Wasser-Wissen · Gesundheit

Ist destilliertes Wasser gesund oder schädlich?

Destilliertes Wasser ist vollständig von Ionen, Mineralien und anderen gelösten Stoffen befreit und entsteht durch Verdampfen mit anschließender Kondensation. In geringen Mengen ist es problemlos trinkbar, als dauerhaftes Trinkwasser eignet es sich wegen der fehlenden Mineralstoffe aber nicht.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 5 Min. Lesezeit2 Quellen
Blaue Kugel mit stilisierten Wassermolekülen im Inneren vor blauem Verlaufshintergrund

Destilliertes Wasser ist im Grunde etwas vollkommen Natürliches. Immerhin ist es ein wichtiger Bestandteil des Wasserkreislaufs der Erde. Durch die Verdunstung von Seen, Flüssen, Meeren und Bächen entsteht destilliertes Wasser, da hierbei alle Schadstoffe im Ursprungswasser zurückbleiben. Jedoch nimmt dieses Wasser auf dem Weg zurück zur Erde wieder Schadstoffe auf und kommt so nicht als reines Trinkwasser zurück auf die Erde.

1 Die Herstellung

Der Begriff destilliertes Wasser stammt von dem lateinischen Wort aqua destillata ab. Es umschreibt den Zustand des Wassers, wenn dieser vollkommen befreit von Ionen, Spurenelementen und Verunreinigungen ist. Dieses Wasser findet gerade in der Chemie, Medizin und auch der Biologie als Lösung seinen Einsatz.

Hergestellt wird dieses kühle Nass durch Destillation, also dem Verdampfen von Wasser mit anschließender Kondensation. Hierfür kann sowohl Leitungswasser als auch Grundwasser oder verunreinigtes Wasser aus Flüssen die Grundlage bieten. Zu beachten ist hierbei lediglich, dass es sich bei der Destillation um ein höchst kostspieliges Verfahren handelt, da hierbei große Mengen an Energie aufgebracht werden müssen.

Interessant:

Wichtig ist zudem, dass Sie bedenken, dass auch destilliertes Wasser immer noch minimal flüssige Stoffe enthalten kann.

Eigene Produktion des destillierten Wassers

Destilliertes Wasser können Sie bereits in abgefüllter Form erwerben. Jedoch gibt es auch für den Hausgebrauch Destilliergeräte, welche diese Aufgabe gleich vor Ort übernehmen. Im Prinzip lässt sich das gleiche Verfahren auch improvisiert nachbilden. Wasser wird in einem Topf zum Kochen gebracht, der aufsteigende Dampf an einem darüber gehaltenen, kühleren Deckel oder einer Glasschale kondensiert und tropft als destilliertes Wasser ab.

Für den regelmäßigen Bedarf ist ein Destilliergerät jedoch deutlich praktikabler. Hierbei sollten Sie beachten, dass eine stete Entkalkung und Desinfektion des Gerätes vorgenommen werden muss.

Gut zu Wissen:

Zudem sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass es sich bei diesem Wasser um ein Produkt handelt, welches bereits nach kurzer Zeit beginnt, die Schadstoffe aus der Umgebung aufzunehmen: Selbst das Wasser in Glasflaschen ist somit nur kurz haltbar.

2 Destilliertes Wasser trinken - schädlich oder besonders gesund?

Selbstverständlich können Sie destilliertes Wasser trinken. Im asiatischen Raum beispielsweise wird der Genuss dieses Wassers sogar als besonders gesund angepriesen. Im europäischen Raum hingegen wurde lange vor dem Verzehr gewarnt.

Destilliertes Wasser solle die Zellen zum Platzen bringen, da es leicht durch die Zellmembran dringen kann. Das nun entstehende Ungleichgewicht will die Zelle ausgleichen und lässt noch mehr Wasser hinein – bis sie platzt. Heute ist jedoch bewiesen, dass für eine derartige Reaktion innerhalb kürzester Zeit enorme Mengen aufgenommen werden müssten.

Der Grund, warum geringe Mengen unbedenklich sind: Auf dem Weg durch die Verdauung vermischt sich das destillierte Wasser rasch mit Magensäure, Speichel und anderen mineralstoffhaltigen Körperflüssigkeiten. Erst dieses verdünnte Gemisch erreicht die Zellen, sodass der theoretische osmotische Effekt in der Praxis stark abgepuffert wird (Quelle).

Bei dem Genuss sollten Sie jedoch generell bedenken, dass dieses Wasser sehr arm an Mineralien ist und somit dem Körper zwar Flüssigkeit, aber keine Versorgung der lebensnotwendigen Mineralien und Spurenelemente bietet. Anders als bei Destillation oder Umkehrosmose bleiben die im Leitungswasser enthaltenen Mineralien bei einer Filterung mit Aktivkohle-Blockfiltern erhalten – einen ausführlichen Vergleich der Verfahren finden Sie auf unserer Vergleichsseite Aktivkohle oder Umkehrosmose.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält in ihrer Publikation „Nutrients in Drinking-water“ (2005) fest. Ein dauerhafter, ausschließlicher Konsum von mineralarmem oder -freiem Wasser kann den Elektrolythaushalt des Körpers stören und dem Körper vermehrt Natrium- und Kaliumionen entziehen (Quelle). Von daher sollte destilliertes Wasser nicht als wundersames Gesundheitsmittel oder als dauerhafter Ersatz für mineralstoffhaltiges Trinkwasser in Betracht gezogen werden.

Interessant:

Das Trinken von destilliertem Wasser ist unmittelbar nicht gefährlich, langfristig aber nicht sonderlich gut für den menschlichen Mineralienhaushalt.

3 Mythen rund um destilliertes Wasser

✗ „Destilliertes Wasser lässt Körperzellen platzen.“

✔ Für einen solchen Effekt müssten innerhalb kürzester Zeit enorme Mengen aufgenommen werden. Im Magen vermischt sich das Wasser rasch mit Magensäure, Speichel und anderen mineralstoffhaltigen Körperflüssigkeiten, sodass der osmotische Effekt in der Praxis stark abgepuffert wird.

✗ „Destilliertes Wasser ist die gesündeste Form von Trinkwasser.“

✔ Im asiatischen Raum wird es zwar als besonders gesund beworben, laut WHO kann ein dauerhafter Konsum mineralarmen Wassers aber den Elektrolythaushalt stören und dem Körper Natrium- und Kaliumionen entziehen.

✗ „Destilliertes Wasser bleibt dauerhaft rein.“

✔ Schon kurz nach der Herstellung beginnt destilliertes Wasser, Schadstoffe aus der Umgebung aufzunehmen – auch in Glasflaschen ist es nur kurz haltbar.

4 Fazit

Destilliertes Wasser ist eine sehr reine Form des Trinkwassers und vor allem in der Chemie, Biologie und auch der Medizin ein wichtiger Bestandteil. Jedoch bietet es sich auch zu Hause an, dieses Wasser zu nutzen.

Ob bei der Nutzung von Haushaltsgeräten oder selbst in Maßen auch einfach als Lebensmittel: dieses Wasser kann vielseitig angewandt werden. Dabei ist zu beachten, dass der fortwährende Genuss schädlich sein kann, da destilliertes Wasser keine lebensnotwendigen Spurenelemente und Mineralien enthält bzw. dem Körper diese sogar entziehen kann.

Destilliertes Wasser

Sehr rein und für Chemie, Medizin oder Haushaltsgeräte geeignet, als Dauergetränk aber ungeeignet.

Umkehrosmose

Ähnlich mineralarm, ebenfalls kein Ersatz für mineralstoffhaltiges Trinkwasser.

Aktivkohle-Blockfilter

Entfernt Schadstoffe, natürliche Mineralien im Leitungswasser bleiben erhalten.

Sauberes Wasser mit MineralienAnders als Destillation oder Umkehrosmose lässt ein Aktivkohle-Blockfilter die natürlichen Mineralien im Wasser.

Quellen

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Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor