Glossar

Chlorung

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Chlorung ist ein chemisches Desinfektionsverfahren, bei dem dem Wasser gezielt Chlor oder chlorhaltige Stoffe zugesetzt werden. Sie tötet Krankheitserreger ab und wirkt im Leitungsnetz weiter.

Wie es funktioniert

Eingesetzt werden Chlorgas, Natrium- oder Calciumhypochlorit sowie Chlordioxid. Im Wasser entsteht daraus unterchlorige Säure, die Zellwände und Enzyme von Bakterien und Viren zerstört. Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern die Einwirkzeit: Fachleute rechnen mit dem Produkt aus Konzentration und Kontaktzeit.

Die zulässigen Mengen sind eng gefasst. Nach der Liste der Aufbereitungsstoffe des Umweltbundesamts dürfen höchstens 1,2 Milligramm Chlor je Liter zugegeben werden, bei Chlordioxid 0,4 Milligramm. An diese Dosierung ist der Grenzwert für Chlorat von 0,07 Milligramm je Liter gekoppelt.

Was das für Trinkwasser bedeutet

Der eigentliche Vorteil ist die Depotwirkung: Ein Rest bleibt im Wasser und schützt es auf dem Weg durch das Netz vor Wiederverkeimung. Das kann kein anderes Verfahren.

In Deutschland wird nur ein kleiner Teil des Trinkwassers dauerhaft gechlort, meist dort, wo Oberflächenwasser aufbereitet wird. Häufiger ist die anlassbezogene Chlorung nach einem Rohrbruch, nach Bauarbeiten am Netz oder nach einem mikrobiologischen Befund. Wer plötzlich Chlor schmeckt, ohne dass sich sonst etwas geändert hat, findet die Erklärung meist in einer Störungsmeldung des Versorgers.

Der Preis sind die Desinfektionsnebenprodukte. Chlor reagiert mit organischen Stoffen im Wasser zu Trihalogenmethanen, deren Summe die Trinkwasserverordnung auf 0,050 Milligramm je Liter begrenzt. Deshalb entfernen Wasserwerke die organische Fracht vorher über Flockung und Aktivkohle und dosieren erst danach so wenig wie möglich.

Am Hahn lässt sich beides gut entfernen: Freies Chlor und seine Nebenprodukte sind unpolare oder gut adsorbierbare Moleküle, ein Aktivkohleblock bindet sie zuverlässig. Das ist einer der Fälle, in denen die Wirkung eines Filters sofort schmeckbar ist.

Abgrenzung

Gegen die UV-Desinfektion: Die arbeitet ohne Zusatz und hinterlässt nichts im Wasser, wirkt aber auch nur im Gerät und lässt keinen Schutz für das Netz zurück. Gegen die Filtration: Chlorung tötet Keime ab, entfernt aber nichts. Die abgetöteten Zellen und ihre Bestandteile bleiben im Wasser, ebenso alle chemischen Belastungen. Und gegen Chloramine: Die entstehen erst, wenn Chlor auf Ammonium oder stickstoffhaltige Verbindungen trifft, wirken schwächer und halten länger.

Quellen

Verwandte Begriffe

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