Ein Kamin ist gemütlich, verursacht jedoch eine erhöhte Feinstaubbelastung in Ihren vier Wänden. @Bill Oxford /istockphoto.com

Feinstaub durch Kamin: höhere Umweltbelastung als durch den Verkehr

Vitalhelden Redaktion
Aktualisiert: 2. Juli 2021
Lesedauer: 4 Minuten

Kaminöfen werden zunehmend wieder nachgefragt. Ein Grund dafür ist der Trend zur Natürlichkeit als Korrektiv zum Digitalzeitalter. Kaminöfen versprechen eine zeitlose Behaglichkeit, sind ein Sinnbild für Gemütlichkeit und knüpfen an die deutsche Romantik an. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes (UBA) heizen 15 Millionen Haushalte (1) deshalb wieder mit Holz.

Dennoch ist ihr Einsatz nicht unbedenklich. Das UBA vermutet, dass die Feinstaubbelastung als Folge privater Kleinfeuerungsanlagen in Deutschland die verkehrsbedingten Emissionen überschreitet (ebd.). Historisch sind die traditionellen Holzöfen für einen Großteil der vorindustriellen Umweltverschmutzung verantwortlich.

Die Umweltkatastrophe in London 1952, die als Londoner Nebel in die Geschichte einging und zu 12.000 Toten führte (2), hat ihre Ursache in der privaten Holzverfeuerung. Die Katastrophe zeigte zudem, dass ungünstige Wetterlagen, vor allem in Form von winterlichen Inversionen, die Schadstoffbelastung potenzieren.

Feinstaub vom Kamin
Wussten Sie, dass die Feinstaubbelastung durch Kamine immens ist? Durch die Verbrennung werden kleinste Partikel an die Luft abgegeben. @Krzysztof Winnik /istockphoto.com

Emissionen durch Kaminöfen

Befürworter der privaten Holzverfeuerung argumentieren, dass der Einsatz von Holz endlichen Heizquellen wie Kohle und Öl vorzuziehen sei. Die Energiebilanz sei neutral, weil jedes Holzstück nur so viel Kohlenstoffdioxid emittiere, die der Baum in seinem Leben angesammelt habe. Genau dies bestreitet jedoch der Naturschutzverband Deutschland (NABU), der darauf hinweist, dass der verfeuerte Baum vorher gefällt (3) wurde. Von einer Klimaneutralität von Holz könne also keine Rede sein.

Tatsächlich werden durch den Einsatz von Holzfeuerungsanlagen folgende bedenkliche Emissionen ausgestoßen:

  • Feinstaub
  • Kohlenmonoxid
  • Stickstoffdioxid
  • PAK
  • CMR

Unter CMR werden alle Schadstoffe zusammengefasst, die krebserzeugend, fortpflanzungstoxisch und erbgutverändernd sind. PAK wiederum sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Sie werden durch die Existenz mindestens zweier Benzolringe definiert, sind ebenfalls krebsauslösend und entstehen, wenn Holz unvollständig abbrennt.

Stickstoffoxide wiederum schädigen die Atmungsorgane, während Kohlenmonoxid hochgradig giftig ist. Feinstaub wiederum dringt je nach Größe in die Bronchien, Bronchiolen, Lunge und den Blutkreislauf ein. Auch hier sind die gesundheitlichen Folgen ernstzunehmen.

Moderne Kaminöfen und richtige Verfeuerung senken den Schadstoffanteil erheblich

Die gute Nachricht ist, dass Holzöfen wie Autos immer umweltfreundlicher werden. So erzeugt bereits ein Kamin aus dem Jahre 2015 nur noch ein Fünftel (ebd.) der Menge an Emissionen wie ein Kamin aus dem Jahre 1990. Bei noch älteren Geräten können sogar statt 100 mg/m³ Feinstaub bis zu 5.000 mg/m³ (4) Feinstaub aus dem Kaminofen herausgeschleudert werden.

Der vorgeschriebene Grenzwert liegt bei 150 mg/m³ und wird vom Schornsteinfeger überwacht. Zudem kann der Einzelne den Schadstoffanteil durch eine sachgerechte Verfeuerung um ein Zehntel (5) senken.

