Für Bisphenol A (BPA) gilt seit dem 12. Januar 2024 erstmals ein eigener gesetzlicher Grenzwert in der deutschen Trinkwasserverordnung: 2,5 Mikrogramm pro Liter. Die EU reguliert den Stoff daneben in Feststoffen: Nachdem 2011 der Einsatz in Babyflaschen verboten wurde, folgten 2020 Kassenzettel und Etiketten (Thermopapier), und seit dem 20. Januar 2025 gilt EU-weit ein weiter gefasstes Verbot von BPA in Lebensmittelkontaktmaterialien wie Kunststoff-Trinkflaschen, Dosenbeschichtungen und Verpackungslacken (mit Übergangsfristen bis 2026-2028).
Besonders in älteren Hausinstallationen mit sanierten Rohrleitungen wird der neue Trinkwasser-Grenzwert in der Praxis häufig überschritten. Warmes Wasser aus solchen Leitungen gehört deshalb nicht in den Kochtopf, und ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt hält den Stoff zurück.
1 Was ist Bisphenol A und wo tritt es auf?
Bisphenol A ist eine chemische Verbindung, aus der der Hochleistungskunststoff Polycarbonat und Epoxidharze hergestellt werden. Das Einsatzgebiet umfasste bisher Etiketten, Kassenzettel, DVDs, Geschirr oder auch Vorratsbehälter, und es steckt in epoxidhaltigen Farben, Lacken und Böden. Als Grundstoff ist Bisphenol weißes Pulver, das brennbar und relativ schlecht wasserlöslich ist.
Die Wege von BPA ins Wasser
Basierend auf einer Erhebung aus dem Jahr 2006, produzierte die chemische Industrie weltweit in etwa 3,8 Millionen Tonnen Bisphenol A pro Jahr. Ein Drittel der weltweiten Herstellung fand in der EU statt, ein erheblicher Teil davon in Deutschland. Seither hat die zunehmende Regulierung die Verwendung in vielen Anwendungsbereichen aber deutlich eingeschränkt.
2 Welcher Grenzwert gilt für Bisphenol A im Trinkwasser?
Mit der Novelle der Trinkwasserverordnung (Umsetzung der EU-Trinkwasserrichtlinie) gilt seit dem 12. Januar 2024 erstmals ein gesetzlicher Grenzwert für Bisphenol A, kurz BPA, im Trinkwasser: 2,5 Mikrogramm pro Liter (µg/l). Bisphenol A gehört damit zu den Parametern, deren Konzentration erst innerhalb des Verteilungsnetzes und der Hausinstallation ansteigen kann. Die Belastung entsteht also meist nicht im öffentlichen Netz, sondern erst auf den letzten Metern bis zum Wasserhahn.
Wie die Schutzschwelle um vier Größenordnungen fiel
Die EU-Regulierung des Stoffes in Feststoffen (Babyflaschen, Kassenzettel, Etiketten und seit Januar 2025 ein breiteres Spektrum an Lebensmittelkontaktmaterialien) läuft davon unabhängig.
Die Chemikalie kann durch industrielle Abwässer aber auch Sickerwasser in den Wasserkreislauf gelangen. Der weitaus relevantere Eintragsweg für Ihr Trinkwasser sind jedoch Epoxidharzbeschichtungen, die beim sogenannten Relining zur Sanierung alter Rohrleitungen eingesetzt wurden, insbesondere zwischen den 1990er- und 2010er-Jahren.
Eine Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) Stuttgart an über 100 Proben aus Hausinstallationen mit Epoxidharzsanierung zeigt, wie deutlich die Belastung dort ausfallen kann:
- Im Kaltwasser lagen die Werte meist niedrig.
- Im Warmwasser maß das CVUA dagegen Konzentrationen bis zu 211 µg/l; der neue Grenzwert von 2,5 µg/l wurde in rund 87 Prozent der untersuchten Warmwasserproben überschritten.
Betroffen sind vor allem Bestandsbauten, in denen Rohrleitungen per Relining statt durch einen kompletten Rohraustausch saniert wurden. Da sich Bisphenol A bevorzugt bei höheren Temperaturen aus dem Epoxidharz löst, sollten Sie in solchen Gebäuden möglichst kein warmes Leitungswasser zum Trinken, Kochen oder für die Zubereitung von Säuglingsnahrung verwenden. Als Mieter können Sie sich beim Vermieter erkundigen, ob eine Sanierung im Relining-Verfahren stattgefunden hat; als Eigentümer können Sie eine Untersuchung auf Bisphenol A veranlassen.
