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Strontium im Trinkwasser – ungebetener Gast in unseren Knochen

Strontium lagert sich wie Kalzium in den Knochen ein, erfüllt dort aber keine notwendige Funktion. Für stabiles Strontium gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert, nur einen Trinkwasserleitwert des Umweltbundesamts von 2,1 Milligramm pro Liter. Die radioaktive Form Sr90 gilt als krebserregend und wird nur durch vollständige Entionisierung wie Umkehrosmose zuverlässig entfernt.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 6 Min. Lesezeit4 Quellen
Schriftzug „Strontium“ über einem laufenden Wasserhahn und Reagenzgläsern einer Wasseranalyse

1 Was ist Strontium?

Strontium ist ein weiches, formbares und reaktionsfreudiges Erdalkalimetall, das zugleich zu den unedlen Metallen gehört. Da es unter Kontakt mit Sauerstoff oxidiert, verliert es seinen silbrigen bis goldenen Glanz. Aus diesem Grund kommt Strontium in der freien Natur nur in gebundener Form vor. Es findet sich beispielsweise in den Mineralien Coelestin (Strontiumsulfat) und Strontianit (Strontiumcarbonat).

Insgesamt kann Strontium in den drei allotropen Modifikationen α-Strontium, β-Strontium und γ-Strontium auftreten. Vom Aufbau her ähnelt das Erdalkalimetall Kalzium und befindet sich wie dieses in den menschlichen Knochen. Jedoch ist Strontium noch reaktiver als Kalzium.
Strontium wird nicht für sich als Schadstoff in der aktuell gültigen TVO von 2023 aufgelistet, wohl aber Uran (Grenzwert: 0,01 mg/l) und Tritium (Grenzwert: 100 Bq/l), die beide Strontium enthalten. In seiner radioaktiven Form wird Strontium als Sr90 unter den kanzerogenen Substanzen geführt.

2 Wie gelangt Strontium in unser Trinkwasser?

Verwitterungen und Auswaschungen führen dazu, dass sich die strontiumhaltigen Verbindungen im Gestein lösen und in wasserführende Schichten gelangen. Andere Ursachen wie der Abbau von Coelestin und Strontianit sind anthropogen (menschengemacht). Bedenklich sind vor allem die radioaktiven Strontium-Verbindungen (Sr90), die infolge von Atomtests und Reaktorunfällen wie Tschernobyl, Harrisburg und Fukushima in die Atmosphäre gelangten.

Die von den Akteuren im Kalten Krieg begangenen Atomtests führten nämlich zu einer massiven Verbreitung von Sr90 auf der ganzen Welt, weil der Fallout sich über Tausende Kilometer hinweg ausbreiten kann. Erst durch die Atomtests konnte Strontium in allen Organismen der Erde in messbarer Größe nachgewiesen werden.

1990 wertete das Umweltbundesamt die Trinkwasserqualität in Deutschland nach Proben aus und erkannte einen Zusammenhang zwischen den Strontium-Konzentrationen im Trinkwasser und der Größe der Gemeinden. Nach den Messungen war Strontium im Wasser von Gemeinden bis 20.000 Einwohner in Anteilen von durchschnittlich 162 µg/l enthalten. In Großstädten (ab 100.000 Einwohner) stieg die Menge auf 284,6 µg Sr/l.

Die natürliche Schwankungsbreite ist dabei erheblich. Für bayerisches Grundwasser weist das Bayerische Landesamt für Umwelt einen Medianwert von 127 µg/l aus, wobei 80 % der gemessenen Werte zwischen 22 und 561 µg/l liegen. Abhängig vom durchflossenen Gestein.

Von den Wasserwerken aus gelangt Strontium leicht in das Trinkwasser, weil es nicht selektiv entfernt werden kann, sondern nur durch eine vollständige Entionisierung (z. B. Umkehrosmose oder Vollentsalzung). Vitalhelden führt keine Umkehrosmoseanlagen im Sortiment; eine Einordnung der Verfahren finden Sie auf unserer Vergleichsseite Aktivkohle oder Umkehrosmose.

3 Was sind die gesundheitlichen Folgen von Strontium im Trinkwasser?

Gibt es einen Grenzwert für Strontium im Trinkwasser?

Für stabiles (nicht-radioaktives) Strontium existiert kein Grenzwert der Trinkwasserverordnung, wohl aber ein sogenannter Trinkwasserleitwert des Umweltbundesamts. In der UBA-Liste der Stoffe mit Trinkwasserleitwert ist Strontium mit 2,1 mg/l geführt (Ableitung 2012). Ein Leitwert ist – anders als ein gesetzlicher Grenzwert – ein rein toxikologisch abgeleiteter Orientierungswert, der die Konzentration angibt, die bei lebenslangem Konsum von rund zwei Litern täglich zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung führen soll.

Er ist nicht rechtsverbindlich, wird von Wasserversorgern aber als fachliche Richtschnur herangezogen. Trotz seiner krebsverursachenden Wirkung in seiner radioaktiven Form wird Strontium daher derzeit nur als Stoff der Wassergefährdungsklasse (WGK) 1 und damit als nur leicht wassergefährdend geführt. Im Trinkwasser liegt es üblicherweise deutlich unterhalb des toxikologisch unbedenklichen Bereichs.

