern unterscheiden
Stiftung Warentest hat nur Tischkannenfilter getestet, keine professionellen Filtersysteme. Diese Modelle werden in der Öffentlichkeit oft mit professionellen Wasserfiltern gleichgesetzt, und so färbt der zweifelhafte Ruf auch auf diese Systeme ab. Professionelle Wasserfilter wie Carbon-Blockfilter oder Umkehrosmoseanlagen funktionieren jedoch nach einem vollkommen anderen Prinzip und zielen im Gegensatz zu Tischkannenfiltern auf die Schadstoffeliminierung im Trinkwasser ab.
Und diese Wasserfilter direkt an den Wasserhahn bzw. an die Wasserleitung werden am Entnahmepunkt angeschlossen und können bedeutend mehr aus dem Wasser filtern als Kannenfilter.
Carbon-Block-Verfahren (Aktivkohle-Blockfilter)
Kohlenstoff (Carbon) zeichnet sich dadurch aus, dass es ein sehr absorbierendes Material ist. Daher wird es oft dafür verwendet, Kontaminierungen und Verunreinigungen aus dem Wasser zu filtern. Die Funktionsweise erklärt der Artikel zum Aktivkohlefilter für Wasser. Carbon-Blockfilter arbeiten nicht wie Tischkannenfilter mit loser Aktivkohle, sondern mit gesinterten Aktivkohleblöcken (siehe Ersatzfilter Wasserfilter).
Die Kombination aus chemischer und physikalischer Reinigung führt zu einer sicheren Filtermethode. Bei diesen Wasserfiltern kann auf die Beigabe von Silber verzichtet werden, und dennoch werden auch Keime, Pilze und Viren zuverlässig aus dem Leitungswasser gefiltert. Der Filter muss nur alle sechs Monate gewechselt werden. Dieses Filtersystem ist ebenfalls in der Lage Arzneimittelrückstände zu filtern.
Umkehrosmoseanlagen
Beim Umkehrosmose-Verfahren wird das Wasser mithilfe von Druck durch eine äußerst feinporige Membran gepresst. Verunreinigungen bleiben dabei vor der Membran zurück. Lediglich die kleinen Wassermoleküle können die Membran passieren. Dieses Filtersystem entfernt jedoch neben Schadstoffen auch Mineralien. Die Membran hält nahezu alle gelösten Stoffe zurück, allerdings hat das Verfahren seinen Preis.
Das gefilterte, reine Wasser sollte daher anschließend wieder mineralisiert werden. Laut unserem ausführlichen Vergleich Aktivkohle vs. Umkehrosmose verbrauchen moderne Umkehrosmoseanlagen 1 bis 1,5 Liter, ältere Modelle sogar 3 bis 4 Liter Abwasser pro Liter gefiltertem Wasser, bei Anschaffungskosten von 900 bis 5.000 € gegenüber 120 bis 800 € für Aktivkohle-Blockfilter (Betriebskosten 300–600 € vs. 100–200 €/Jahr). Trotzdem filtert die Umkehrosmose fast alle Schadstoffe aus dem Trinkwasser, selbst Nitrat und Nitrit.
| Kriterium | Tischkannenfilter | Carbon-Blockfilter | Umkehrosmose |
|---|---|---|---|
| Prinzip | loses Aktivkohle-Granulat | gesinterter Aktivkohleblock | feinporige Membran |
| Schadstoffe | kaum belegt | Keime, Pilze, Viren, Arzneimittelrückstände | nahezu alle gelösten Stoffe |
| Mineralien | werden reduziert | bleiben im Wasser | werden mitentfernt |
| Anschaffung | gering | 120–800 € | 900–5.000 € |
| Betriebskosten/Jahr | laufende Kartuschen | 100–200 € | 300–600 € |
Ein Tischkannenfilter reicht aus, wenn …
- Sie nur geschmacklich weicheres Wasser für Kaffee oder Tee möchten
- Sie die Kartusche konsequent wechseln und den Filter im Kühlschrank aufbewahren
- Ihnen Schadstoffrückhalt keine Rolle spielt
Ein professionelles Filtersystem ist sinnvoll, wenn …
- Sie Schadstoffe wie Schwermetalle, Chlor, Keime oder Arzneimittelrückstände zuverlässig reduzieren wollen
- Ihnen Hygiene ohne Verkeimungsrisiko wichtig ist
- Mineralien im Wasser erhalten bleiben sollen
4 Brauchen Sie überhaupt einen Wasserfilter?
Die Testergebnisse von Stiftung Warentest beschränken sich nur auf sogenannte Tischkannenfilter. Die schlechten Ergebnisse zeigen hierbei klar, dass diese Filter in ihrer Funktionsweise stark eingeschränkt sind und sich eigentlich nur auf die Wasserhärte fokussieren.

Bedenklich ist die fehlende Belegpflicht
Kaum ein Hersteller von Kannenfiltern macht konkrete Angaben zu Schadstoffrückhaltewerten. Was nicht getestet wird, kann auch nicht belegt werden. Daher ist der Name Wasserfilter bei vielen Produkten irreführend.
Leider ist ein weiteres Ergebnis der Studie, dass das deutsche Leitungswasser von sehr guter Qualität ist und dass auf die Filterung verzichtet werden kann. Dies stimmt, wie gezeigt, leider nur bedingt denn Wasserfilter sind definitiv sinnvoll. Eingehaltene Grenzwerte oder gar fehlende Richtwerte bedeuten eben kein garantiert einwandfreies und wahrscheinlich auch gesundes Trinkwasser.
Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die Verbraucherzentrale. Leitungswasser aus der öffentlichen Versorgung sei in Deutschland „schadstoffarm und gut überwacht", eine Filterung aus rein gesundheitlicher Sicht daher in der Regel nicht notwendig.
Sie weist aber auch darauf hin, dass gerade Kannenfilter selbst zum Hygienerisiko werden können, wenn das Wasser zu lange im Behälter steht oder mit alten Kartuschen in Kontakt kommt. Wer dennoch einen Kannenfilter nutzt, sollte die Kartusche daher regelmäßig wechseln und den Filter zwischen den Anwendungen im Kühlschrank aufbewahren.
Wer sich wirksam gegen Schadstoffe schützen will, filtert sein Leitungswasser mit professionellen Filtermethoden am Entnahmepunkt. Diese haben sich in ihrer Filterleistung bewährt und haben kaum etwas mit Tischkannenfiltern gemein; Wasserfilter ist eben nicht gleich Wasserfilter.
Die verbreitete Meinung, Wasserfilter seien unnötig und ohnehin alle Keimschleudern, wie Stiftung Warentest wiederholt darlegte, greift deshalb zu kurz.
Irrtum: „Der Stiftung-Warentest-Test zeigt, dass alle Wasserfilter schlecht sind.“
Richtig ist: Getestet wurden ausschließlich acht Tischkannenfilter; professionelle Systeme wie Carbon-Blockfilter oder Umkehrosmose fanden keine Beachtung.
Irrtum: „Weil das deutsche Leitungswasser gut ist, braucht niemand einen Wasserfilter.“
Richtig ist: Eingehaltene Grenzwerte oder fehlende Richtwerte bedeuten kein garantiert einwandfreies Trinkwasser, etwa bei Medikamentenrückständen oder polaren Pestiziden, für die es keine Grenzwerte gibt.
Irrtum: „Kannenfilter sind zwangsläufig Keimschleudern, deshalb lohnt sich kein Filter.“
Richtig ist: Das Hygienerisiko betrifft speziell Kannenfilter mit stehendem Wasser und alten Kartuschen; Carbon-Blockfilter und Umkehrosmoseanlagen funktionieren nach einem anderen, geschlossenen Prinzip.
5 Was Sie jetzt tun können
Wer Schadstoffe zuverlässig aus dem Trinkwasser entfernen will, wählt ein professionelles Filtersystem statt einer Kanne; welcher Filter zu Ihrem Haushalt passt, zeigt der Wasserfilter-Konfigurator.
Nur „befriedigend“ bis „mangelhaft“, Bakterien in allen Kannen, kaum Schadstoffrückhalt.
Gesinterter Aktivkohleblock, entfernt Keime, Pilze, Viren und Arzneimittelrückstände, Mineralien bleiben erhalten.
Entfernt nahezu alle gelösten Stoffe, dafür höherer Preis und Wasserverbrauch.

