1 Welche Mineralien im Leitungswasser stecken und was sie bewirken
Leitungswasser liefert Kalzium, Magnesium, Kalium, Natrium, Eisen, Sulfat und Hydrogencarbonat, je nach Region in sehr unterschiedlichen Mengen. Wie viel davon in Ihrem Wasser steckt, steht in der Trinkwasseranalyse Ihres Versorgers; welche Aufgabe die einzelnen Stoffe im Körper haben, zeigt die Übersicht.
Kalzium
- Kalzium ist mengenmäßig einer der wichtigsten Mineralstoffe in unserem Körper. Der Körper braucht es für den Aufbau der Zähne und die Festigkeit der Knochen, und es hilft bei der Reizübertragung in Muskeln und Nerven.
- Ein Mangel kann Ursache für Kopfschmerzen oder Kreislaufschwäche sein.
- Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei 1000 bis 1200 Milligramm.
Magnesium
- Der Mineralstoff Magnesium ist unerlässlich für viele Körperfunktionen.
- Er wirkt bei der Proteinbildung, der Signalübertragung zwischen Nerven und der Aktivierung von Muskeln mit und zusammen mit Calcium auf Knochen und Zähne.
- Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei 300 bis 400 Milligramm.
Kalium
- Der Mineralstoff Kalium reguliert den Flüssigkeitshaushalt im Körper, insb. den Wasserhaushalt innerhalb und außerhalb von Körperzellen.
- Ohne Kalium funktionieren weder die Übertragung von Nervenimpulsen noch Muskelkontraktionen.
- Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei 2.000 bis 2.500 Milligramm.
Natrium
- Natrium steuert den Flüssigkeitshaushalt des Körpers und ist an der Signalübertragung zwischen Nerven und der Kontraktion von Muskeln beteiligt.
- Die empfohlene Tagesmenge für einen Erwachsenen liegt bei 1.500 bis 2.300 Milligramm.
- Ein Überschuss kann zu Bluthochdruck, Schwellungen und Flüssigkeitsansammlungen führen. Ein Natriummangel hingegen zu Kopfschmerzen und Krämpfen.
Eisen
- Das Spurenelement Eisen ist für die Herstellung von Hämoglobin (dem Protein in roten Blutkörperchen) notwendig und damit unverzichtbar für den Transport von Sauerstoff.
- Neben der Proteinbildung braucht der Körper es für die Energieproduktion und ein gesundes Immunsystem.
- Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei 8 bis 18 Milligramm.
Sulfat
- Der Mineralstoff Sulfat ist Bestandteil von Proteinen und Hormonen.
- Der Körper braucht es für die Entgiftung und für die Bildung von Knochen und Knorpel.
Hydrogencarbonat
- Hydrogencarbonat (auch bekannt als Bikarbonat) ist ein Bestandteil des Blutes und reguliert den Säure-Basen-Haushalt im Körper.
- Es neutralisiert überschüssige Säuren und trägt dazu bei den pH-Wert im Körper aufrechtzuerhalten.
Die genannten Tagesbedarfe sind grobe Orientierungswerte nach den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Abweichungen ergeben sich zum Beispiel durch Geschlecht, Schwangerschaft und Stillzeit, Alter und Gesundheitszustand.
2 Welche schädlichen Inhaltsstoffe im Leitungswasser vorkommen
Neben Mineralien enthält Leitungswasser auch unerwünschte Stoffe: Keime, Schwermetalle aus Rohren, Mikroplastik, Pestizide, PFAS, Arzneimittelreste, Chlor, Parasiten, Legionellen und Hormone. Ob sie gesundheitsschädlich sind, hängt von ihrer Konzentration ab.
In Deutschland ist die Wasserbeschaffenheit mit den zulässigen Grenzwerten im Trinkwasser der wichtigsten Inhaltsstoffe in der Trinkwasserverordnung festgelegt. Diese soll regelmäßig überarbeitet werden, wenn neue Schadstoffe im Wasser gefunden werden oder ein negativer Einfluss bekannter Inhaltsstoffe sich erhärtet.
Schadstoffe werden geduldet
In der Verordnung heißt es, dass Genusstauglichkeit und Reinheit des Wassers sichergestellt sein müssen. Gemeint ist damit nicht, dass Leitungswasser absolut frei von Schadstoffen sein muss. Viele Inhaltsstoffe werden in geringer Konzentration akzeptiert.
Nachfolgend stellen wir ein paar Beispiele häufig vorkommender schädlicher Inhaltsstoffe vor und wie sie in unser Leitungswasser gelangen:
Keime und Bakterien
Im Gegensatz zu Viren können Bakterien im Wasser sich unter den richtigen Bedingungen außerhalb eines Wirtskörpers vermehren. Sie können durch das Abwasser ins Trinkwasser gelangen. Selbst harmlose oder nützliche Bakterien können bei einem plötzlichen Anstieg zu Erkrankungen führen. Werden vermehrt Bakterien oder Keime über das Trinkwasser aufgenommen, kann dies schwere Infekte hervorrufen.
Schwermetalle
Giftige Schwermetalle wie Blei im Wasser oder Kupfer im Wasser lösen sich häufig über veraltete Rohrleitungen und sind somit nicht mehr durch die Trinkwasserverordnung reguliert. Diese prüft lediglich die Inhaltsstoffe des Trinkwassers bis zum Ende des Verteilungsnetzes der Wasserwerke.
Mikroplastik
Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe) bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Derzeit können Wasserwerke die kleinen Partikel nicht ausreichend aus dem Abwasser filtern. Aus Industrie und Haushalten gelangt Mikroplastik ins Wasser und somit in Umwelt und Gewässer.
Pestizide
Pestizide ist der Oberbegriff für alle Pflanzenschutzmittel. Darunter fallen drei große Gruppen: Herbizide, Fungizide und die Insektizide. Herbizide werden gegen Wildkräuter eingesetzt, Fungizide sollen Pilze wie Schimmel, Rost und Mehltau bekämpfen und Insektizide töten Milben, Läuse und Käfer ab. Gerade in landwirtschaftlich aktiven Regionen finden sich diese Stoffe im Leitungswasser wieder.
Nitrat als Indikator für Pestizide
Über Nitrat wurde und wird viel medial berichtet. Insbesondere auch weil im Jahr 2019 die Bundesregierung von der EU verklagt wurde, da die Nitratbelastung im deutschen Wasser zu hoch ist.
Es landet schlicht zu viel Gülle und Düngemittel auf deutschen Feldern und so gelangen Nitrate ins Grundwasser bzw. Leitungswasser.
Nitrat selbst ist als Salz der Salpetersäure für Pflanzen und viele Lebewesen ein lebensnotwendiger Stoff. In der Wasseranalytik wird Nitrat als Indikator für ausgebrachte Pflanzenschutz- und Düngemittel verwendet. Je höher der Nitratwert, umso höher die Wahrscheinlichkeit für gesundheitsschädliche Verbindungen (wie in Düngemitteln enthaltene Schwermetalle z.B. Blei, Cadmium, Nickel, Quecksilber, Arsen und Uran). Hinzu kommen bei konventioneller Landwirtschaft diverse Rückstände von Spritzschutz- und Pflanzenschutzmitteln.
Bei intensiver Düngung und Ausbringung können sich diese im Boden anreichern und über die Pflanzen in die Nahrungskette sowie das Grundwasser gelangen.
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen)
PFAS sind eine große Gruppe langlebiger, industriell hergestellter Chemikalien (u. a. aus Beschichtungen, Verpackungen und industriellen Prozessen), die sich in der Umwelt kaum abbauen und deshalb auch als "Ewigkeitschemikalien" bezeichnet werden.
Seit dem 12. Januar 2026 gilt in der Trinkwasserverordnung erstmals ein verbindlicher Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe von 20 PFAS-Verbindungen. Ab 2028 kommt ein strengerer Grenzwert hinzu: 0,02 Mikrogramm pro Liter für vier besonders relevante Einzelstoffe, darunter PFOA. Laut Umweltbundesamt reichern sich PFAS im Körper an und stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein.
Medikamente
Arzneimittelrückstände im Wasser ist mittlerweile ein großes Thema. Medikamente werden, nachdem sie ihren Dienst im Menschen oder Tier getan haben, über den Urin oder Stuhlgang wieder ausgeschieden und gelangen durch das Abwasser in den Wasserkreislauf. Die meisten Wasserwerke sind nicht mit der nötigen teuren Filtertechnik ausgestattet, und die Trinkwasserverordnung kennt keinen Grenzwert dafür. Aktivkohle Wasserfilter entnehmen diese Verbindungen sehr zuverlässig.
Chlor und Oxide
Chlor und andere Oxide werden von der Wasserversorgung im Trinkwasser als Desinfektionsmittel bei Bedarf genutzt um Keime und andere Verunreinigungen abzutöten. Aber auch als eine der meistverwendeten Chemikalien der Industrie gelangt Chlor regelmäßig ins Abwasser und so in den Wasserkreislauf.
Parasiten
Auch Schmarotzer genannt, bezeichnen Parasiten innerhalb der Tier- und Pflanzenwelt das Phänomen, dass ein Organismus oder Virus (Parasit) einen in der Regel erheblich größeren Organismus einer anderen Art als Wirt missbraucht. Parasiten können zu ernsthaften Erkrankungen führen. Da sie nicht durch Chlor abgetötet werden können, müssen sie durch Filtrationssysteme aus dem Trinkwasser entfernt werden.
Legionellen
Legionellen sind Bakterien, die sich bevorzugt in stehendem, warmem Wasser zwischen etwa 25 und 45 Grad vermehren, etwa in selten genutzten Leitungsabschnitten, Warmwasserspeichern oder Duschköpfen. Sie vermehren sich vor allem im Inneren frei lebender Amöben und in Biofilmen, wo sie vor äußeren Einflüssen gut geschützt sind. Eine Infektion erfolgt laut Robert Koch-Institut meist durch das Einatmen feiner Wassertröpfchen (Aerosole), etwa beim Duschen, und kann zu einer schweren Lungenentzündung (Legionärskrankheit) führen. Mehr dazu in unserem separaten Beitrag zu Legionellen.
Hormone
Der Gesetzgeber schreibt bisher in der Trinkwasserverordnung keinen Grenzwert für Hormone im Leitungswasser vor. Es gibt keine regelmäßigen Überprüfungen der Gewässer und des Trinkwassers auf Hormonrückstände. Schon geringe Mengen sollen große Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. Wird der Hormonhaushalt durch unbeabsichtigt eingenommene Hormone in der Nahrung oder dem Trinkwasser gestört, so kann auch dies zu Erkrankungen führen.
Einwandfreies Leitungswasser sollte es sein
Trinkwasser aus dem Wasserhahn ist für uns selbstverständlich. Wir nutzen es für viele unterschiedliche Dinge im Alltag und erwarten zu Recht entsprechend einwandfreie Trinkwasserqualität in Deutschland.
Laut Umweltbundesamt (2021) teilt sich unser täglicher Wasserverbrauch von ca. 128 Liter pro Kopf wie folgt auf:
- Baden, Duschen, Körperpflege (ca. 36%)
- WC-Spülung (ca. 27%)
- Wasch- und Spülmaschine (ca. 18%)
- Nutzung für Kleingewerbe (ca. 9%)
- Verbrauch für Haushalt, Auto und Gartenpflege (ca. 6%)
- und als direktes Getränk sowie die Zubereitung von Speisen und Getränken (4%)
3 Welche Lücken die Trinkwasserverordnung hat
Die Trinkwasserverordnung regelt nur Stoffe, deren Wirkung gut erforscht ist; für Mikroplastik, viele Pestizide, Arzneimittel und Industriechemikalien fehlen Grenzwerte. Mit Mängeln oder Zweifeln konfrontiert, berufen sich offizielle Stellen wie das Umweltbundesamt darauf, dass unser Trinkwasser alle Richtlinien erfüllt und die Grenzwerte eingehalten werden. Auch fällt oft die Aussage, Leitungswasser sei das meistgeprüfte Lebensmittel überhaupt.
An diesen Aussagen ist grundsätzlich nichts auszusetzen, doch die Realität sieht oft anders aus.
Man kann noch so viel prüfen, wenn bestimmte Schadstoffe einfach ignoriert werden. In der aktuellen Fassung der Trinkwasserverordnung finden sich lediglich Grenzwerte für Schadstoffe, die gründlich erforscht sind. Ihre Kurz- und Langzeitwirkung auf den menschlichen Körper ist hinlänglich bekannt.
In der Realität ist der Fortschritt in der Medizin- und Industrietechnik allerdings rasant, so dass immer wieder neue Inhaltsstoffe und Stoffgemische, die über kurz oder lang für unsere Gesundheit problematisch werden können in die Umwelt und den Wasserkreislauf gelangen. Hier bedarf es einer zeitnahen und regelmäßigen Überarbeitung der Grenzwerte und Methoden der Trinkwasseraufbereitung.
Grenzwerte fehlen zum Beispiel für folgende Substanzen:
- Mikroplastik
- viele Pestizide, Herbizide, Fungizide
- Arzneimittel und
- diverse Industriechemikalien.
Das sind nur Oberbegriffe für ganze Gruppen von Inhaltsstoffen. Zum Beispiel beträgt laut Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) allein die Anzahl der in Deutschland aktuell zugelassen Arzneimittel über 100.000 mit vielen Tausend einzelnen Wirkstoffen.
Dass viele dieser Stoffe auf Organismen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf den Menschen schädlich wirken, ist belegt. Drei Beispiele:
- Quelle 1 - Englische Studie zu EDCs (Chemikalien die das Hormonsystem stören) (2015)
- Quelle 2 - Helmholtz Forschungszentrum zur schädlichen Wirkung von Mikroplastik (2018)
- Quelle 3 - Studie des Umweltministeriums zur schädlichen Wirkung des Arzneimittels Diclofenac auf Fische (2014)
Das Argument, es fehle an Langzeiterkenntnissen und die Konzentrationen seien marginal, überzeugt angesichts der vielen Stoffe und des daraus entstehenden Cocktails im Trinkwasser nicht.
4 Wo die öffentliche Trinkwasseraufbereitung an Grenzen stößt
Die öffentliche Aufbereitung ist immer ein Kompromiss aus technischen Möglichkeiten und Kosten. Sie muss aus Gebühren und Steuergeldern finanziert werden, und das Ziel ist eine zumutbare, ausreichend verträgliche Wasserqualität, nicht Wasser ohne jeden Rückstand.
Vielerorts liefern Wasserwerke zeitweise keimbelastetes Wasser an Verbraucher. Insbesondere kleinere Wasserversorger haben Probleme die Grenzwerte für gefährliche Fäkalkeime durchweg einzuhalten. Häufiger Grund ist fehlende oder veraltete Filtertechnik.
Der Klimawandel selbst und damit einhergehende punktuell auftretende starke Wassermassen wie die sommerlichen Starkregen-Ereignisse aus dem Jahr 2021 zeigten, setzen Wasserversorger zunehmend unter Druck. Bei solchen Hochwasser-Ereignissen werden ursprünglich aus der Landwirtschaft stammende Fäkalbakterien vermehrt über Flüsse und Seen in das Wassereinzugsgebiet vieler Versorger gespült und machen normalerweise das Ausrufen von Abkochgeboten notwendig.
Abkochgebote aus der Presse
Wie häufig das vorkommt und wie viele Tausend Menschen davon betroffen sind, zeigen Meldungen von Gesundheitsämtern, Stadtwerken und Sendern aus 2025 und 2026:
- Juli bis August 2026, Gütersloh: Nach dem Nachweis coliformer Bakterien galt zwei Wochen lang ein Abkochgebot für einen ganzen Stadtbereich, die Ursache ließ sich nicht mehr klären (Stadtwerke Gütersloh).
- Juli 2026, Kreis Euskirchen: Enterokokken im Hochbehälter Giescheid, Abkochgebot für 48 Ortschaften in Dahlem, Hellenthal, Kall und Schleiden (Kreisgesundheitsamt Euskirchen).
- Juni 2026, Würzburg und Gerbrunn: Enterokokken im Netz, Abkochgebot für das gesamte Stadtgebiet (Gesundheitsamt Landkreis Würzburg).
- Juni 2026, Holzhausen an der Haide und Obertiefenbach: E. coli im Trinkwasser, Abkochgebot durch das Gesundheitsamt (Rhein-Lahn-Kreis).
- März 2026, Flieden-Rückers mit drei Ortsteilen: coliforme Keime und Enterokokken im Netz (Gemeinde Flieden).
- 2025: Bermatingen im September (SWR), Teile von Detmold im August (Süddeutsche Zeitung) und einzelne Straßen in Würzburg im Juni wegen Enterokokken (Landkreis Würzburg).
Nur keine Panik machen
Nach außen hin kommunizieren Umweltbundesamt und lokale Wasserversorger immer dasselbe Mantra: Das Trinkwasser in Deutschland ist von hervorragender Qualität und sehr gut trinkbar.
Rückstände von potentiell diskutablen Inhaltsstoffen im Trinkwasser werden zwar nicht bestritten, aber der Einfluss auf Mensch und Tier wird heruntergespielt, schließlich kommen die einzelnen Wirkstoffe nur in verschwindend kleinen Mengen vor. Das beste Argument bleibt, dass es schlicht an langfristigen Erkenntnissen fehlt.
5 Der lange Weg des Wassers vom Werk zum Wasserhahn
Die Wasserwerke garantieren die Qualität nur bis zum Hausanschluss, konkret bis zum Wasserzähler. Alles danach, vom Leitungsnetz über die Hausinstallation bis zum Perlator, kann das Wasser wieder verändern.
1. Start ins Verteilungsnetz
Nach der Aufbereitung beim lokalen Wasserversorger und der Einhaltung aller Grenzwerte wird das Trinkwasser in das öffentliche Leitungsnetz eingespeist und zu den Verbrauchern transportiert. Dabei kann das Wasser schon deutlich an Qualität durch diverse Verunreinigungen verlieren.
Schon hier wird deutlich, dass hohe Hygieneansprüche und strenge Grenzwerte nur bedingt helfen, wenn das Trinkwasser anschließend in veraltete und marode Trinkwassernetze geleitet wird, wie es leider in vielen Gegenden und Städten der Fall ist. Auf dem Weg zum Verbraucher bieten sanierungsbedürftige Wasserleitungen Keimen gute Bedingungen zur Vermehrung. Ohnehin endet die Verantwortung der öffentlichen Hand am Hausanschluss.
2. Gebäude (in Verantwortung der Eigentümer)
Ab hier übernehmen die Gebäudeeigentümer diese Verantwortung. Je älter ein Gebäude und je länger eine Sanierung zurückliegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Verunreinigungen aus den Rohrleitungen selbst stammen. Alte Rohrleitungen in entsprechend alten Gebäuden fördern dieses Keimwachstum noch.
Risse, Undichtigkeiten, inaktive Leitungsstränge, geringe Fließgeschwindigkeiten oder Temperaturen über 20 Grad können ebenfalls eine Gefahr für die Wasserqualität darstellen. Wasser löst unter solchen Bedingungen Schwermetalle aus Blei- oder Kupferrohren. Baujahr und Leitungsmaterial klären Vermieter oder Hausverwaltung; welche Rohre kritisch sind, steht unter Wasserleitungen und ihr Material.
3. Endstation Wasserhahn
Bis hierhin hat Ihr Wasser viele Kilometer zurückgelegt, durfte lange bis sehr lange Zeit stehen und konnte mit vielen Baustoffen und Materialien reagieren, mit denen es in Berührung kam. Auch den „letzten Meter“ durch Ihre Küchenarmatur und den Siebträger/Perlator muss es noch ohne weitere Verunreinigungen durchlaufen.
Dabei sind gelöste Schwermetalle aus alten oder minderwertigen Armaturen sowie retrograde Verkeimung (vom belasteten Perlator zurück in die Leitung) keine Seltenheit. Wann haben Sie zuletzt Ihren Perlator gereinigt und entkalkt?
6 Sind ein paar Schadstoffe im Trinkwasser in Ordnung?
Leitungswasser ist nicht frei von schädlichen Inhaltsstoffen, und die Trinkwasserverordnung verlangt das auch nicht. Oft werden schädliche Wirkweisen heruntergespielt oder es wird auf fehlende Langzeiterkenntnisse verwiesen.
Wir sehen das etwas anders. Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, denn unser Körper besteht zu ca. 70 % aus Wasser. Im Laufe des Lebens trinken wir bis zu 100.000 Liter. Deshalb sollte es frei von Schadstoffen sein.
Auch noch so kleine Mengen an Mikroplastik, giftigen Schwermetallen wie Blei oder Kupfer, hormonähnlichen Chemikalien, Weichmachern oder einem Cocktail aus Arzneimittelwirkstoffen stehen im Verdacht, in ihrer Kombination (sogenannter Cocktail-Effekt) auch unterhalb der jeweiligen Einzel-Grenzwerte gesundheitliche Auswirkungen haben zu können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Umweltchemie untersuchen dieses Feld, belastbare Langzeitstudien am Menschen fehlen noch.
Als Lebensmittel sollte Trinkwasser auch in keinster Weise Krankheitserreger wie Fäkalbakterien oder Desinfektionsmittel wie Chlor enthalten.
7 Schädliche Inhaltsstoffe selbst aus dem Wasser filtern
Ein gesinterter Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt hält praktisch alle gängigen Schadstoffe zurück und lässt Mineralien und Salze im Wasser. Das ist einfacher, als auf Änderungen in der öffentlichen Versorgung zu warten oder Mineralwasser im Supermarkt zu kaufen. Gute Wasserfilter sind nicht teuer und leicht zu installieren; die Filterblöcke gibt es in zwei Größen je nach Einsatzort.
Leitungsgebunden gefiltert, direkt am Ort der Entnahme (meist in der Küche), entfernt ein guter Wasserfilter Schadstoffe und Krankheitserreger zuverlässig; was der Filterblock im Einzelnen zurückhält, steht unter Was wird gefiltert. Von deutschen Herstellern bieten wir drei Bauformen an.
Drei Bauformen direkt am Entnahmepunkt
Alb Filter aus Baden Württemberg hat sich auf kleine, leistungsstarke Filtergehäuse spezialisiert, zum Beispiel als Wasserhahn-Filter.
Für größere Aktivkohle-Blockfilter bieten Alvito Wasserfilter und Carbonit Filter passende Auftisch Wasserfilter an, welche über einen Schlauch mit ihrer Armatur verbunden werden.
Wer nichts auf der Arbeitsplatte stehen haben möchte, wählt einen Untertisch Wasserfilter, der unter der Spüle auf drei verschiedene Arten installiert werden kann.
8 Was Leser zu Inhaltsstoffen im Leitungswasser noch fragen
Welche Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass Leitungswasser unangenehm riecht oder schmeckt?
Häufige Ursachen sind Chlor aus der Desinfektion, Eisen und Mangan aus älteren Rohrleitungen, ein hoher Sulfat- oder Härtegrad sowie abgestandenes Wasser in wenig genutzten Leitungsabschnitten (Stagnationswasser). Ein Aktivkohlefilter kann viele dieser geruchs- und geschmacksbeeinflussenden Stoffe zuverlässig reduzieren.
Welche Werte sollte gutes Trinkwasser haben?
Maßgeblich sind die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2023), zum Beispiel 50 mg/l für Nitrat oder 0,010 mg/l für Blei. Einen vollständigen Überblick über die wichtigsten Parameter gibt unser Beitrag zu den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung.
Sagt der TDS-Wert etwas über die Wasserqualität aus?
