Auch andere Vireninfektionen wie unter anderem Hepatitis A sind über das Wasser übertragbar und können lebensgefährlich werden. Im folgenden Artikel werden die Eigenschaften von Viren, deren Herkunft, gesundheitlichen Folgen und mögliche Gegenmaßnahmen näher beleuchtet.
1 Was sind Viren und wo treten sie auf?
Viren werden als genetische Parasiten definiert, die Bakterien und höhere Lebewesen wie den Menschen befallen und Infektionen auslösen. Sie sind nicht in der Lage sich selbst zu vermehren, sondern brauchen dafür Zellen von Lebewesen, die den Wirt darstellen.
Viren bringen ihr Erbgut in die Wirtszelle, dort werden neue Viren produziert und die Zelle stirbt ab. Auf diese Weise wird eine Unmenge an neuen Viren mit der kopierten DNA freigesetzt, die sich weitere Wirtszellen suchen. Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel besitzen, gehören sie im Gegensatz zu Bakterien nicht zu den Lebewesen.
Viren können in der Umwelt fast überall auftreten, dies schließt die Infektion von Tieren, Pflanzen und Menschen ein. Es gibt drei verschiedene Übertragungsarten: den direkten Kontakt über verunreinigte Lebensmittel, Körperkontakt und über infizierte Gegenstände wie unter anderem Türklinken. Eine Ansteckung durch eine sogenannte Tröpfcheninfektion und eine Übertragung durch Blut ist auch möglich.
2 Herkunft und Grenzwerte der Viren im Trinkwasser
In Deutschland legt die Trinkwasserverordnung keinen direkten Grenzwert für schädliche Viren fest. Sie schreibt allerdings vor, dass Krankheitserreger nicht in einer Konzentration im Trinkwasser enthalten sein dürfen, welche die menschliche Gesundheit gefährden kann.
Viren gelangen durch Gülle und Mist erkrankter Nutztiere in die Gewässer, da diese Abfallprodukte als Dünger eingesetzt und durch Regen in den Wasserkreislauf weitertransportiert werden. Besonders in Oberflächengewässern und im Grundwasser können Viren mehrere Monate überleben. Direkte Abwasserleitungen aus der Industrie wie beispielsweise in Schlachthöfen sind eine weitere Quelle.
Auch Ausscheidungen von Menschen enthalten Viren und werden in das Abwasser eingetragen. Bei ungenügender Aufbereitung und Desinfektion im Klärwerk können diese im Wasser überleben. In Mitteleuropa können so besonders Noroviren und Hepatitis A im Leitungswasser auftreten. Allerdings können Viren im Vergleich zu Bakterien im Leitungswasser nur mit Hilfe eines Wirtes überleben, was es ihnen deutlich schwerer macht. Einen Überblick, welche Erreger und Stoffe sich grundsätzlich aus Trinkwasser filtern lassen, finden Sie auf unserer Seite Was wird gefiltert?
Wie groß sind Viren – und was bedeutet das für Wasserfilter?
Viren zählen zu den kleinsten bekannten biologischen Partikeln überhaupt. Laut einer Untersuchung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) liegen sie je nach Virusart meist im Bereich von etwa 10 bis 100 Nanometern (millionstel Millimeter). Damit sind sie noch einmal deutlich kleiner als Bakterien.
Diese geringe Größe macht Viren für viele Filterverfahren zur Herausforderung. Selbst bei feinporigen Membranverfahren wie der Ultrafiltration schwankt der erzielte Virenrückhalt laut der KIT-Untersuchung je nach Wasserbeschaffenheit erheblich. Handelsübliche Aktivkohle-Feinfilter und Hohlfasermembranen für den Hausgebrauch, wie sie am Wasserhahn oder unter der Spüle eingesetzt werden, sind in erster Linie für die Entfernung von Partikeln, Chlor, Schwermetallen und geschmacksstörenden Stoffen ausgelegt und in der Regel nicht speziell für einen zuverlässigen Rückhalt von Viren zertifiziert.
Wer sich gezielt mit der Filtrierbarkeit von Viren aus Trinkwasser beschäftigen möchte, findet weiterführende Informationen in unserem Artikel Viren aus dem Trinkwasser filtern.
Viren in der Umwelt
In der Tier- und Pflanzenwelt existieren unzählige Virenarten, jedoch sind nur wenige direkt für den Menschen gefährlich. Beispielsweise ist die Vogelgrippe, die eigentlich Geflügel befällt, in Südostasien auch für zahlreiche Todesfälle beim Menschen verantwortlich.
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch sehr engen Kontakt mit den Tieren, teilweise leben die Opfer mit den erkrankten Nutztieren zusammen. Der Krankheitsverlauf weist grippeähnliche Symptome auf und kann eine schwere Lungenentzündung verursachen.
Bisher trat in Deutschland noch kein Fall einer Vogelgrippe bei Menschen auf. Auch Badeseen können verunreinigt sein. Sie sollten Seen meiden, bei welchen sich viele Enten aufhalten. Deren Kot kann Bakterien und Viren in das Gewässer transportieren.

Vorsicht beim Baden in offenen Gewässern:
Das Baden in Flüssen ist nach einem Niederschlag auch nicht empfehlenswert. Der Regen kann ungesunde Gülle in das Gewässer spülen. Sie können sich auf der Homepage des Umweltbundesamts über die aktuelle Wasserqualität in Badegewässern informieren.
3 Gesundheitliche Auswirkungen
Die Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Viren im Leitungswasser ist von der Konzentration, der Art und dem Zustand des Immunsystems abhängig. Generell kann schon eine geringe Konzentration für eine Infektion ausreichen.
Beispielsweise ist das Norovirus hochansteckend und auch widerstandfähig gegen viele Putzmittel. Eine Norovirenerkrankung löst zunächst Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus. Besonders anfällig sind Kinder, ältere Menschen und Kranke, deren Immunsystem geschwächt ist. Eine Infektion dauert bis zu drei Tage, führt jedoch nur in den seltensten Fällen zum Tod.
Ein weiterer Virus, der durch Leitungswasser übertragbar ist, ist Hepatitis A. Die Infektion kann eine Entzündung der Leber auslösen, begleitet durch Fieber, Übelkeit und Müdigkeit. Eine akute Hepatitiserkrankung heilt normalerweise von selbst aus und kann ohne Folgeschäden auskuriert werden.
Auch zu Beginn der Coronavirus-Pandemie war die Sorge um eine mögliche Übertragung über das Trinkwasser groß. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts ist eine Übertragung des Coronavirus über die öffentliche Trinkwasserversorgung in Deutschland jedoch höchst unwahrscheinlich, da die mehrstufige Aufbereitung in den Wasserwerken Krankheitserreger zuverlässig zurückhält.
4 Häufig gestellte Fragen zu Viren im Trinkwasser
Gibt es einen Grenzwert für Viren im deutschen Trinkwasser?
Nein, einen direkten Grenzwert gibt es nicht. Die Trinkwasserverordnung schreibt aber vor, dass Krankheitserreger nicht in einer Konzentration enthalten sein dürfen, die die menschliche Gesundheit gefährden kann.
Welche Viren sind in Deutschland über Trinkwasser am relevantesten?
Vor allem Noroviren und Hepatitis A. Noroviren zählen laut Robert Koch-Institut zu den am häufigsten gemeldeten Erregern von Magen-Darm-Infektionen in Deutschland.
Können handelsübliche Wasserfilter Viren zuverlässig zurückhalten?
Handelsübliche Aktivkohle-Feinfilter und Hohlfasermembranen für den Hausgebrauch sind in erster Linie für Partikel, Chlor, Schwermetalle und geschmacksstörende Stoffe ausgelegt und in der Regel nicht speziell für einen zuverlässigen Virenrückhalt zertifiziert – Viren sind mit 10 bis 100 Nanometern extrem klein.
Ist eine Übertragung von Coronaviren über das Trinkwasser möglich?
Laut Umweltbundesamt ist eine Übertragung über die öffentliche Trinkwasserversorgung in Deutschland höchst unwahrscheinlich, da die mehrstufige Aufbereitung in den Wasserwerken Krankheitserreger zuverlässig zurückhält.
5 Fazit
Der Gesetzgeber schreibt in Deutschland vor, dass das Trinkwasser frei von Krankheitserregern sein muss, welche die menschliche Gesundheit beeinträchtigen können. Dennoch gibt es keinen offiziellen Grenzwert. Viren können fast überall in der Umwelt auftreten und können teilweise monatelang in Gewässern überleben.
In Deutschland kann für Sie vor allem der Norovirus und die Hepatitis A im Leitungswasser eine Gefahr darstellen. Die beste Vorsorge ist eine hygienische, saubere Umgebung, in welcher Viren schlecht auftreten können. So kann die Verbreitung des hochansteckenden Norovirus eingedämmt werden, jedoch ist er gegen einige Putzmittel resistent. Zudem können Sie sich bei Ihrem Wasserversorger informieren, ob Krankheitsfälle in letzter Zeit aufgetreten sind.
Wenn Sie im Sommer gerne in Gewässern baden, sollten sie Seen meiden, bei welchen viele Enten leben, und baden Sie besser nicht in Flüssen nach Regenfällen.
Trinkwasser muss frei von gesundheitsgefährdenden Krankheitserregern sein.
Hygiene, Wasserversorger-Infos und Vorsicht beim Baden schützen am zuverlässigsten.
Quellen
- Umweltbundesamt (2016) - Mikrobiologie
- Robert Koch-Institut - RKI-Ratgeber Norovirus-Gastroenteritis
- Umweltbundesamt - Coronavirus: Übertragung über das Trinkwasser unwahrscheinlich
- Karlsruher Institut für Technologie (KIT) - Wirksamkeit der Elimination von Viren durch Filtrationsverfahren (Dissertation)

