Deutschland hat seit Jahren ein Problem mit der Nitratbelastung des Grundwassers und der Oberflächengewässer. Weil zu lange nicht ausreichend gegengesteuert wurde, verurteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) Deutschland 2018 wegen eines Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie. Nach einer verschärften Düngeverordnung mit längeren Sperrfristen und strengeren Vorgaben in belasteten Gebieten stellte die EU-Kommission das Vertragsverletzungsverfahren 2023 wieder ein - die Nitratbelastung im Grundwasser bleibt laut Nitratbericht 2024 aber regional weiterhin hoch.
1 Was ist Nitrat und was ist der Verwendungszweck?
Nitrate sind die Salze und Ester der Salpetersäure. Die Salze sind im Wasser gut löslich. Sie spielen eine wertvolle Rolle als Nährstoff für Pflanzen, die direkt Nitrate als Stickstoffquelle aufnehmen und verwerten können. Hauptsächlich werden Nitrate in der Landwirtschaft als Düngemittel, auch in Form von Gülle, eingesetzt. Zudem finden sie Verwendung als Zusatzstoff in der Lebensmittelkonservierung.
2 Transportweg des Nitrats ins Grundwasser
In der Landwirtschaft wird der Boden zur Pflanzendüngung zusätzlich mit größeren Mengen Nitrat angereichert. Jedoch kommt Nitrat auch ganz natürlich in Böden und in Gewässern vor. Es wird mit Hilfe von Ammoniak gebildet.
Vom Feld ins Grundwasser
Versickernder Regen nimmt das gelöste Nitrat im Boden mit. Nicht genutztes Nitrat von den Pflanzenwurzeln wird dabei ausgewaschen und mit dem Niederschlag in tiefere Bodenschichten bis ins Grundwasser transportiert. Dieses Grundwasser wird im Wasserwerk aufbereitet und gereinigt. Im Anschluss wird es als Trinkwasser in das Verbrauchernetz eingespeist.
3 Nitratgrenzwert im Trinkwasser und regionale Belastungsunterschiede
Die Trinkwasserverordnung legt den Grenzwert von Nitrat im Trinkwasser bei 50 mg pro Liter fest.
Erkenntnis und Grenzwert
Laut dem Nitratbericht 2024 des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) wiesen im Berichtszeitraum 2020-2022 rund 25,6 Prozent der Messstellen des EU-Nitratmessnetzes im Mittel Nitratkonzentrationen von mehr als 50 mg pro Liter auf - ein leichter Rückgang gegenüber 26,7 Prozent im vorherigen Berichtszeitraum 2016-2018.
Auf ganz Deutschland bezogen gelten laut Umweltbundesamt rund 22 Prozent der 1.291 deutschen Grundwasserkörper wegen Nitratüberschreitung als in einem schlechten chemischen Zustand (Stand 2022).
Wenn Sie aus einer Region mit ausgeprägter Landwirtschaft kommen, so ist die Gefahr eines durch Nitrate belasteten Grundwassers besonders hoch. In Deutschland betrifft dies vor allem Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Diese Bundesländer haben einen hohen Anteil an landwirtschaftlicher Tierhaltung.
Zur Relation: Unsere Nitratzufuhr durch Lebensmittel liegt in Europa durchschnittlich zwischen 52 und 156 mg/Tag, wobei 70 bis 90% davon aus Gemüse stammen. Bei Vegetariern liegt sie somit tendenziell noch höher.
4 Gesundheitliche Auswirkungen
Für Sie als erwachsener Mensch geht nur eine geringe gesundheitliche Gefährdung vom Nitrat aus. Jedoch besteht die Möglichkeit, dass sich das Nitrat durch Bakterien in Ihrem Mund- oder Magenraum teilweise zu Nitrit umwandelt.

Nitrit
Nitrit ist toxisch und für die menschliche Gesundheit auf zwei Arten schädlich. Wenn Sie einen Säugling haben, besteht ein besonders hohes Risiko, da Nitrit den Sauerstofftransport in das Gewebe behindern kann. Zudem steht es in Verdacht, krebserregend zu sein.
Nitrit als Grund für Sauerstoffmangel in Organen
Die erste Gefährdungsart betrifft Sie vor allem, wenn Sie ein Baby haben oder schwanger sind. Ihr Säugling hat im Alter von unter 3 Monaten eine erhöhte Konzentration von Methämoglobin im Blut. Das Nitrit löst eine Umwandlung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin zu Methämoglobin aus.
Dieses Methämoglobin ist nicht mehr in der Lage, Sauerstoff in das Gewebe zu befördern. Als Konsequenz tritt Sauerstoffmangel in lebenswichtigen Organen wie dem Zentralnervensystem und dem Herzen auf, was je nach Intensität bis zum Tode führen kann.
Bei Erwachsenen ist diese Gefahr nicht gegeben, da die Sauerstoffbindung an die roten Blutkörperchen auf eine Weise geschieht, die nicht durch Nitrit gestört werden kann. Daher sollte Wasser zur Zubereitung von Säuglingsnahrung maximal 10mg Nitrat / Liter enthalten.
Nitrit als krebserregende Verbindung
Die zweite Gefährdungsart besteht darin, dass Nitrat mit Aminen in Ihrem Magen Nitrosamine bilden kann. Amine sind chemische Verbindungen, die sowohl bei der Verdauung entstehen als auch ein Inhaltsstoff vieler Lebensmittel sind.
Einige Nitrosamine stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, was bislang nur in Tierversuchen belegt werden konnte. Dennoch sollten Sie ein Auftreten der Nitrosamine weitgehend vermeiden.
5 Auswirkungen auf die Umwelt
Ein zu hoher Nitratgehalt in Gewässern fördert das Pflanzen- und Algenwachstum. Dies hat Veränderungen für das biologische Gleichgewicht zur Folge. Das Ökosystem kann aufgrund des überhöhten Anteils an biologischen Stoffen umkippen.
Dies ist vor allem eine Gefahr für stehende Gewässer, da ein Wasseraustausch kaum vorhanden ist. Die Zersetzung der abgestorbenen Biomasse benötigt mehr gelösten Sauerstoff, als durch die Produktion der Wasserpflanzen zur Verfügung steht. Als Folge entsteht eine sauerstoffarme Umgebung mit gravierenden Konsequenzen für die Tierwelt im Gewässer.
6 Häufige Fragen zu Nitrat im Trinkwasser
Wie hoch ist der Nitrat-Grenzwert im Trinkwasser?
Die Trinkwasserverordnung legt den Grenzwert bei 50 mg pro Liter fest. Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung gilt ein strengerer Grenzwert von maximal 10 mg pro Liter.
Warum ist Nitrat für Säuglinge gefährlich?
Nitrit, das aus Nitrat entsteht, kann bei Säuglingen unter drei Monaten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu Methämoglobin umwandeln, das keinen Sauerstoff mehr transportieren kann. Erwachsene sind davon nicht betroffen.
Filtert ein Aktivkohlefilter Nitrat aus dem Wasser?
Nein. Aktivkohle-Blockfilter entnehmen Schadstoffe wie Medikamentenrückstände, Bakterien oder Schwermetalle, filtern Nitrat aber nicht heraus. Wirksame Verfahren sind Ionenaustausch, Umkehrosmose, Nanofiltration, Elektrodialyse oder biologische Verfahren.
Welche Regionen in Deutschland sind besonders von Nitrat im Grundwasser betroffen?
Vor allem Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, da diese Bundesländer einen hohen Anteil an landwirtschaftlicher Tierhaltung haben.
7 Fazit
Die Qualität des Leitungswassers sowie des Grundwassers wird von den örtlichen Behörden überwacht. Bei einer ungesunden Überschreitung der Grenzwerte sind die Behörden verpflichtet, Gegenmaßnahmen einzuleiten und die Bevölkerung zu informieren.
Sie können sich über die lokale Grundwasserqualität online informieren. Landesweite Daten zur Grundwasserqualität werden von den in den jeweiligen Bundesländern zuständigen Ämtern online zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich ist das Vorkommen von Nitrat in geringen Mengen im Trinkwasser, unterhalb des Grenzwerts von 50mg pro Liter, unbedenklich.
Den größten Teil unserer täglichen Aufnahme an Nitrat und Nitrit nehmen wir über unsere Nahrung zu uns.

Vorsicht bei Säuglingen:
Eine wichtige Ausnahme stellt die Verwendung von Leitungswasser für Säuglinge dar, denn hier darf ein maximaler Grenzwert von 10mg pro Liter auf keinen Fall überschritten werden. Eine Auskunft bei den örtlichen Wasserwerken oder direkt speziell für Säuglinge empfohlene Mineralwasser bieten Abhilfe.
Die von uns empfohlenen Produkte zur Trinkwasserreinigung im Haushalt basieren auf Aktivkohle-Blockfiltern, welche Schadstoffe wie Medikamentenrückstände, Bakterien oder giftige Schwermetalle wie Blei & Kupfer entnehmen, allerdings Mineralien wie Nitrat nicht filtern.
Sollten Sie als Privatverbraucher bezüglich Nitrat im Leitungswasser Bedenken haben, so steht eine Vielzahl von Möglichkeiten der Nitratentfernung zur Auswahl, die sich sowohl in der Qualität als auch im Preis stark unterscheiden. Die wichtigsten Technologien sind der Ionenaustausch, die Umkehrosmose, die Nanofiltration, die Elektrodialyse sowie biologische Verfahren. Vitalhelden führt selbst keine Umkehrosmose-Anlagen; einen Technologievergleich mit Zahlen zu Abwasser und Kosten finden Sie auf unserer Vergleichsseite Aktivkohle vs. Umkehrosmose. Mehr hierzu im Artikel zu Nitrat filtern.
Nitrat unterhalb 50 mg/l ist unbedenklich, der Großteil der Aufnahme erfolgt ohnehin über die Nahrung.
Maximal 10 mg Nitrat pro Liter, sonst Risiko von Sauerstoffmangel im Blut.
Ionenaustausch, Umkehrosmose oder Nanofiltration entfernen Nitrat gezielt – Aktivkohle allein reicht dafür nicht.
Quellen
- Umweltbundesamt (2016) - Unterscheidung Nährstoffe und Schadstoffe
- Dr. Lepper, Hans (2016) - Nitrat im Trinkwasser
- Institut Dr. Flad (2016): „Nitrat (NO3-)“. URL: Nitrat (NO3-)
- Ernährungs Umschau (05/08): „Nitrat, Nitrit, Nitrosamine - Teil 1: Nitrat und Nitrit“. URL: PDF-Dokument zu Nitrat, Nitrit, Nitrosamine - Teil 1: Nitrat und Nitrit
- Trinkwasserverordnung - aktuelle Fassung (2023)
- BMLEH (2024) - Nitratbericht: Nitratwerte im Grundwasser sinken leicht
- Umweltbundesamt (2026) - FAQs zu Nitrat im Grund- und Trinkwasser
- Europäische Kommission (2023) - Nitratrichtlinie: Kommission schließt Verfahren gegen Deutschland

