Nur in Ausnahmefällen – etwa bei einer offiziellen Empfehlung Ihres Gesundheitsamts, auf Reisen oder beim Camping mit Wasser aus der freien Natur – ist Abkochen sinnvoll, da es zwar viele Bakterien abtötet, aber Nitrat, Schwermetalle wie Blei und manche Viren nicht entfernt. Woher der verbreitete Glaube stammt, abgekochtes Wasser sei grundsätzlich gesünder, und was beim Abkochen chemisch passiert, erfahren Sie im Folgenden.
Es wird immer populärer, Leitungswasser vor der Verwendung abzukochen – aus verschiedenen Gründen. Der Mythos, dass abgekochtes Wasser besser für den Organismus, den Geist und den Körper ist, stammt ursprünglich aus der indischen Ayurveda-Bewegung.
Die Grundannahme liegt darin begründet, dass Wasser als natürliches Element Informationen speichert, die den Geist und den Organismus beeinflussen – sowohl positiv als auch negativ. So können negative Emotionen, Haltungen und Einflüsse in den Körper eindringen und die Persönlichkeit beeinflussen.
Um dies zu verhindern, begannen die Menschen Wasser abzukochen, um es damit von diesen Informationen zu neutralisieren. Heutzutage sind zahlreiche Menschen von der höheren Qualität abgekochten Wassers überzeugt. Dabei stehen sowohl die Hygiene als auch gesundheitliche und emotionale Einflüsse von reinem Leitungswasser im Fokus der diskutierenden Gesellschaft.
1 Was passiert während des Abkochens?
Wasser kocht ab einer Temperatur von 100 °C und geht anschließend vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über. Während des Kochens entsteht eine chemische Reaktion, die das zur Folge hat, was für viele den Grund des Abkochens darstellt:
Durch die Hitze wird gelöstes Calciumhydrogencarbonat (Wasserhärte) in unlösliches Calciumcarbonat umgewandelt, das sich als Kesselstein am Gefäßboden absetzt – so wird dem Wasser ein Teil des Kalks entzogen. Auch vorhandene Gase wie Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid werden durch die enorme Hitze aus dem Wasser ausgetrieben. Zurück bleibt Wasser, dem etwas Härte und gelöstes Gas fehlen – an gelösten Salzen, Nitrat oder Schwermetallen ändert das Kochen dagegen nichts.

Wussten Sie es?
Bei einem Nachweis von Fäkalbakterien wie eColi-Keimen im Trinkwasser können die lokalen Gesundheitsämter ein sogenanntes Abkochgebot als Sofortmaßnahme anordnen – das Umweltbundesamt nennt dies ausdrücklich als eine der möglichen Sofortmaßnahmen bei Nachweis coliformer Bakterien im Trinkwasser. Vor solchen Überraschungen schützen Wasserfilter. Lesen Sie auch: Gute Gründe zu warum Wasser filtern.
2 Wie kocht man Wasser bei einem Abkochgebot richtig ab?
Liegt ein behördliches Abkochgebot vor oder möchten Sie auf Reisen unsicheres Wasser genießbar machen, kommt es auf die richtige Technik an. Gesundheitsämter und Wasserversorger geben bei einem Abkochgebot einheitlich die Anweisung, das Wasser einmalig sprudelnd aufkochen zu lassen und es anschließend langsam über mindestens zehn Minuten abkühlen zu lassen – erst die Kombination aus Aufkochen und der Hitzeeinwirkung während der Abkühlphase tötet die relevanten Krankheitserreger zuverlässig ab.
Auch handelsübliche Wasserkocher mit Abschaltautomatik sind dafür laut Gesundheitsämtern geeignet, sofern das Wasser danach die zehn Minuten Abkühlzeit einhält und nicht sofort verwendet wird.
3 Was wird durch Abkochen abgetötet und was nicht?
Abgekochtes Wasser wird von vielen Menschen als gesund empfunden, da die Hitze diverse Bakterien und Krankheitserreger abtötet. Das Abkochen macht Wasser jedoch nicht vollständig steril und keimfrei!
Was Abkochen entfernt und was bleibt
- Bleibt bestehen: Nitrat-Substanzen, gelöste Schwermetalle und hartnäckige Viren werden durch Abkochen nicht entfernt.
- Wird abgetötet: Kolibakterien und Pilze werden durch das Erhitzen bis zum Siedepunkt abgetötet.
- Neue Gefahr: Abgestandenes, offen aufbewahrtes Wasser kann erneut mit Keimen aus der Umgebung in Kontakt kommen.
Abgekochtes Wasser sollte zügig verbraucht und nicht über längere Zeit offen aufbewahrt werden, da abgestandenes Wasser erneut mit Keimen aus der Umgebung in Kontakt kommen kann. Am sichersten ist es, das Wasser in einem sauber verschlossenen Gefäß aufzubewahren und innerhalb weniger Stunden zu verwenden.
Um nicht auf das Trinken von Leitungswasser verzichten zu müssen, ist es sinnvoll, in diesem Zusammenhang auf ein Filtersystem zurückzugreifen. Ein Aktivkohle-Blockfilter bindet Schwermetalle, Chlor sowie Pestizid- und Arzneimittelrückstände, an denen das Abkochen nichts ändert.
4 Grenzen des Abkochens: Nitrat und Schwermetalle wie Blei
Ein wichtiger Unterschied zur Filterung: Abkochen tötet Mikroorganismen ab, verändert aber weder den Nitratgehalt noch die Konzentration gelöster Schwermetalle im Wasser. Da beim Verdampfen reines Wasser entweicht, kann sich die Konzentration der zurückbleibenden gelösten Stoffe durch das Kochen sogar leicht erhöhen statt zu sinken.
Besonders relevant ist das für Gebäude, in denen trotz der seit dem 12. Januar 2026 geltenden Pflicht zur Entfernung oder Stilllegung noch alte Bleileitungen vorhanden sind. Laut Umweltbundesamt gilt seit 2013 ein Grenzwert von 0,010 mg Blei pro Liter Trinkwasser, der zum 12. Januar 2028 auf 0,005 mg/l verschärft wird. Für schwangere Frauen, Säuglinge und Kinder bis zum sechsten Lebensjahr gilt Wasser aus Bleileitungen grundsätzlich als ungeeignet zum Trinken oder für die Zubereitung von Säuglingsnahrung.
Wer unsicher ist, ob im eigenen Gebäude noch alte Bleirohre verbaut sind, sollte sich an Vermieter oder Wasserversorger wenden; die aktuellen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung geben zusätzlich Orientierung.
Ein ausreichendes Trinken kann außerdem gegen ein übermäßiges Hungergefühl helfen, da Hunger häufig mit Durst verwechselt wird. Auch indirekt unterstützt Wasser beim Abnehmen: Es bietet eine kalorienfreie und gesündere Alternative zu gezuckerten Erfrischungsgetränken und vermeintlichen Durstlöschern. Allein so können bereits jede Menge Kalorien gespart werden.
Um langfristig erfolgreich abzunehmen, bedarf es jedoch immer einer Umstellung der Lebensgewohnheiten. Trinken Sie nicht erst, wenn Sie wirklich durstig sind. Durst ist das letzte Symptom eines Wassermangels.
Gewöhnen Sie sich das ausreichende Trinken am besten nicht nur aus Gewichtsgründen an, sondern beugen Sie mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr Gewichtsproblemen und Stoffwechselstörungen von Anfang an vor.

Wussten Sie es?
"...Leitungswasser abkochen macht nicht vollständig steril und keimfrei! Das ist gerade auch für Säuglinge zu berücksichtigen"
5 Was tut abgekochtes Wasser für den Körper?
Die Wirkung von abgekochtem Wasser betrifft zuerst den Organismus, der durch den Reinigungsprozess weniger Keime und Bakterien bekämpfen muss. Somit steckt in abgekochtem Wasser mehr Energie, da der Körper keine eigene zur Reinigung aufwenden muss.
Für überzeugte Ayurveda-Anwender wirkt das abgekochte Wasser zudem entgiftend und beruhigend auf den Geist und das Gemüt, da alle negativen Informationen und Energieströme beim Abkochen extrahiert werden. Ein weiterer Effekt von abgekochtem Wasser ist der der Fettverbrennung.
Auch dieser Effekt findet seine Wurzeln in der Ayurveda-Bewegung und basiert auf der Annahme, durch leicht erhitzte Speisen ein verträgliches Arbeiten des Magen- und Darmtrakts erzeugen und damit die Fettverbrennung ankurbeln zu können.
6 Häufige Fragen zum Abkochen von Wasser
Ist abgekochtes Wasser komplett keimfrei?
Nein. Abkochen tötet Bakterien, Pilze und die meisten Viren ab, entfernt aber weder Nitrat noch gelöste Schwermetalle wie Blei. Zudem kann bereits abgekochtes Wasser bei offener oder längerer Aufbewahrung erneut mit Keimen aus der Umgebung in Kontakt kommen.
Wie lange muss man Wasser bei einem Abkochgebot abkochen?
Gesundheitsämter empfehlen im Rahmen eines Abkochgebots, das Wasser einmalig sprudelnd aufkochen zu lassen und danach mindestens zehn Minuten langsam abkühlen zu lassen, bevor es verwendet wird.
Ist abgekochtes Wasser für Babynahrung notwendig?
Da das Immunsystem von Säuglingen empfindlicher reagiert, wird für die Zubereitung von Säuglingsnahrung teilweise empfohlen, Leitungswasser abzukochen. Halten Sie sich hierzu an die Empfehlung Ihres Kinderarztes oder des zuständigen Gesundheitsamts, insbesondere wenn im Gebäude noch alte Bleileitungen vorhanden sein könnten.
Wie lange ist abgekochtes Wasser haltbar?
Eine einheitliche amtliche Zeitangabe dafür gibt es nicht. Sicherer ist es, das Wasser in einem sauber verschlossenen Gefäß möglichst kühl aufzubewahren und innerhalb weniger Stunden zu verbrauchen, statt es offen stehen zu lassen.
7 Fazit
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Abkochen von Wasser vor dem Gebrauch eine persönliche Entscheidung ist. Für Unterstützer der Ayurveda-Bewegung beispielsweise stellt das Abkochen nicht nur einen hygienischen Aspekt dar, sondern versinnbildlicht auch das Befreien des Wassers von negativer Energie und damit den Schutz des eigenen Körpers.
Ob Abkochen sinnvoll ist, hängt auch stark von lokalen Gegebenheiten ab. So sollte das Wasser, dass bei einem Camping-Ausflug aus der freien Natur gewonnen wird, in jedem Fall abgekocht werden, doch das Wasser aus der Hausleitung bietet durch die strengen Normen und Richtwerte der Trinkwasserverordnung eine so hohe Qualität, dass ein Abkochen nicht zwingend notwendig ist – gegen Schwermetalle und Pestizidrückstände hilft ohnehin nur ein geeignetes Filtersystem, kein Kochtopf.
Tötet viele Bakterien ab, lässt Nitrat und Schwermetalle wie Blei aber unverändert.
Bei Wasser aus der freien Natur bleibt Abkochen sinnvoll.
Bindet Schwermetalle, Pestizid- und Arzneimittelrückstände, für die Kochen nichts bringt.