Die richtige Verfeuerung im Haus

Die Holzscheite oder Pellets (aus Holz und Sägespäne zusammengepresste Stäbchen) werden sauber aufeinander gestapelt, um ein gleichmäßiges und gründliches Abbrennen zu garantieren.

Das Holzstück wird von oben angezündet, damit während der kritischen Anzündphase möglichst wenige Schadstoffe in die Raumluft gelangen. Aus diesem Grund sollten die Anzünder oben am Stapel aufgerichtet sein.

Die Restfeuchte des Holzes darf 25 % nicht überschreiten und erst ab einer Restfeuchte von 20 % vom Hersteller als trocken bezeichnet werden, während eine Restfeuchte von mindestens 15 % empfohlen wird.

Die Idealgrenze der natürlichen Holztrockenheit ist bei etwa 12 % (6) erreicht. Liegt der Wert darunter, dann würde das Holz beginnen, die Feuchtigkeit aus der Umgebung aufzunehmen. Im Fachhandel sind Holzfeuchtemessgeräte erhältlich.

Feinstaub durch den Kamin verringern durch Pellets
Pellets sind die eindeutig umweltfreundilchere Alternative gegen das klassische Brennholz, um die Belastung durch Feinstaub auf ein Minimum zu reduzieren. @Media Raw Stock /istockphoto.com

Erste Eindrücke von der Holzfeuchte erhält der Anwender durch einen einfachen Test. Dazu träufelt er etwas Spülmittel auf ein Ende des Holzscheites, um vom anderen Ende durchzupusten. Kommt es zur Blasenbildung, dann ist von einer ausreichenden Holztrockenheit auszugehen.

Verwendet werden sollte reines Holz, wobei Buchenholz als ideal gilt, während Nadelhölzer sich durch eine schnelle Entzündung auszeichnen. Nicht verwendet werden sollten:

  • Plastik
  • lackiertes Holz
  • Pressspanplatten
  • Tetrapacks
  • Zeitungspapier (wegen der Druckerschwärze)
  • verschmutzes und verschimmeltes Holz

Ofenrohr und Schornstein sollten stets frei von einer Rußschicht gehalten werden, weil eine solche bei jeder Nutzung neue Schadstoffmengen verursacht. Die Lüftungsschlitze sollten so reguliert und die Anordnung der Holzformationen so arrangiert sein, dass jedes Bestandteil beim Heizen immer aus genügend Sauerstoff schöpfen kann.

Vorschriften für ältere Kaminöfen

Aufgrund der hohen Korrelation zwischen dem Alter der Holzöfen und ihrem Emissionsgehalt, hat der Gesetzgeber Vorschriften erlassen, die mit dem Ziel verknüpft sind, die Ersetzung älterer Kleinfeueranlagen zugunsten moderner Geräte zu forcieren.

So sind seit dem 1.1.2021 sämtliche Kaminöfen, die vor dem 1.1.1995 entwickelt wurden, auszutauschen oder zu ersetzen, es sei denn der Besitzer erbringt den Nachweis, die Grenzwerte von 1,25 g/m³ für Kohlenmonoxid und 0,04 g/m³ für Feinstaub einzuhalten und einen Wirkungsgrad von mindestens 73 % (8) einzuhalten. Ab dem 1.1.2025 gelten dieselben Regeln für Kaminöfen mit der Herstellung vor dem 1.1.2010.

Fazit: Zwang zur stetigen Erneuerung

Der Gesetzgeber macht also Ernst mit der grünen Energiewende und mit seinen Vorschriften die Nutzung von Kaminöfen immer unattraktiver, da dem Besitzer die ständige Verpflichtung zur Erneuerung aufgebürdet wird. Im Trend liegen als Alternative zu Kaminöfen ökologisch nachhaltige Pelletheizungen und Pelletöfen.

Wer auf den Einsatz von Luftreinigern setzt, kann sogar Schadstoffe und Feinstaub proaktiv aus der Luft entfernen. Wir empfehlen den Einsatz von HEPA-Filtern mit einem Wirkungsgrad von bis zu 99,995 % bei einer Partikelgröße von 0,1 bis 0,3 Mikrometern (µm). Diese werden sogar als Lösung im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie gehandelt.

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