Im Dezember 2023 wurde in Brüssel mehrheitlich von der EU entschieden, das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat weitere zehn Jahre zuzulassen. Trotz der Warnung zahlreicher Umweltschutzorganisationen.
Und trotz des Verdachts, dass das Herbizid der Umwelt schadet und beim Menschen Krebs auslösen kann. Glyphosat wird auf rund 40 % der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland versprüht; für Privatgärten und öffentliche Grünflächen gilt inzwischen dagegen ein weitgehendes Anwendungsverbot. Was bedeutet das für unsere Umwelt und welche Gefahr besteht für unser Trinkwasser?
In Grund- und Oberflächengewässern wurden europaweit geringe Glyphosat- und AMPA-Spuren nachgewiesen, meist unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte; für deutsches Leitungswasser gibt es bislang jedoch nur wenige gezielte Messreihen.
1 Was ist Glyphosat?
Glyphosat ist das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Bekannt wurde es durch den Konzern-Riesen Monsanto, der Mitte der 70er Jahre das Herbizid "Roundup" auf den Markt brachte. Die Hauptkomponente: Glyphosat. Mittlerweile gibt es zahlreiche andere Hersteller, die diesen Wirkstoff verwenden.
Der Grenzwert steht, die Zulassung auch

Glyphosat ist ein Totalherbizid
Glyphosat zählt zu den sogenannten Total- bzw. Breitband-Herbiziden. Das bedeutet, es ist nicht selektiv und vernichtet grundsätzlich alle Pflanzen, außer gentechnisch veränderte Nutzpflanzen. Diese weisen eine Resistenz gegenüber dem Gift auf.
Und das Mittel wirkt systemisch: nachdem es von der Pflanze über die Blätter aufgenommen wurde, verteilt es sich in der ganzen Pflanze.
In Deutschland wird Glyphosat vielseitig eingesetzt:
- In der konventionellen Landwirtschaft: auf rund 40 % der Ackerflächen wird Glyphosat besprüht.
- Auf kommunalen Flächen, beispielsweise zur Unkrautvernichtung an Wegrändern, Parks oder den Gleisanlagen der Deutschen Bahn.
- der Einsatz auf privaten Flächen durch Hobbygärtner ist inzwischen dagegen weitgehend verboten (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung).
2 Glyphosat schadet der Umwelt
Glyphosat schadet bewiesenermaßen der Natur und Tierwelt:
- Verlust der Biodiversität durch Eingriff in Nahrungsnetze: abgesehen von den gentechnisch veränderten Nutzpflanzen, gewährt das Herbizid keinem Halm Gnade. Es vernichtet jegliches Grün, sogar die Ackerkräuter. Das bedeutet einen gravierenden Verlust der Artenvielfalt, sowohl in Hinsicht auf die Pflanzen- als auch Tierwelt. Denn verschwinden die Wildpflänzchen auf und an den Ackerflächen, finden Insekten und kleine Säugetiere weniger Nahrung und Unterschlupf. Als Konsequenz schwinden schließlich die Vögel, die sich von Insekten ernähren. Eine Studie des Umweltbundesamtes ergab, dass der Glyphosat-Einsatz insbesondere für den Bestandsrückgang von Feldvogel-Arten, wie etwa Rebhuhn oder Feldlerche, mitverantwortlich ist.
- Gefahr für Wasserorganismen: gelangt Glyphosat in Gewässer, schadet es dort den Lebewesen. Das gilt insbesondere für Amphibien, denn das Gift stört deren Embryonalentwicklung und führt zum Sterben der Kaulquappen.
- Schädigung des Bodens: der Einsatz des Pflanzenschutzmittels schädigt mit der Zeit auch die Bodenstruktur und die dort lebenden Mikroorganismen. Diese sind jedoch grundlegend für die Verfügbarkeit von Nährstoffen im Boden notwendig. Ohne Mikroorganismen keine Ernte.
3 Welche Gefahr besteht für uns Menschen?
Glyphosat-Rückstände sind im Urin von Menschen nachweisbar, und zwar sowohl bei Personen, die beruflich mit dem Herbizid in Kontakt kommen, als auch bei solchen, die eigentlich nicht in dessen Nähe kommen.
