Ionentauscher
Ein Ionentauscher ist kein Filter im eigentlichen Sinn, sondern ein Prozess, der unerwünschte Stoffe wie Kalk, Schwermetalle oder Nitrat gezielt gegen andere Ionen tauscht. Er hält nichts zurück und entfernt auch nichts. Er tauscht.
Wie es funktioniert
Das Filtermedium ist ein Ionenaustauscherharz: kleine Kunstharzkugeln, deren Oberfläche mit austauschbaren Ionen beladen ist. Fließt Wasser hindurch, bindet das Harz die unerwünschten Ionen und gibt dafür die eigenen ab. Kationentauscher tauschen positiv geladene Ionen, etwa Calcium gegen Natrium. Anionentauscher tauschen negativ geladene, etwa Nitrat gegen Chlorid.
Der Tausch läuft nach Ladung ab, nicht nach Stückzahl. Für jedes entfernte Ion geht die gleiche Menge Ladung in anderer Form ins Wasser zurück. Ist das Harz erschöpft, wird es mit konzentrierter Salzlösung regeneriert.
Was das für Trinkwasser bedeutet
Der Tausch hat einen Preis, und der lässt sich ausrechnen. Wer die Wasserhärte um einen Grad deutscher Härte senkt, bekommt dafür rund 8 Milligramm Natrium je Liter ins Wasser. Von 20 auf 8 °dH enthärtet sind das knapp 100 Milligramm zusätzlich. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 200 Milligramm je Liter, wird also nicht gerissen, aber wer natriumarm leben soll, trinkt danach anderes Wasser als vorher. Bei der Nitratentfernung über Anionentauscher gilt dasselbe mit Chlorid, Grenzwert 250 Milligramm je Liter, und erhöhte Chloridwerte können örtlich Lochkorrosion in metallischen Leitungen fördern.
Zweiter Punkt aus der Praxis: Harz ist organisches Material mit großer Oberfläche und liegt dauerhaft feucht. Eine selten benutzte Anlage gehört vor der Entnahme gespült.
Abgrenzung
Gegen Aktivkohle: Ein Aktivkohleblock bindet organische Schadstoffe an seiner Oberfläche und lässt gelöste Salze unberührt. Ein Ionentauscher macht das Gegenteil. Beide schließen sich nicht aus, sie decken verschiedene Stoffgruppen ab.
Gegen Umkehrosmose: Die Membran entfernt die Ionen wirklich aus dem Wasser, der Ionentauscher ersetzt sie. Wer die Salzfracht im Ganzen senken will, kommt mit einem Ionentauscher nicht weiter.
Gegen Entkalkung und Kalkschutz: Der Ionentauscher enthärtet, senkt also die gemessene Härte. Kalkschutz-Verfahren wie CLC-Granulat ändern den Messwert nicht, sondern nur die Kristallbildung.
Quellen
- Trinkwasserverordnung 2023 - Natrium 200 mg/l, Chlorid 250 mg/l
- Bayerisches Landesamt für Umwelt - Merkblatt Nr. 1.6/2, Möglichkeiten der Nitratentfernung aus dem Trinkwasser
- DIN EN 14743 - Anlagen zur Behandlung von Trinkwasser innerhalb von Gebäuden, Enthärter
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