Trinkwasser aus dem Hahn offiziell getestet @aristotoo /istockphoto.com

Was sagen Stiftung Warentest & ÖKO-Test zu unserem Wasser?

Vitalhelden Redaktion
Aktualisiert: 11. August 2021
Lesedauer: 6 Minuten

Das Trinkwasser aus deutschen Wasserhähnen wird als “meistkontrolliertestes Lebensmittel” bezeichnet. Doch heißt “kontrolliert” gleich gut? Wie rein ist unser Trinkwasser wirklich? Diese Frage stellen sich immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher und greifen dabei oftmals auf Meinungen von renommierten Testinstituten wie Stiftung Warentest und Ökotest zurück. Wir haben die Verbrauchertests einmal genauer unter die Lupe genommen.

Während Stiftung Warentest in der letzten Untersuchung des Trinkwassers zwar auf Verunreinigungen aufmerksam macht, jedoch generell Entwarnung gibt, sieht Ökotest besonders die Konzentrationen von Arzneimittelrückständen und Pestiziden kritischer.

Ergebnisse von Stiftung Warentest aus 2019

Im Juni 2019 hat Stiftung Warentest das deutsche Trinkwasser in 20 Städten getestet und die gute Qualität des Leitungswassers belegt.

Pestizide

Auch in Bezug auf Pflanzenschutzmittel und ihre Abbauprodukte konnte Stiftung Warentest Verunreinigungen feststellen. Zwar konnte das stark diskutierte Glyphosat weder in Trinkwasserproben noch in Mineralwasser nachgewiesen werden, anders sieht es jedoch mit dem Wirkstoff Dese­thylatrazin, einem Abbauprodukt des Unkrautvernichters Atrazin, aus. Es wurde beispielsweise in Rottenburg neben sieben anderen Pestiziden nachgewiesen werden.

Die Wasseranbieter des weltweit größten Hopfengebietes versuchen, dies mit einer Wassermischung auszugleichen, allerdings mindert dies nur die Konzentration des schädlichen Pflanzengifts und kann langfristig keine weiteren Schäden der Belastung des Trinkwassers vorbeugen.

Süßungsmittel

Der Stichprobentest der privaten Verbraucherzentrale Stiftung Warentest konnte zudem eine Korrelation zwischen Einwohneranzahl pro qm und den im Trinkwasser vorhandenen Süßungsmitteln wie Acesulfam-K, Cyclamat, Saccharin oder Sucralose nachweisen. Diese kommen durch die Rückstände von gesüßten Getränken wieder aus dem Hahn der Großstadtbewohnerinnen und -bewohner. 

Medikamente

In drei von 20 Wässern, also in 15% der Fälle, wurden Rückstände von Medikamenten nachgewiesen, etwa Schmerz- und Epilepsiemittel. Fünf weitere Städte, also 20% der Stichprobe, wiesen Röntgenkontrastmittel im Wasser auf. Da diese chemisch sehr stabil sind, werden diese durch die klassichen Reinigungsschritte im Klärwerk nicht erfasst und bleiben im Leitungswasser enthalten.

Problematisch ist, dass es für Spuren­stoffe aus Medikamenten keine offiziellen Grenz­werte, nur gesundheitliche Orientierungs­werte (GOW), gibt. Diese sind allerdings so nied­rig angesetzt, dass auch bei lebens­langer Aufnahme ein gesundheitliches Risiko auszuschließen ist. In dem von Stiftung Warentest geprüften Städten wurde keiner dieser “GOW”s überschritten. Zukünftig können jedoch noch mehr Arznei­mittel in unserem kostbaren Trinkwasser landen. 

Metalle 

Teilweise wurde ein erhöhtes Vorkommen des Übergangsmetalles Chrom verzeichnet, für das die Trinkwasserverordnung einen Höchstwert von 50 Mikrogramm pro Liter vorschreibt. 

Hier gilt es jedoch, zwischen Chrom (III), welches sich kaum in Wasser löst, und Chrom (VI), welches sehr gut wasserlöslich und zudem noch krebserregend ist, zu unterscheiden. Chrom (VI) war in 18 der 20 Wässer nach­weisbar. Das Umweltbundesamt veröffent­lichte 2014 ein Positions­papier, in dem es einen Leit­wert von 0,3 Mikrogramm Chrom (VI) pro Liter empfiehlt. Drei Wässer im Test liegen knapp über diesem Leit­wert.

Wasser aus mehreren Werken

Auffällig ist, dass das Wasser in einem Ort ist nicht immer gleich ist und sich die Qualität über eine längere Zeitspanne verändern kann. So fand Stiftung Warentest im Trink­wasser-Test vom Jahr 2016 auch im Hamburger Wasser Spuren­stoffe, diesmal ist die Probe aus einem anderen Hamburger Stadt­teil unauffäl­lig. Die nordische Hanse­stadt wird von insgesamt 16 Wasser­werken versorgt.

Das Fazit von Stiftung Warentest 2019

Das Fazit von Stiftung Warentest fällt, trotz einiger Überschreitungen schädlicher Inhaltsstoffe, positiv aus: 

“Hahn aufdrehen und trinken – das ist nicht nur preis­wert und ökologisch, sondern auch sicher.” 

Dies wird damit begründet, dass die Trinkwasserverordnung für die getesteten Proben durchweg eingehalten wird.

Zu welchen Ergebnissen kam ÖKO-Test im Jahr 2014 und 2020?

Im Jahr 2014 steht die unabhängige Testzentrale “Ökotest” besonders den Arzneimittelrückständen kritisch gegenüber und hat insbesondere die Konzentration von Gadolinium, einem MRT Kontrastmittel, im deutschen Trinkwasser genauer untersucht. In der September-ausgabe von 2014 hat das Unternehmen seine Ergebnisse veröffentlicht. Im Test waren 69 deutsche Städte.

Röntgenkontrastmittel

Um beim Röntgen Blutgefäße sichtbar zu machen, müssen beispielsweise in der Radiologie jodhaltige Röntgenkontrastmittel gespritzt werden. Diese werden vom Körper nicht vollständig abgebaut und gelangen durch Ausscheidungen wieder in den Wasserkreislauf. Im Grundwasser weist der Bericht des UBA (Umweltbundesamt) 55, in Oberflächengewässern sogar 131 Positiv-Befunde aus, darunter einzelne Röntgenkontrastmittel mit Extremwerten von bis zu 100 µg/l. 

Der Hintergrund: In den Kläranlagen können sie nicht vollständig herausgefiltert werden, weshalb sie irgendwann in verdünnter Form wieder aus dem Wasserhahn kommen.

Pestizide

Pestizide finden sich nicht nur im Leitungswasser, sondern auch für im Supermarkt erworbenes Mineralwasser. So konnten 2014 in 28 von 102 getesteten Mineralwassern Pestizide nachgewiesen werden, in 15 davon waren die Werte höher als der Orientierungswert.

Auch Mineralwasser ist nicht frei von Schadstoffen

Wer denkt, durch den Kauf von Mineralwasser im Supermarkt ließen sich diese Schadstoffe vermeiden, der irrt leider: Auch in tiefen Mineralbrunnen weisen Prüfer Stoffe nach, die auf Einträge aus Umweltverschmutzung zurückgehen, wie auch die von Ökotest durchgeführten Mineralwasser-Tests zeigen. Diese hatten 50 Classic-Mineralwasser, rund 100-mal Medium-Mineralwasser sowie rund 100-mal Stilles Wasser im Test. Schwermetalle und Pestizide wurden überraschenderweise auch bei hochpreisigen Mineralwässern gefunden.

Vorgeschrieben ist, dass Tafel- und Mineralwässer von “natürlicher Reinheit” sein sollen - Wie genau diese definiert wird, ist allerdings nicht weiter definiert. Neben menschengemachten Verunreinigungen gibt es auch natürliche Stoffe wie Uran, Bor oder Arsen, welche vom Regenwasser auf dem Weg durch die Gesteinsschichten aufgenommen werden. 

Ökotest betrachtet insbesondere die ökologischen Faktoren der beiden Wasserquellen und kürt das Leitungswasser eindeutig zum Sieger. Trotz des prominenten Namens, kann das Mineralwasser nur geringfügig mehr Mineralien aufweisen, die laut Experten im Trinkwasser sowieso überschätzt werden. Mit 0,2 Cent pro Liter gegen durchschnittlich 13 ct pro Liter im Supermarkt ist es eindeutig die günstigere Alternative.

Auch die Klimabelastung ist durch Mineralwasser aus dem Supermarkt durchschnittlich 600 mal höher als durch Leitungswasser. Das kommt daher, dass das Wasser noch importiert werden muss und bis zum Genuss lange Wege zurücklegt. Zusätzlich können wir ca 16,4 Miliarden Einwegplastikflaschen einsparen, wenn ganz Deutschland das kühle Nass aus der Leitung beziehen würde. 

Geprüfte und nicht geprüfte Schadstoffe im Trinkwasser

Wie an den Testergebnissen von Stiftung Warentest und Ökotest zu erkennen ist dürfen Sie sich als Endverbraucherin oder Endverbraucher berechtigterweise Sorgen über mögliche Schadstoffe und Verunreinigungen Ihres Trinkwassers machen. 

Ohnehin ist es eine Frage der Verhältnismäßigkeit, denn vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass mindestens 97% unseres Leitungswassers Nutzwasser ist. Wasser, das für den Abwasch, die Wäsche oder der Toilettenspülung dient, muss logischerweise viel geringere Anforderungen erfüllen als Wasser, das wir als Nahrungsmittel durch Getränke und Speisen zu uns nehmen.

Daher fehlt es dem Staat schlicht an Anreizen, ein Produkt frei von Verunreinigungen zu Ihnen nach Hause zu liefern.

Im Ergebnis lässt sich die Trinkwasserverordnung kritisch begutachten.

Interessant:

Zum einen gibt es nicht für alle Stoffe Grenzwerte, wie beispielsweise für Arznei- oder diverse Pflanzenschutzmittel. Zum anderen wird zwar die Konzentration an solchen geregelt - doch nur, weil die Grenzwerte unterschritten werden, ist das Trinkwasser noch lange nicht frei von Schadstoffen!

Zu guter Letzt ist zu bedenken, dass der Wasserversorger für die Qualität des Wassers nur so lange verantwortlich ist, bis es in das hauseigene Wassernetz eintritt. Doch hier lauern oftmals Verunreinigungen und Schadstoffe, die in das Trinkwasser gelangen, beispielsweise durch alte Rohrleitungen, kaputte Dichtungen oder tote Stränge.

Diese sollten ernst genommen werden, da sie zu gesundheitlichen Schäden führen können. Auch wenn das Trinkwasser in Deutschland das am “besten kontrollierte Lebensmittel” ist, ist es nicht unbedingt das beste Trinkwasser.

Daher empfiehlt es sich, die Optimierung des Wassers selbst einfach in die Hand zu nehmen. Diese muss nicht einmal teuer oder aufwendig sein, denn effiziente und natürliche Wasserfilter gibt es bereits ab knapp über 100€. 

Fazit - Selbst ist die Wassertrinkerin und der Wassertrinker

Abschließend lässt sich sagen, dass Stiftung Warentest zwar die Verbraucher beschwichtigt, die allgemeine Verunsicherung jedoch viele Gründe findet. Immer mehr Schadstoffe werden im Trinkwasser gefunden, die zum Teil keine Grenzwerte haben. Unsere Politikerinnen und Politiker machen es sich bequem und verweisen auf fehlende Langzeitauswirkungen.

Unser Rat: Wem die eigene Gesundheit am Herzen liegt, der wird selbst aktiv und fängt an sich mit dem Thema Wasser und einem eigenen Trinkwasserfilter intensiv zu beschäftigen. Ein Trinkwasserfilter kann im Nu alle Sorgen über mögliche Verunreinigungen nehmen und sorgt tagtäglich für einen nachhaltigen Trinkgenuss. 

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