Da das Gift systemisch von den Nutzpflanzen aufgenommen wird, lässt es sich nicht abwaschen. Ebenso wenig wird es durch Kochen oder Einfrieren zerstört. Die Vermutung liegt also nahe, dass Glyphosat unter anderem über die Nahrung aufgenommen wird. Dass Lebensmittel wie Mehl oder Brötchen in der Tat belastet sind, bestätigte unter anderem eine Überprüfung des Magazins Ökotest.
Richtet Glyphosat im Körper Schaden an?
Ob die kontinuierliche Aufnahme geringer Glyphosat-Mengen negative Auswirkungen für unsere Gesundheit besitzt, ist noch nicht ausreichend untersucht. Doch förderlich ist es definitiv nicht, denn die Belastung mit einem unnatürlichen Stoff heißt nie etwas Gutes.
Studien deuten darauf hin, dass Glyphosat auch beim Menschen hormonell wirksam ist und dadurch Fortpflanzung und Entwicklung beeinträchtigt. Um den Hormonhaushalt durcheinanderzubringen, reichen grundsätzlich geringe Dosen an solchen hormonell wirksamen Substanzen.
Dazu kommt der dringende Verdacht, dass das Herbizid Embryonen schädigt. Hinweise dazu liefert beispielsweise Argentinien, wo der Einsatz des Giftes enorm ist und das Spritzen größtenteils ohne Schutzkleidung stattfindet. Dort häufen sich Missbildungen von Neugeborenen in den Kern-Anbauregionen, wie zum Beispiel Cordoba. Laboruntersuchungen an Hühner- und Frosch-Embryonen zeigten ebenfalls Fehlbildungen durch Glyphosat-Kontakt.
Und als sei das noch nicht genug, gilt das Pflanzengift sowie sein Abbauprodukt AMPA (Aminomethyl-Phosphonsäure) seit 2015 laut WHO offiziell als "wahrscheinlich krebserregend". Beide Substanzen wirken genotoxisch in Laboruntersuchungen. Auch hier gilt Argentinien als trauriges Paradebeispiel. In den ländlichen Gebieten mit extremen Glyphosateinsatz, wie z.B. die Provinz Chaco oder die Stadt La Leonesa, steigen die Krebsraten, auch bei Kindern.

Einstufung der WHO
Glyphosat sowie sein Abbauprodukt AMPA (Aminomethyl-Phosphonsäure) gilt seit 2015 laut WHO offiziell als "wahrscheinlich krebserregend".
4 Wie viel Glyphosat steckt in Gewässern und Trinkwasser?
Glyphosat und sein Abbauprodukt AMPA wurden in Oberflächengewässern und im Grundwasser bereits europaweit in geringen Konzentrationen gemessen. Wie sicher das Trinkwasser noch ist, wenn Lebensmittel und Böden mit dem Pflanzengift belastet sind, lässt sich mangels Messreihen bisher kaum beantworten.
Der Grenzwert für einzelne Pestizide
Zwar lagen die Werte in Deutschland meistens unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten für Oberflächengewässer (Umweltqualitätsnormen: 100 µg/l Glyphosat und 1200 µg/l AMPA), dennoch bieten diese Ergebnisse wohl kaum Grund zur Euphorie. Für Grundwasser und Trinkwasser gilt dagegen der deutlich strengere pauschale Pestizid-Grenzwert der Trinkwasserverordnung: 0,1 µg/l je Einzelstoff und 0,5 µg/l für die Summe aller nachgewiesenen Pestizide und ihrer relevanten Abbauprodukte, unabhängig davon, ob im Einzelfall überhaupt eine gesundheitliche Wirkung zu erwarten wäre.
Die gemessenen Spuren zeigen, dass ein Glyphosat-Eintrag in unsere Wasserressourcen stattfindet, was eigentlich nicht zulässig ist. Auswertungen des Umweltbundesamts belegen, dass dieser Grenzwert im deutschen Grundwasser in den untersuchten Jahren 2008, 2009 und 2011 an rund 0,4 bis 0,5 % der Messproben überschritten wurde, vor allem in Regionen mit viel (konventioneller) landwirtschaftlicher Fläche und entsprechend hohem Herbizid-Einsatz.
"Glyphosat im Trinkwasser? Wenig wahrscheinlich", schreibt die Neue Rottweiler Zeitung, doch können wir uns als Verbraucher auf solche Aussagen verlassen? Wohl kaum. Schließlich steigt mit jedem Glyphosat-Einsatz in der konventionellen Landwirtschaft auch der Eintrag in unsere Gewässer, und damit das Risiko für unser Trinkwasser. Und die Klärwerke sind mit der Filterung solcher Umweltgifte überfordert.
Unsere Empfehlung
Unsere bevorzugte Filtertechnologie sind Aktivkohlefilter am Entnahmepunkt, die nachweislich diverse Pestizide und Arzneimittel zurückhalten (Wasserfilter-Gutachten). Aufgrund der stofflichen Ähnlichkeit ist die Wahrscheinlichkeit einer Rückhaltung von Glyphosat sehr hoch. Ein konkreter Test steht noch aus. Passende Filtereinsätze finden Sie in unserer Kategorie Filtereinsätze.
5 Was Leser zu Glyphosat im Trinkwasser noch fragen
Wie hoch ist der Glyphosat-Grenzwert im Trinkwasser?
Für Grund- und Trinkwasser gilt der pauschale Pestizid-Grenzwert der Trinkwasserverordnung: 0,1 µg/l je Einzelstoff und 0,5 µg/l für die Summe aller nachgewiesenen Pestizide und ihrer relevanten Abbauprodukte. Für Oberflächengewässer gelten mit 100 µg/l Glyphosat und 1200 µg/l AMPA deutlich höhere Umweltqualitätsnormen.
Ist Glyphosat im deutschen Trinkwasser nachgewiesen?
In Grund- und Oberflächengewässern wurden europaweit geringe Glyphosat- und AMPA-Spuren nachgewiesen, meist unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Für deutsches Leitungswasser gibt es bislang jedoch nur wenige gezielte Messreihen. Im Grundwasser wurde der Pestizid-Grenzwert laut Umweltbundesamt in den Jahren 2008, 2009 und 2011 an rund 0,4 bis 0,5 % der Messproben überschritten.
Ist Glyphosat krebserregend?
Glyphosat und sein Abbauprodukt AMPA gelten seit 2015 laut WHO offiziell als „wahrscheinlich krebserregend". Beide Substanzen wirken in Laboruntersuchungen genotoxisch. Die EU hat den Wirkstoff nach einer Neubewertung durch die EFSA im November 2023 trotzdem um zehn Jahre bis Ende 2033 zugelassen.
Filtert ein Aktivkohlefilter Glyphosat aus dem Wasser?
Ein konkreter Test für Glyphosat steht noch aus. Aktivkohlefilter halten aber nachweislich diverse andere Pestizide und Arzneimittel zurück, weshalb aufgrund der stofflichen Ähnlichkeit eine Rückhaltung von Glyphosat wahrscheinlich ist. Bis ein Prüfbericht vorliegt, bleibt das eine begründete Erwartung und kein Nachweis.
6 Was Sie jetzt tun können
Kaufen Sie, wo möglich, Produkte aus Bio-Landwirtschaft und fordern Sie in Ihrer Kommune den Verzicht auf Glyphosat ein; Kommunen können sich schon heute dagegen entscheiden, während die EU-Zulassung bis Ende 2033 läuft und der Einsatz in der Landwirtschaft erlaubt bleibt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert ein vollständiges Verbot auf landwirtschaftlichen Flächen.
Am eigenen Wasserhahn hält ein Aktivkohlefilter am Entnahmepunkt nachweislich diverse Pestizide zurück; welcher Filtereinsatz zu Ihrer Küche passt, zeigt der Wasserfilter-Konfigurator.
Bis Ende 2033 verlängert, in Deutschland aber auf öffentlichen Flächen verboten.
Bislang nur wenige Messreihen, der Grenzwert liegt bei 0,1 µg/l je Einzelstoff.
Hält nachweislich diverse Pestizide zurück, ein konkreter Glyphosat-Test steht noch aus.
Quellen
- Bund für Umwelt und Naturschutz (2023) - Weitere 10 Jahre Glyphosat
- Umweltbundesamt (2024)- Beispiele besonders problematischer Pflanzenschutzmittel
- Umweltbundesamt - Glyphosat: Grenzwerte, Funde und Zulassungsverfahren
- Deutscher Naturschutzring (2023) - Jetzt offiziell: Glyphosat bis 2033
- Bundesministerium für Umwelt (BMUV) - Fragen und Antworten zum Einsatz von Glyphosat
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