Strontium kann aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Kalzium in den Organismus gelangen, wo es wie Kalzium in die Knochen eingelagert wird. Anders als dieses essenzielle Mineral übt Strontium dabei keine notwendigen Funktionen für den Menschen aus. Laut Umweltbundesamt steht toxikologisch vor allem eine mögliche Schädigung der Knochenstruktur im Fokus, wenn deutlich über dem Leitwert liegende Mengen langfristig aufgenommen werden.

Calcium wird dann teilweise durch Strontium ersetzt, was rachitisähnliche Symptome begünstigen kann. Betroffen wären davon in erster Linie Kinder und Jugendliche im Wachstum, da sich bei ihnen der Knochenaufbau noch aktiv vollzieht.

Zu bedenken ist zudem, dass ein einzelner Schluck aus dem Wasserhahn selbst bei erhöhten Werten laut Umweltbundesamt unbedenklich ist. Eine geringfügige, zeitweise Überschreitung des Leitwerts löst keine akute schädliche Wirkung aus. Relevant wird die Frage erst bei dauerhaft hoher Aufnahme, zumal häusliches Trinkwasser nicht nur pur getrunken, sondern auch zu Kaffee, Tee oder Babynahrung verarbeitet wird. Kinder und Jugendliche gelten hier, wie beschrieben, als eigentliche Risikogruppe.

4 Strontium im Trinkwasser – Wer ist dafür verantwortlich?

Wasserwerke und Hauseigentümer sind in Deutschland für die Einhaltung der Wasserqualität verantwortlich. Da Strontium aber nicht in der aktuell verbindlichen Trinkwasserverordnung von 2023 als Schadstoff aufgeführt wird, müssen sich die Wasserwerke nicht an einen gesetzlichen Grenzwert halten. Lediglich der unverbindliche Leitwert des Umweltbundesamts dient als fachliche Orientierung.

Es gibt also niemanden, den Verbraucher bei hohen Mengen an Strontium im Wasser zu Veränderungen drängen können. Solche hohen Mengen sind aufgrund der Unterschiede in der lokalen Wasserqualität und Geologie leider jederzeit möglich. Verbraucher sind also auf Selbsthilfe angewiesen, die aber durch moderne Wasserfilter inzwischen möglich ist.

5 Strontium im Trinkwasser – Was tun?

Sollten Sie den Verdacht auf erhöhte Strontium-Konzentrationen im Trinkwasser haben, etwa weil die veröffentlichte Trinkwasseranalyse Ihres Versorgers einen Wert nahe dem Leitwert ausweist, bleibt für Verbraucher die Möglichkeit, sich mit einem Wasserfilter auszustatten. Unsere Wasserfilter halten Strontium wahrscheinlich teilweise zurück. Ihre Stärke liegt bei Schwermetallen, Chlor, Pestizidrückständen und Bakterien; diese senkt ein hochwertiger Aktivkohle-Blockfilter vor der Entnahme, gleich ob vorher gemessen wurde.

6 Häufige Fragen zu Strontium im Trinkwasser

Gibt es einen gesetzlichen Grenzwert für Strontium im Trinkwasser?

Nein. Für stabiles Strontium existiert kein Grenzwert der Trinkwasserverordnung, sondern nur ein unverbindlicher Trinkwasserleitwert des Umweltbundesamts von 2,1 mg/l.

Ist Strontium im Trinkwasser gesundheitsschädlich?

Im Rahmen des Leitwerts gilt es als unbedenklich. Bei dauerhaft hoher Aufnahme deutlich über dem Leitwert kann Strontium die Knochenstruktur beeinträchtigen, besonders bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum.

Wie kann man Strontium aus dem Trinkwasser entfernen?

Strontium lässt sich nicht selektiv entfernen, sondern nur durch eine vollständige Entionisierung, etwa mittels Umkehrosmose oder Vollentsalzung.

Ist radioaktives Strontium (Sr90) im Leitungswasser ein Problem?

Radioaktives Sr90 gelangte vor allem durch Atomtests und Reaktorunfälle wie Tschernobyl in die Umwelt und gilt als krebserregend. Im normalen Trinkwasser steht dagegen nicht-radioaktives Strontium im Fokus.

7 Fazit

Strontium ist im deutschen Trinkwasser natürlich vorhanden, unterliegt aber keinem gesetzlichen Grenzwert – nur einem fachlichen Leitwert von 2,1 mg/l. Ein einzelner Schluck ist selbst bei erhöhten Werten unbedenklich, relevant wird die Frage erst bei dauerhaft hoher Aufnahme, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Kein gesetzlicher Grenzwert

Nur ein Trinkwasserleitwert von 2,1 mg/l als fachliche Orientierung.

Risikogruppe Kinder

Dauerhaft hohe Aufnahme kann die Knochenstruktur beeinträchtigen.

Bei Verdacht

Die Versorgeranalyse nennt den Wert, ein Wasserfilter reduziert Strontium teilweise.

Strontium im Wasser vermuten?Die Werte Ihres Versorgers zeigen die tatsächliche Belastung; eine kurze Rückfrage genügt.

Quellen

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Marco Fabian Profilbild

Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor