In Deutschland gibt es vor allem in Süddeutschland und in Teilen Ostdeutschlands Schwierigkeiten mit der Verunreinigung des Grundwassers durch Uran. Der gesetzliche Grenzwert liegt laut Trinkwasserverordnung seit 2011 bei 10 Mikrogramm pro Liter, für die Zubereitung von Säuglingsnahrung wird sogar ein deutlich strengerer Richtwert von 2 Mikrogramm pro Liter empfohlen. Besonders schädlich ist ein hoher Urangehalt für die Gesundheit von Säuglingen, die im Vergleich zu Erwachsenen eine deutlich geringere Uranmenge vertragen.
Im folgenden Text werden die Eigenschaften des Schwermetalls, die Ursachen der Uranbelastung, die gesundheitlichen Folgen für Sie als Konsument und mögliche Gegenmaßnahmen genauer betrachtet.
1 Was ist Uran und wozu wird es verwendet?
Das Schwermetall Uran ist ein radioaktives Element und kommt als natürlicher Bestandteil in der Erdkruste vor. Es ist folglich in Gesteinen, Böden, im Wasser und auch in der Luft zu unterschiedlichen Anteilen enthalten. Das Schwermetall wird wirtschaftlich für die Energiegewinnung in Atomkraftwerken genutzt und dient in der Waffentechnik als Teil der Munition. In der Landwirtschaft wird Uran als Teil von Phosphatdünger für das Pflanzenwachstum eingesetzt.
2 Transportwege ins Grundwasser
Der natürlich vorhandene Urangehalt im Boden variiert je nach Gesteinsart. Neben dem natürlichen Vorkommen wird der Boden außerdem durch die Düngung von Ackerland, Grünflächen und Gartenanlagen mit Uran angereichert.
Uranhaltiger Niederschlag sickert dabei in den Boden ein und befördert den leicht löslichen Dünger mit erheblichem Urananteil in tiefere Gesteinsschichten bis ins Grundwasser. Auch durch die Luft kann es transportiert werden. Insbesondere in der gesteinsverarbeitenden Industrie und beim Verbrennen von fossilen Brennstoffen sowie Pflanzen werden Uranteilchen freigesetzt und gelangen in die Luft.
Im Anschluss lagert sich das Metall auf den Böden ab und gelangt durch Niederschlag ins Grundwasser. Das Wasserwerk bereitet dieses Grundwasser auf und reinigt es. Anschließend wird es als Trinkwasser in das Verbrauchernetz eingespeist.
3 Urangrenzwert im Trinkwasser und regionale Belastungsunterschiede
In der 2011 geänderten Trinkwasserverordnung wird zum ersten Mal ein Grenzwert für Uran von zehn Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser festgelegt. Das Umweltbundesamt begründet diesen Wert damit, dass er alle Bevölkerungsgruppen – Säuglinge eingeschlossen – lebenslang vor der chemisch-toxischen Wirkung von Uran auf die Niere schützen soll, das empfindlichste Zielorgan bei einer Uranbelastung.
Für Säuglinge wird bei der Zubereitung von Babynahrung ein Grenzwert von zwei Mikrogramm pro Liter empfohlen.
Hersteller von Mineralwasser, die ihr Produkt als für Säuglinge geeignet bewerben wollen, müssen diesen Grenzwert einhalten. Grundlage ist eine Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) aus dem Jahr 2006, die in die Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser (Mineral- und Tafelwasserverordnung) übernommen wurde. Die zwei-Mikrogramm-Schwelle ist jedoch keine allgemein gültige, gesetzliche Bestimmung für Mineralwasser insgesamt – sie greift nur, wenn ausdrücklich mit der Eignung für Säuglingsnahrung geworben wird.
Bei einer deutschlandweiten Untersuchung des Trinkwassers im Jahr 2008 lag fast jeder achte Wert über dem Urangrenzwert von zwei Mikrogramm pro Liter und kennzeichnete das Wasser somit als ungeeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung. Etwa 150 der 8200 ausgewerteten Messergebnisse überschritten sogar den gesetzlich vorgeschriebenen Urangrenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter. Eine bundesweite Vollerhebung neueren Datums als diese 2008er-Untersuchung liegt bislang nicht vor.
Bei den Messungen wurden außerdem große regionale Unterschiede hinsichtlich der Uranbelastung des Leitungswassers in Deutschland festgestellt. Tendenziell ist das Trinkwasser in Süddeutschland am stärksten belastet, jedoch auch in Teilen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern treten häufiger Grenzwertüberschreitungen auf. Da sich die Uranbelastung von Ort zu Ort stark unterscheiden kann, empfiehlt es sich, aktuelle Werte für Ihre Region direkt bei Ihrem örtlichen Wasserversorger oder dem zuständigen Landesamt zu erfragen.

Gefährlich für Säuglinge:
Bei der deutschlandweiten Untersuchung des Trinkwassers im Jahr 2008 (Stand: 2008, keine neuere bundesweite Erhebung verfügbar) lag fast jeder achte Wert über dem Urangrenzwert von zwei Mikrogramm pro Liter und kennzeichnete das Wasser somit als ungeeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung.
