Wasser-Wissen · Gesundheit

Trinkwasser abkochen als Form der Aufbereitung?

Abkochen tötet Bakterien, Pilze und Viren ab, macht das Wasser aber nicht schadstofffrei. Auf Meeresspiegelniveau reichen dafür mindestens 3 Minuten sprudelndes Kochen. Abgekochtes Wasser sollte innerhalb eines Tages verbraucht werden, sonst droht erneute Verkeimung; Schwermetalle entfernt erst ein Aktivkohle-Wasserfilter.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 5 Min. Lesezeit3 Quellen
Titelgrafik „Trinkwasser abkochen – wann und warum?“ mit Topf voll Wasser auf dem Gasherd

Doch kann damit tatsächlich die Wasserhygiene gewährleistet werden und ist das Abkochen des Trinkwassers als Form der Aufbereitung wirklich ausreichend? Was gilt es sonst noch zu beachten?

1 Trinkwasser abkochen - wann und warum?

Das Wasser aus der Leitung wurde zwar von den jeweiligen Stadtwerken aufbereitet und gilt als trinkbar, ist aber trotzdem nicht steril. Geringe Mengen von Keimen und Bakterien stellen für Erwachsene meist kein Problem dar. Allerdings ist so bei Säuglingen. Daher ist es besonders wichtig, dass bei der Zubereitung von Babynahrung das Trinkwasser keimfrei ist.

Hierzu wird das Wasser abgekocht, denn auch das Milchpulver selbst ist nicht keimfrei und kann Bakterien wie Cronobacter enthalten, die sich in Verbindung mit warmem Wasser rasch vermehren und für Neugeborene gefährlich werden können.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt daher, für die Zubereitung abgekochtes Wasser zu verwenden, es vor dem Anrühren aber auf etwa 20 bis 50 °C abkühlen zu lassen. Bei reif geborenen, gesunden Säuglingen ist das ausreichend, ohne dass durch zu heißes Wasser Verbrühungsgefahr oder unnötige Nährstoffverluste entstehen [1].

Außerdem ist dieser Vorgang auch unerlässlich, wenn Sie den Verdacht hegen, dass sich Keime in den Leitungen befinden oder ihr Wasserwerk sie dazu sogar auffordert. So können Pilze, Bakterien und Viren abgetötet werden.

2 Wie kocht man Wasser richtig ab und welche Grenzen gibt es?

Besonders Erreger wie Colibakterien finden bei 37 °C ideale Lebensbedingungen vor. Alle Temperaturen jenseits der 60 °C sorgen hingegen für das Absterben der Bakterien. Damit das zuverlässig gelingt, empfehlen Gesundheitsämter und Wasserversorger, das Wasser nicht nur zu erhitzen, sondern sprudelnd aufkochen zu lassen [2]. Wichtig ist außerdem, dass die dafür nötige Abkochzeit von der Höhenlage abhängt.

Orte, welche sich in etwa auf Meeresspiegelebene befinden, haben mit einer Abkochzeit von mindestens 3 Minuten sprudelndem Kochen zu rechnen [2]. Als international gebräuchliche Faustregel (der Siedepunkt von Wasser sinkt mit der Höhe) können Sie 1 Minute mehr Zeit pro 150 Höhenmeter hinzurechnen - für die meisten Regionen Deutschlands aufgrund der geringen Höhenlagen ohnehin kaum relevant. Nur so können Sie sicher sein, dass das Wasser keimfrei ist.

Dieser Zustand ist jedoch nicht von Dauer: Lassen Sie das Wasser danach langsam (über etwa 10 Minuten) abkühlen und bewahren Sie es kühl in einem geschlossenen Gefäß auf [3]. Verbrauchen Sie abgekochtes Wasser möglichst innerhalb eines Tages und kochen Sie es andernfalls erneut ab, da es sich bei Raumtemperatur langsam wieder verkeimen kann.

Führen Sie sich jedoch vor Augen, dass abgekochtes Wasser zwar keimfrei, aber noch lange nicht schadstofffrei sein muss. Schadstoffe wie Nitrat, Arzneimittelrückstände oder Schwermetalle bleiben beim Kochen im Wasser. Schwermetalle und Arzneimittelrückstände hält ein Aktivkohle-Blockfilter zurück, gelöstes Nitrat dagegen nicht.

Hinweis:

Das Wasser kann nach dem Abkochen für etwa einen Tag (24h) verwendet werden, bevor es zur Wiederverkeimung kommt.

3 Ist das Abkochen von Leitungswasser in Deutschland notwendig?

Das Leitungswasser in Deutschland gilt generell als qualitativ hochwertig. Es wird stetig überwacht und kontrolliert. Bei diesen Kontrollen wird allerdings eine Vielzahl an Stoffen nicht berücksichtigt.

Auch kommt es immer wieder vor, dass Wasserwerke die Einwohner einer Stadt dazu anhalten, ihr Wasser abzukochen, um so mögliche Verunreinigungen durch Keime zu unterbinden. Auslöser für ein solches Abkochgebot sind häufig Rohrbrüche, Bauarbeiten am Leitungsnetz, ein plötzlicher Druckabfall im System oder festgestellte Grenzwertüberschreitungen bei den mikrobiologischen Kontrollen - in all diesen Fällen können Keime von außen in das Leitungsnetz eindringen. Ihr Wasser abzukochen ist in solchen Bedarfsfällen daher eine grundsätzlich sinnvolle Alternative der Wasseraufbereitung.

Allerdings werden durch den Vorgang des Abkochens keine giftigen Schwermetalle oder andere Schadstoffe wie Chemikalien aus dem Wasser genommen. Hierfür werden spezielle Filterverfahren benötigt, allen voran Aktivkohle-Wasserfilter, die Vitalhelden im Sortiment führt. Bei sehr hohen Reinheitsanforderungen kommt auch die Umkehrosmose infrage - einen ausführlichen Vergleich (inkl. Abwasser- und Kostenzahlen) finden Sie auf unserer Vergleichsseite. Bei der Umkehrosmose wird das Wasser durch eine Membran gepresst, welche ausschließlich für Wassermoleküle durchlässig ist.

Der Aktivkohle-Blockfilter bindet die Stoffe an sich, welche sich im Wasser befinden. So können auch mögliche Verunreinigungen beseitigt werden, die erst auf dem Weg der Wasseraufbereitungsanlage zu Ihrem Hahn in das Wasser gelangen, beispielsweise durch tote Leitungen im Rohrnetz.

4 Häufig gestellte Fragen zum Trinkwasser abkochen

Wie lange muss Trinkwasser sprudelnd kochen?

Auf Meeresspiegelniveau reichen mindestens 3 Minuten sprudelndes Kochen. Pro 150 Höhenmeter kommt als Faustregel etwa 1 Minute hinzu.

Ist abgekochtes Wasser auch schadstofffrei?

Nein. Abkochen tötet Bakterien, Pilze und Viren ab, entfernt aber keine Schadstoffe wie Nitrat, Arzneimittelrückstände oder Schwermetalle.

Wie lange ist abgekochtes Wasser haltbar?

Etwa einen Tag (24 Stunden). Danach sollte es erneut abgekocht werden, da es sich bei Raumtemperatur langsam wieder verkeimen kann.

Wann ordnen Wasserwerke ein Abkochgebot an?

Häufige Auslöser sind Rohrbrüche, Bauarbeiten am Leitungsnetz, ein plötzlicher Druckabfall im System oder festgestellte Grenzwertüberschreitungen bei den mikrobiologischen Kontrollen.

5 Fazit

Das Abkochen des Wassers eignet sich dafür, unerwünschte Bakterien aus dem Trinkwasser zu entfernen. Wollen Sie jedoch auf Nummer sichergehen, dann sollten Sie Ihr Leitungswasser zusätzlich mit einem Wasserfilter aufbereiten. Nur so werden weitere Schadstoffe wie Schwermetalle etc. wirklich aus dem Wasser entfernt, so dass Sie wirklich ohne Bedenken ihr Wasser zu sich nehmen können. Welcher Filter zu Ihrem Haushalt passt, zeigt der Wasserfilter-Konfigurator.

Gegen Keime

Mindestens 3 Minuten sprudelndes Kochen tötet Bakterien, Pilze und Viren zuverlässig ab.

Nicht gegen Schadstoffe

Schwermetalle, Nitrat oder Arzneimittelrückstände bleiben im Wasser.

Dauerhafte Lösung

Ein Aktivkohle-Blockfilter bindet Schwermetalle und Arzneimittelrückstände; gelöstes Nitrat bleibt.

Auf Nummer sicher gehen?Ein Wasserfilter entfernt auch die Schadstoffe, die Abkochen nicht beseitigt.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) - Empfehlungen zur hygienischen Zubereitung pulverförmiger Säuglingsnahrung
  2. Stadtwerke Wadern - Informationen bei Grenzwertüberschreitungen
  3. Stadt Memmingen - Merkblatt zur Abkochanordnung
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Marco Fabian Profilbild

Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor