Das Wichtigste vorweg: Legionellen sind ein Duschthema, kein Trinkthema
Legionellen machen nicht krank, wenn man sie trinkt. Sie gelangen über die Lunge in den Körper, und dorthin kommen sie nur als Aerosol, also als feiner Wassernebel. Deshalb stehen Duschen, Whirlpools, Klimaanlagen und Rückkühlwerke im Mittelpunkt, nicht das Glas am Küchenhahn. Der Magen ist für Legionellen eine Sackgasse.
Praktisch heißt das: Das Problem sitzt im Warmwasser zwischen 25 und 45 Grad und in Strängen, in denen Wasser tagelang steht. Ein Trinkwasserfilter an der Küchenspüle löst es nicht, weil dort gar keine Ansteckung stattfindet. Wer etwas tun will, setzt bei der Warmwassertemperatur, bei der Spülung nach Stagnation und gegebenenfalls am Duschkopf an.
Wer sich schützen möchte, sollte Leitungen nach längerer Stagnation gründlich durchspülen, die Warmwassertemperatur ausreichend hoch halten und bei Bedarf einen Duschfilter einsetzen. Der folgende Artikel informiert Sie über die genaue Übertragungsweise der Legionellen, wie diese ins Leitungswasser gelangen und über die möglichen Gegenmaßnahmen, die Sie als Verbraucher einleiten können.
1 Was sind Legionellen und wo treten sie auf?
Legionellen sind bewegliche Stäbchenbakterien, die in geringer Konzentration im Boden und in beinahe allen Gewässerarten, also sowohl im Salz- als auch im Süßwasser, verbreitet sind. Sie besitzen eine durchschnittliche Länge von 2-5 µm und einen Durchmesser von 0,5-0,8 µm. Derzeitig sind 48 Legionellenarten bekannt. Für den Menschen am gefährlichsten ist die sogenannte Legionella pneumophila, sie befällt die Lunge und löst die gefährliche Legionärskrankheit aus.
2 Die Vermehrung und das Absterben der Legionellen im Leitungswasser
In geringer, ungefährlicher Konzentration sind Legionellen bereits im Leitungswasser enthalten, sobald dieses das Wasserwerk verlässt. Die Zunahme der Legionellen hängt entscheidend von der Temperatur ab. Bei 20 Grad Celsius oder niedriger nimmt die Legionellenzahl nur sehr langsam zu.
Vor allem in den Warmwassersystemen der Gebäude mit einem erhöhten Temperaturniveau haben diese Keime jedoch ausgezeichnete Möglichkeiten sich zu vermehren. Die Wachstumsrate steigt im Bereich von 20 bis 30 Grad Celsius stufenweise an und findet optimale Bedingungen zwischen 30 und 45 Grad Celsius vor.
Ab 50 Grad Celsius wiederum sinkt die Vermehrungszahl und ab 55 Grad Celsius werden diese Bakterien langsam im Wasser abgetötet. Dieses Absterben beschleunigt sich bei einer weiteren Temperaturzunahme. Generell ist ab einem Bereich von 70 Grad Celsius und einer Einwirkzeit dieser Temperatur von mehr als drei Minuten von einer sicheren, raschen Abtötung der Legionellen auszugehen.
Besonders gut vermehren sich die Keime auf größeren Oberflächen wie Biofilmen oder Wuchsbelägen, die beispielsweise auf Filtern oder bei Ablagerungen durch Schlamm, Korrosionsprodukte oder Kalk vorkommen.
3 Legionellengrenzwert im Trinkwasser
Das Gesundheitsrisiko wird nicht nur von der Legionellenmenge bestimmt, sondern auch von der Legionellenart, dem Auftreten von Amöben und dem Immunsystems des Verbrauchers.
Die aktuelle Trinkwasserverordnung (Fassung 2023) legt den Grenzwert von Legionellen im Trinkwasser unverändert bei 100 KBE pro 100 Milliliter fest. Mit der Maßeinheit KBE, Abkürzung für „koloniebildende Einheit“, wird die Anzahl von Mikroorganismen angegeben.
Rechtlich exakt handelt es sich dabei nicht um einen gesundheitsbasierten Grenzwert, sondern um den sogenannten technischen Maßnahmenwert (TrinkwV, Anlage 3): Er legt fest, ab welcher Konzentration der Anlagenbetreiber technische Gegenmaßnahmen prüfen und einleiten muss – nicht die Schwelle, ab der zwingend eine Infektionsgefahr besteht.
Wird der festgelegte Grenzwert nicht eingehalten, so muss der Betreiber Maßnahmen gegen den Legionellenbefall einleiten. Nach vier Wochen ist eine erneute Überprüfung notwendig. Bei erneuter Überschreitung im Bereich von 100 bis 1000 KBE pro 100 Milliliter sind weitere Maßnahmen erforderlich. Über dem Wert von 1000 KBE pro 100 Milliliter sind Sanierungsmaßnahmen notwendig.
Übersteigt die Legionellenzahl den Gefahrenwert von 10000 KBE pro 100 Milliliter, so müssen Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen werden, zum Beispiel Duschverbote oder der Einsatz von Filtern. Legionellen dürfen in Hochrisikobereichen wie beispielsweise Krankenhäusern, in denen sich Menschen mit geschwächtem Immunsystem aufhalten, nicht vorkommen. Der Grenzwert liegt in diesem Fall bei 0 KBE pro 100 Milliliter.

Gut zu Wissen:
Die Infektion des Menschen durch Legionellen geschieht hauptsächlich durch das Einatmen von Wasserdampf in Duschen oder bei Wasserhähnen.
4 Übertragung auf den Menschen
Die Infektion des Menschen durch Legionellen geschieht hauptsächlich durch das Einatmen von Wasserdampf in Duschen oder bei Wasserhähnen. Weitere Gefahrenquellen sind Aerosole, ein Gemisch aus Schwebeteilchen und Luft, in Kühltürmen, Klimaanlagen und Schwimmbädern mit beispielsweise Fontänen und Rutschen. Eine Infektion durch offene Wunden ist sehr selten, die Ansteckungen über die Einnahme von Essen oder Trinken ist nicht möglich. Zudem ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch ausgeschlossen.
5 Gesundheitliche Auswirkungen
Eine Legionelleninfektion kann zwei Krankheitsformen auslösen, das Pontiac Fieber und die Legionärskrankheit. Das Pontiac Fieber ist eine grippeähnliche Erkrankung mit Fieber, Husten und Muskelschmerzen. Sie befällt nicht die Lunge, hat einen relativ milden Verlauf und Todesfälle sind nicht bekannt.
Wie viele Menschen in Deutschland jährlich am Pontiac-Fieber erkranken, lässt sich nicht verlässlich beziffern: Die Erkrankung verläuft mild, ähnelt einer Grippe und wird deshalb selten ärztlich abgeklärt oder gemeldet – die Dunkelziffer gilt als hoch, belastbare Jahresstatistiken für Deutschland liegen nicht vor. Für die meldepflichtige Legionärskrankheit registriert das Robert Koch-Institut dagegen rund 2.000 bis 2.500 gemeldete Fälle pro Jahr, ebenfalls mit einer vermuteten, aber nicht exakt bezifferten Dunkelziffer.
Die Legionärskrankheit hat jedoch schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit. Sie befällt die Lunge und löst eine schwere Lungenentzündung aus. Besonders Menschen mit schwachem Immunsystem, alte Leute, Säuglinge, Raucher und Kranke sind betroffen.
Der Verlauf ist von hohem Fieber, Schüttelfrost, Husten sowie Kopf- und Muskelschmerzen geprägt, bei einem Teil der Erkrankten kommen auch Durchfall oder Verwirrtheit hinzu.
Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Infektion und ersten Symptomen – beträgt:
- bei der Legionärskrankheit laut Robert Koch-Institut rund 2 bis 10 Tage (meist 5 bis 6 Tage)
- beim deutlich milderen Pontiac-Fieber dagegen nur 5 bis 72 Stunden (meist 8 bis 24 Stunden)
Am Anfang gleichen sich die Symptome beider Krankheitsbilder, die Legionärskrankheit kann jedoch tödlich verlaufen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sterben etwa 5 bis 9 Prozent der Erkrankten daran, bei im Krankenhaus erworbenen Fällen liegt die Sterblichkeit mit rund 13 Prozent etwas höher.
6 Diagnose und Behandlung der Legionärskrankheit
Der Verdacht auf eine Legionellen-Pneumonie wird meist über einen Urin-Antigen-Test abgeklärt, der vor allem die häufigste Erregergruppe Legionella pneumophila Serogruppe 1 zuverlässig erfasst. Als Goldstandard gilt laut Robert Koch-Institut der kulturelle Nachweis aus Atemwegsmaterial, ergänzend kommen schnelle PCR-Verfahren zum Einsatz.
Behandelt wird mit Antibiotika, üblicherweise Levofloxacin oder Moxifloxacin, da klassische Betalaktam-Antibiotika gegen den in Körperzellen sitzenden Erreger nicht ausreichend wirken. Bei entsprechenden Symptomen nach Aufenthalt in Risikoumgebungen wie Hotels, Krankenhäusern oder nach Kontakt mit Aerosolen ist daher zeitnah ärztliche Abklärung nötig, eine Selbstdiagnose ist nicht möglich.

Eigentümer trägt Verantwortung:
Regelmäßige Überprüfungen der Trinkwasserinstallationen auf Legionellenbefall sind gemäß der Trinkwasserverordnung vom Betreiber durchzuführen.
7 Maßnahmen gegen Legionellen im Wasser
Regelmäßige Überprüfungen der Trinkwasserinstallationen auf Legionellenbefall sind gemäß der Trinkwasserverordnung vom Betreiber durchzuführen. Bei Anlagen mit gewerblicher Tätigkeit ist mindestens alle drei Jahre, bei öffentlicher Tätigkeit eine jährliche Überprüfung vorgeschrieben, bei mobilen Versorgungsanlagen wie beispielsweise Flugzeugen legt das Gesundheitssamt die Häufigkeit fest.
Zu öffentlichen Tätigkeiten zählen unter anderem Schulen, Krankenhäuser und Altenheime. Mit dem Begriff gewerbliche Tätigkeiten werden Mietshäuser und Arbeitsstätten eingeschlossen. Wird der Grenzwert von 100 KBE/100 ml überschritten, so ist der Betreiber verpflichtet, Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Mögliche Schritte sind die thermische Desinfektion, Spülen bei über 70 Grad Celsius länger als drei Minuten, die chemische Desinfektion, die UV-Bestrahlung oder Ultrafiltration (Aktivkohle-Blockfilter mit Kapillarmembran 0,02 µm).
Legionellenfilter beim Duschen sinnvoll
Da Legionellen nicht durch das Trinken von Wasser übertragen werden sondern nur durch feine Wasserpartikel in der Luft, bieten nur Legionellenfilter für die Dusche wie der Nano von Alb Filter sicheren Schutz. Einen Überblick über unser gesamtes Sortiment finden Sie in der Kategorie Duschfilter.
8 Häufig gestellte Fragen zu Legionellen
Kann ich mich durch Trinken von legionellenhaltigem Wasser anstecken?
Nein. Legionellen werden ausschließlich über das Einatmen feiner Wasserpartikel übertragen, etwa beim Duschen oder über Aerosole aus Klimaanlagen. Über Essen oder Trinken ist eine Ansteckung nicht möglich, ebenso wenig von Mensch zu Mensch.
Ab welcher Wassertemperatur sind Legionellen kein Problem mehr?
Legionellen vermehren sich optimal zwischen 30 und 45 Grad Celsius. Ab 55 Grad sterben sie langsam ab, ab 70 Grad Celsius mit mindestens drei Minuten Einwirkzeit gilt eine sichere, rasche Abtötung als gegeben.
Was kann ich als Privatperson gegen Legionellen tun?
Wurde ein Wasserhahn drei Tage oder länger nicht benutzt, sollte das abgestandene Wasser ausgetauscht werden, bis es spürbar kalt oder warm aus der Leitung kommt. Die Warmwassertemperatur sollte ausreichend hoch gehalten werden, und ein Duschfilter bietet zusätzlichen Schutz vor eingeatmeten Wasserpartikeln.
Wie unterscheiden sich Pontiac-Fieber und Legionärskrankheit?
Das Pontiac-Fieber verläuft grippeähnlich und mild, ohne bekannte Todesfälle. Die Legionärskrankheit dagegen befällt die Lunge, verursacht eine schwere Lungenentzündung und verläuft laut Robert Koch-Institut bei 5 bis 9 Prozent der Erkrankten tödlich.
9 Fazit
Legionellen im Trinkwasser können in zu hoher Konzentration schädlich für die menschliche Gesundheitlich sein und sogar bis zum Tod führen. Die Trinkwasserverordnung hat daher zulässige Grenzwerte festgelegt, die eingehalten werden müssen. Der Betreiber ist dafür verantwortlich, die Trinkwasserqualität sicherzustellen. Auch Sie als Privatperson können jedoch Gegenmaßnahmen ergreifen.
Trinkwasserleitungen, die selten genutzt werden, weisen eine erhöhte Gefahr des ungesunden Legionellenwachstums auf, da das Wasser in der Leitung bei optimalen Keimtemperaturen länger verweilt. Als Regel gilt: Wurde ein Wasserhahn drei Tage nicht benutzt, tauschen Sie das abgestandene Wasser in der Leitung aus. Drehen Sie den Hahn dazu so lange auf, bis das Wasser wieder richtig kalt oder warm aus der Leitung fließt.
Zudem können sie einen Eingangswasserfilter einbauen, der verhindert, dass Partikel in die Haushaltsinstallation eingeschwemmt werden und die Leistung der Brauseköpfe und des Trinkwassererwärmers reduziert.
Stagnation vermeiden, Warmwasser ausreichend heiß halten, Leitungen regelmäßig durchspülen.
Schützt zuverlässig vor eingeatmeten Legionellen, da die Übertragung nur über die Luft erfolgt.
Quellen
- Trinkwasserverordnung - aktuelle Fassung (2023)
- NDR (2013) - Legionellen: Gefährliche Keime im Trinkwasser
- ikz praxis (2002) - Sanierung von Trinkwasserleitungen bei Legionellenbefall
- baulinks (2014) - Legionellen: Unterschätzte Gefahr in Privathaushalten
- Robert Koch Institut: „Legionellose in Deutschland 2004“. In: Merkblatt Nr. 48, S.1-6.
- Robert Koch-Institut - RKI-Ratgeber Legionellose
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