3 Wie wirkt Bisphenol A auf die Umwelt?
Die größte Menge an Bisphenol A gelangt über die industrielle Herstellung von Produkten auf BPA-Basis in die Gewässer. Ein weiterer großer Eintragsweg ist das Recyceln von Thermopapier wie Kassenzetteln und von Polycarbonat-Produkten. Es wird auch angenommen, dass der Abfall mit Bisphenol A-Gehalt in die Gewässer und Böden eingetragen wird.
Die Chemikalie hat auf Tiere eine hormonelle Wirkung, es verstärkt weibliche und hemmt männliche Sexualhormone. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise Fische und Vögel unter Fehlbildungen der Fortpflanzungsorgane leiden können, Frösche verweiblichen und Insekten verzögert schlüpfen. Untersuchungen zeigen, dass Beeinträchtigungen der Tiere bereits bei geringen Konzentrationen der Chemikalie festzustellen sind.
4 Wie wirkt Bisphenol A auf die Gesundheit?
Trotz zahlreicher Studien bleibt das genaue Risiko für die menschliche Gesundheit umstritten. Tierversuche mit Mäusen zeigen, dass bereits niedrige Konzentrationen von Bisphenol A dazu führen können, dass Lernvermögen, Verhalten und Sexualorgane beeinträchtigt werden. Dies lässt darauf schließen, dass der Stoff die Entwicklung der Organe und des Gehirns beeinflussen könnte.

Auch beim Menschen gibt es Hinweise
Beobachtungsstudien an Menschen deuten ebenfalls auf mögliche Zusammenhänge zwischen erhöhter Bisphenol-A-Belastung und Organ- bzw. Stoffwechselveränderungen hin. Einen Kausalitätsbeweis liefern sie nicht.
Was zeigen Studien zur Gesundheitsgefahr durch Bisphenol A?
Eine vielzitierte Studie an chinesischen Fabrikarbeitern (Li et al., 2010, Fachjournal „Human Reproduction") fand bei Männern mit beruflicher BPA-Exposition ein deutlich erhöhtes Risiko für sexuelle Funktionsstörungen im Vergleich zu nicht exponierten Kollegen, unter anderem für Erektionsstörungen (statistisch etwa 4-5-fach erhöhtes Risiko) und Ejakulationsstörungen. Als epidemiologische Beobachtungsstudie kann sie einen Zusammenhang aufzeigen, aber keinen direkten Kausalitätsbeweis liefern. Auch großangelegte US-Bevölkerungsstudien auf Basis von NHANES-Daten (Lang et al., 2008, „JAMA") fanden einen statistischen Zusammenhang zwischen höheren Bisphenol-A-Werten im Urin und einem erhöhten Vorkommen von Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch hier belegt ein statistischer Zusammenhang noch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Der früher häufig zitierte „unbedenkliche" Referenzwert von 50 Mikrogramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht und Tag ist inzwischen überholt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den tolerierbaren täglichen Aufnahmewert (TDI) 2023 nach einer Neubewertung auf 0,2 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht gesenkt. Das ist rund 20.000-mal niedriger als der zuvor (2015) gültige vorläufige Wert von 4 Mikrogramm/kg.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet diese drastische Absenkung allerdings kritisch. Es sieht methodische Schwächen in der EFSA-Bewertung (u. a. bei der Wahl des maßgeblichen Effekts im Tierversuch und der Übertragung vom Tier auf den Menschen) und hält auf Basis der vorliegenden Datenlage einen deutlich höheren TDI von 200 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag für ausreichend. Ein Beispiel dafür, dass die wissenschaftliche Risikobewertung von BPA weiterhin in Bewegung ist.
Als Privatverbraucher können Sie technische Verfahren anwenden, um Bisphenol A aus dem Wasser zu entfernen. Für den Hausgebrauch eignet sich ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt, der BPA-Moleküle zuverlässig zurückhält. Auch die Umkehrosmose (Membranfiltration) entfernt BPA zuverlässig, allerdings zusammen mit nahezu allen Mineralstoffen. Da Vitalhelden ausschließlich Aktivkohle-Blockfilter führt, finden Sie einen unabhängigen Vergleich beider Verfahren auf unserer Seite Aktivkohle oder Umkehrosmose.
5 Was Leser zu Bisphenol A im Trinkwasser noch fragen
Gibt es einen gesetzlichen Grenzwert für Bisphenol A im Trinkwasser?
Ja, seit dem 12. Januar 2024 gilt in der deutschen Trinkwasserverordnung ein Grenzwert von 2,5 Mikrogramm pro Liter für Bisphenol A. Er setzt die EU-Trinkwasserrichtlinie um. Bisphenol A gehört zu den Parametern, deren Konzentration erst in der Hausinstallation ansteigen kann, das öffentliche Netz ist meist nicht die Quelle.
Welche Gebäude sind besonders betroffen?
Vor allem Bestandsbauten, deren Rohrleitungen im Relining-Verfahren mit Epoxidharz beschichtet statt ausgetauscht wurden, insbesondere zwischen den 1990er- und 2010er-Jahren. Das CVUA Stuttgart fand in Warmwasserproben solcher Installationen bis zu 211 µg/l. Mieter können beim Vermieter nachfragen, ob so saniert wurde, Eigentümer können eine Untersuchung auf Bisphenol A veranlassen.
Sollte ich warmes Leitungswasser trinken oder zum Kochen verwenden?
In Gebäuden mit Relining-sanierten Leitungen möglichst nicht, da sich Bisphenol A bevorzugt bei höheren Temperaturen aus dem Epoxidharz löst. Im Kaltwasser lagen die Werte in der CVUA-Untersuchung meist niedrig, im Warmwasser überschritten 87 Prozent der Proben den Grenzwert. Für Trinken, Kochen und Säuglingsnahrung deshalb kaltes Wasser nehmen und erst im Topf erhitzen.
Wie lässt sich Bisphenol A aus dem Trinkwasser filtern?
Ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt hält BPA-Moleküle zuverlässig zurück und lässt die Mineralstoffe im Wasser. Auch die Umkehrosmose entfernt BPA, dabei aber zugleich nahezu alle Mineralstoffe. Vitalhelden führt ausschließlich Aktivkohle-Blockfilter; ein Vergleich beider Verfahren steht auf der Seite Aktivkohle oder Umkehrosmose.
6 Was Sie jetzt tun können
Als Mieter erkundigen Sie sich beim Hauseigentümer, ob Leitungen im Relining-Verfahren saniert wurden, und fordern eine regelmäßige Überprüfung auf BPA ein. Als Hauseigentümer verzichten Sie bei der nächsten Sanierung auf Relining und tauschen die Rohre aus.
Im Haushalt hält ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt Bisphenol A aus Ihrem Trinkwasser zurück. Unser Sortiment an Untertisch-Wasserfiltern zeigt Ihnen passende Optionen für den Hausgebrauch.
2,5 µg/l seit 2024, besonders in Altbauten mit Relining-Sanierung überschritten.
Bei vermuteter Relining-Sanierung kein warmes Leitungswasser trinken oder kochen.
Ein Aktivkohle-Blockfilter hält BPA-Moleküle zuverlässig zurück.
Quellen
- BUND (2023) - Bisphenol A
- Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS) - Bisphenol A, Epichlorhydrin, Vinylchlorid und Acrylamid in der Trinkwasserverordnung
- Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart - Bisphenol A in Trinkwasser aus Hausinstallationen nach Epoxidharzsanierung
- Bundesinstitut für Risikobewertung - Fragen und Antworten zu Bisphenol A in verbrauchernahen Produkten
- European Food Safety Authority (2023) - Re-evaluation of the risks to public health related to BPA in foodstuffs
- Europäische Kommission - EU-Verbot von Bisphenol in Lebensmittelkontaktmaterialien ab 20. Januar 2025
- Li et al. (2010) - Occupational exposure to bisphenol-A (BPA) and the risk of self-reported male sexual dysfunction, Human Reproduction
- Lang et al. (2008) - Association of Bisphenol A With Diabetes and Other Abnormalities, JAMA
- Östrogen im Trinkwasser: Was Studien wirklich sagen
- PFOA und PFAS im Trinkwasser – wenn die Industrie uns zu Leibe rückt
- Medikamentenrückstände im Trinkwasser: Eine unsichtbare Gefahr?
- Bakterien im Trinkwasser: Risiken erkennen und wirksam vorbeugen
- Rost im Trinkwasser: Ursachen, Gefahren & Lösungen
- Was sind Fäkalbakterien?