Uns erreichen häufig Fragen, welchen TDS-Wert Leitungswasser haben sollte. Der TDS-Wert ist aber ein rein quantitativer Wert für die Menge aller gelösten Stoffe; um welche Stoffe es sich handelt, verrät er nicht. Mineralstoffreiches Wasser hat immer einen hohen TDS-Wert, ohne dass es schädliche Inhaltsstoffe enthält. Was ein TDS-Messgerät leistet und was nicht, steht im Beitrag Wasserqualität selbst messen.
Woher kommt das Trinkwasser?
In Deutschland stammt der überwiegende Teil des Trinkwassers laut Umweltbundesamt aus Grundwasser (rund zwei Drittel), der Rest überwiegend aus Oberflächenwasser (Talsperren, Flüsse, Seen) sowie Uferfiltrat, das ähnlich wie Grundwasser aufbereitet wird. Woher Ihr Wasser kommt, nennt der Versorger in seiner Trinkwasseranalyse.
Was steht genau in der Trinkwasserverordnung?
Die TrinkwV legt mikrobiologische, chemische und Indikatorparameter samt Grenzwerten fest und schreibt den Wasserversorgern regelmäßige Untersuchungen vor, die unter Aufsicht der Gesundheitsämter stehen. Sie wird in unregelmäßigen Abständen an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst, zuletzt grundlegend mit der Novelle von 2023 und dem PFAS-Grenzwert ab 2026.
Wie viel Kalzium und Magnesium ist im Leitungswasser?
Das hängt stark von Region und Wasserhärte ab: Je härter das Wasser, desto mehr Kalzium und Magnesium enthält es. In sehr weichen Gebieten liegen die Werte bei wenigen mg/l, in sehr hartem Wasser kann der Kalziumgehalt über 100 mg/l betragen. Die genauen Werte für Ihren Wohnort liefert der örtliche Wasserversorger im Wasserqualitätsbericht.
Was bedeutet die Wasserhärte in Grad deutscher Härte (°dH)?
Die Wasserhärte gibt an, wie viel Calcium und Magnesium im Wasser gelöst sind. Nach dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (WRMG) gilt Wasser unter 8,4 °dH als weich, zwischen 8,4 und 14 °dH als mittel und über 14 °dH als hart. Hintergründe liefert unser Beitrag zur richtigen Wasserhärte für Trinkwasser und Filter.
9 Warum Filtern besser ist als Abwarten
Filtern, denn auf neue Grenzwerte zu warten dauert Jahre: Der PFAS-Grenzwert kam erst 2026, für Mikroplastik und Arzneimittel gibt es bis heute keinen. Ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt schließt diese Lücke im eigenen Haushalt und lässt die Mineralien im Wasser.
Kalzium, Magnesium und Kalium aus dem Leitungswasser decken einen Teil des Tagesbedarfs, mehr dazu unter Mineralien im Wasser.
Für Mikroplastik, viele Pestizide, Arzneimittel und Industriechemikalien fehlen bislang Grenzwerte; welche Werte gelten, zeigt der Beitrag zu den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung.
Ein Aktivkohle-Blockfilter hält Schadstoffe am Entnahmepunkt zurück und lässt die Mineralien im Wasser.
Quellen
- Umweltbundesamt - Trinkwasser
- Ärzteblatt - Arzneimittel im Trinkwasser
- Ärztekammer Nordrhein - Arzneimittel im Wasser: Gefahr für Mensch und Tier
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) - Mischungen von Chemikalien und ihre gesundheitliche Bedeutung (Cocktail-Effekt)
- Stadtwerke Gütersloh (2026) - Trinkwasser: Abkochgebot aufgehoben
- Kreisverwaltung Euskirchen (2026) - Abkochgebot für Ortschaften in Dahlem, Hellenthal, Kall und Schleiden
- Landkreis Würzburg (2026) - Gesundheitsamt spricht Abkochgebot für Trinkwasser in Würzburg und Gerbrunn aus
- Rhein-Lahn-Kreis (2026) - Abkochgebot für Trinkwasser (Holzhausen an der Haide)
- Gemeinde Flieden (2026) - Bakterielle Verunreinigung im Trinkwassernetz: Abkochgebot für Flieden-Rückers

