Das Unternehmen Nestlé verdient viel Geld mit dem Verkauf Trinkwasser, das ärmeren Ländern genommen wird. @piyaset / istockphoto.com

Der Nestle-Trinkwasser Skandal

Vitalhelden Redaktion
Aktualisiert: 15. November 2021
Lesedauer: 4 Minuten

Nestle gehört zu den berühmtesten und einflussreichsten Global Playern überhaupt. Ein weltweiter Platz 16 im Börsenwert [1] mit einer Marktkapitalisierung von 300 Milliarden Schweizer Franken beschert dem Lebensmittelhersteller einen Platz an der Sonne in der Weltökonomie. Etwa 2.000 bekannte Marken von Kitkat, Nescafé über Schöller und Wagner Pizza bis Maggi und Mövenpick gehören zum Schweizer Imperium, die es in 190 Staaten zu kaufen gibt [2].

Der weltweite Lebensmittelhandel ist fest in der Hand einer kleinen exklusiven Gruppe von Unternehmen. Die Hilfsorganisation Oxfam spricht in diesem Zusammenhang von den „Big Ten“, die fast im Alleingang für das Warenangebot in Supermärkten verantwortlich seien. Dabei handelt es sich nach Oxfam um die folgenden Hersteller von Lebensmitteln und Getränken [3]:

  • Nestle
  • Unilever
  • Mars
  • Kellog´s
  • Associated British Foods
  • Coca-Cola
  • PepsiCo
  • Danone
  • Mondelez International
  • General Mills

Die „Big Ten“ und ihre Marken im Überblick, inkl. einer Grafik von Oxfam finden Sie hier.

Warum steht Nestle in der Kritik?

Dieser Grad an Verflechtungen und Marktkonzentration ruft immer wieder Kritiker auf den Plan, die vor zu viel Macht und Kontrolle der zehn Anbieter warnen. Speziell Nestle gerät immer wieder an den Pranger im Zusammenhang mit Vorwürfen, die um Themenfelder wie Kinderarbeit, Abholzung des Regenwaldes, ungesunde Babynahrung, Tierversuche, gentechnisch veränderte Lebensmittel und Ausbeutung der weltweiten Wasserressourcen kreisen. Zum Thema Wasserausbeutung sorgte 2012 die Enthüllungsdokumentation „Bottled Life“ für Schlagzeilen. Der Kinofilm von Urs Schnell basierte auf Recherchen des Schweizer Journalisten Res Gehriger.

Der Film “Bottled Life” enthüllt Nestles Machenschaften

In „Bottled Life“ geht es um die „Machenschaften“ von Nestle. Dem Konzern wird in einer aufwühlenden Reportage vorgeworfen, sich große Mengen von Grundwasser auch in von Dürre betroffenenen Regionen anzueignen. Während in diesen Ländern wie Pakistan und Äthiopien viele Menschen jeden Tag verdursten, würde das Wasser, das vor Ort zum nackten Überleben gebraucht wird, als „Lifestyleprodukt“ für bessergestellte Kunden aus aller Welt verwendet werden [4].

Nestle selbst bestreitet die Vorwürfe und sprach in einer Stellungnahme von einer bewussten Manipulation. Den Zuschauern würde ein „stark verzerrtes Bild“ der unternehmerischen Aktivitäten vermittelt werden [5].

Die Einordnung

Wasser ist unsere Lebensgrundlage und der Ursprung des Lebens. Aus diesem Grund wird das Thema oft hoch emotional geführt. Insbesondere für die Kritiker von Nestle, deren Reichweite über die globalisierungskritische Bewegung hinausgeht, handelt es sich um ein moralisches Thema, deren Kritik oftmals mit einer Haltung einhergeht, dass der Zugang zu Trinkwasser ein Menschenrecht sei und nicht durch Profitinteressen von Unternehmen gefährdet werden dürfe.

Die UN hat bereits in einer Resolution „das Recht auf einwandfreies und sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung“ in den Status eines Menschenrechts erhoben. Dieser Position schloss sich die Bundesrepublik Deutschland an [6].

Auf der anderen Seite habe aber das Scheitern des Sozialismus seine defizitäre Natur in puncto wirtschaftlicher Entwicklung enthüllt. Die marktfreundliche Gegenposition im Sinne des Neoliberalismus ist folglich die, dass nur der Markt den hohen weltweiten Bedarf an Trinkwasser stillen könne, sodass es globale Akteure wie Nestle sogar bedürfe, um die Versorgung aller Menschen mit genügend Trinkwasser zu gewährleisten.

Andere Personen, die sich für die Problematik interessieren, nehmen eher eine Zwischenposition ein und wägen ab, welche wirtschaftlichen Bereiche eher in die Hände des Marktes gehören und welche einer stärkeren staatlichen oder gesellschaftlichen Kontrolle bedürfen.

Da der Zugang zum Trinkwasser tatsächlich ein existentielles Bedürfnis ist, sei eine stärkere Regulierung des Marktes dringend geboten, um das Verteilungsproblem von Wasser, das in der Zukunft nach Meinung fast aller Experten noch zunehmen werde [7], so sozial gerecht wie möglich zu lösen.

Gesundheitliche Auswirkungen

Das Halbmetall Arsen ist giftig und in Abhängigkeit von der Konzentration für die menschliche Gesundheit schädlich, was bis zum Tod führen kann. Besonders tückisch sind die weitgehend vom Menschen unbemerkte Belastung des Leitungswassers und die damit verbundene andauernde, schädliche Aufnahme von Arsen.

Diese chronische Vergiftung hat vor allem langfristige Folgen. Krebserkrankungen auf der Haut, in der Leber, Lunge, Blase oder den Nieren können vermehrt auftreten.

Zudem kann bei Schwangeren mit einer Arsenvergiftung das Risiko einer Fehlgeburt steigen. Neben der chronischen kann es auch zu einer akuten Vergiftung kommen. Diese löst zunächst Erbrechen, Übelkeit und Durchfall aus.

Ab einer Konzentration von etwa 60 mg kann die Vergiftung zum Tod führen, was beim Leitungswasser aber bedeuten würde, dass Sie etwa 600 Liter trinken müssten, um diese Symptome zu zeigen [5] [7].

Fazit

Der Gesetzgeber schreibt in der Trinkwasserverordnung den Grenzwert für Arsen mit 0,01 mg pro Liter Leitungswasser fest [3]. Für Brunneneigentümer wird ab einer Konzentration von 0,03 mg pro Liter empfohlen, mit technischen Installationen den Arsengehalt wieder auf die gesetzliche Vorgabe zu senken.

Eine dauerhafte, massive Überschreitung des Grenzwerts kann für Sie gesundheitliche Folgen haben. Eine akute Vergiftung löst hingegen zunächst Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus, und kann aber einer Konzentration von 60 mg zum Tode führen, was für Sie mit dem Konsum des Trinkwassers in Deutschland aber unmöglich ist.

Vor allem wenn Sie einen Brunnen besitzen, aus dem Sie Trinkwasser beziehen, müssen Sie auf die Arsenbelastung des Wassers achten. Ihnen stehen technische Lösungen bereit, um die Arsenkonzentration Ihres Trinkwassers zu senken. Zu diesen Verfahren gehören der Ionenaustausch, die Membranfiltration und die Eisen- sowie Aluminiumflockung [5].

Quellen & Weiterführende Informationen
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