4 Gesundheitliche Auswirkungen des Schwermetalls
In geringen Maßen ist Uran für den menschlichen Körper ungefährlich. Die erhöhte, dauerhafte Aufnahme von Uran kann jedoch zu chemischen Reaktionen im Körper führen und schädlich sein. Die verträgliche Menge hängt dabei insbesondere vom Alter ab. Als duldbare tägliche Aufnahmemenge nennt das BfR, abgeleitet von der WHO, 0,6 Mikrogramm Uran pro Kilogramm Körpergewicht – also die Menge, die ein Mensch lebenslang täglich aufnehmen kann, ohne mit einem gesundheitlichen Risiko rechnen zu müssen.
Für Säuglinge sind die Auswirkungen einer Uranbelastung sehr ernst zu nehmen, da Säuglinge viel empfindlicher als Erwachsene auf das Schwermetall reagieren. Aber auch für Erwachsene hat ein zu hoher Urangehalt Auswirkungen, da es die Nieren schädigt. Zudem steigt durch eine erhöhte Uranbelastung das Risiko, an Krebs zu erkranken.
Maßgeblich für diese Risiken ist bei natürlich im Grundwasser vorkommendem Uran in erster Linie seine chemisch-toxische Wirkung auf die Niere, nicht die Radioaktivität. Diese fällt bei den in deutschem Trinkwasser üblichen Konzentrationen kaum ins Gewicht.
Besonders gefährlich ist hierbei angereichertes Uran, das noch radioaktiver ist als in der ursprünglichen Form. Inwiefern die angereicherte Variante Folgen für die menschliche Fortpflanzung hat, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.
5 Auswirkungen auf die Umwelt
Ein zu hoher Urangehalt im Boden, beispielsweise durch den intensiven Einsatz von Phosphordünger, kann dazu führen, dass Pflanzen das Uran über die Wurzeln aufnehmen. Besonders Wurzelgemüse ist davon betroffen.
Dies hat auch für den Menschen Auswirkungen, da beispielsweise ungeschältes Wurzelgemüse, ungewaschene Kartoffeln oder ungeschälter Rettich einen hohen Anteil von Uran aufweisen können, in den Nahrungskreislauf gelangen und von Ihnen als Verbraucher aufgenommen werden.
Tipp:
Durch Schälen und Waschen der Gemüsesorten können Sie das Risiko minimieren.
6 Häufige Fragen zu Uran im Trinkwasser
Wie hoch ist der Uran-Grenzwert im Trinkwasser?
Seit 2011 gilt ein gesetzlicher Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter. Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung wird ein deutlich strengerer Richtwert von 2 Mikrogramm pro Liter empfohlen.
Welche Regionen in Deutschland sind besonders von Uran im Trinkwasser betroffen?
Tendenziell ist das Trinkwasser in Süddeutschland am stärksten belastet, aber auch in Teilen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern treten häufiger Grenzwertüberschreitungen auf.
Ist Uran im Trinkwasser gesundheitsschädlich?
In geringen Mengen ist Uran ungefährlich. Eine erhöhte, dauerhafte Aufnahme kann jedoch die Nieren schädigen und das Krebsrisiko erhöhen – Säuglinge reagieren dabei deutlich empfindlicher als Erwachsene.
Kann ein Aktivkohlefilter Uran aus dem Wasser entfernen?
Gelöstes Uran gilt fachlich nicht als zuverlässig durch Standard-Aktivkohle-Blockfilter entfernbar. Dafür sind in der Regel spezialisierte Ionenaustauscher-Verfahren oder eine Umkehrosmoseanlage notwendig.
7 Fazit
Die örtlichen Behörden überwachen landesweit die Qualität des Trink- und Grundwassers. Tritt eine ungesunde Überschreitung der Grenzwerte auf, so sind die Behörden verpflichtet zu reagieren und die Bevölkerung zu informieren.
Das Umweltbundesamt empfiehlt als Maßnahme die Entfernung des Elements aus allen Phosphordüngern. Dies sei technisch schon möglich, wird aber bisher aufgrund der hohen Kosten kaum umgesetzt.
Informationen über die lokale Wasserqualität sind im Internet verfügbar. Sie können sich über die Grundwasserqualität außerdem bei den in den jeweiligen Bundesländern zuständigen Ämtern informieren. Generell ist eine geringe Menge Uran im Trinkwasser, unterhalb des Grenzwerts von zehn Mikrogramm pro Liter, ungefährlich. Für Säuglinge sollten Sie den empfohlenen Grenzwert von zwei Mikrogramm pro Liter beachten.
Haben Sie als Verbraucher Bedenken bezüglich der Wasserqualität, so stehen Ihnen unterschiedliche Filtertechniken für den Privathaushalt zur Verfügung. Ein Hinweis zur Einordnung: Gelöstes Uran gilt fachlich nicht als zuverlässig durch Standard-Aktivkohle-Blockfilter entfernbar. Hierfür sind in der Regel spezialisierte Ionenaustauscher-Verfahren oder eine Umkehrosmoseanlage notwendig, die als effektivste Technologie zur Entfernung gelösten Urans gilt.
10 Mikrogramm pro Liter, für Säuglingsnahrung gelten 2 Mikrogramm pro Liter.
Süddeutschland sowie Teile Sachsen-Anhalts und Mecklenburg-Vorpommerns sind stärker betroffen.
Ionenaustauscher oder Umkehrosmose entfernen gelöstes Uran zuverlässig – Aktivkohle allein reicht dafür nicht.
- Wie sich Aktivkohle- und Umkehrosmose-Technik grundsätzlich unterscheiden, erfahren Sie auf unserer Seite Aktivkohle oder Umkehrosmose?.
- Mehr zu den Hintergründen und Filtermöglichkeiten bei Uran im Speziellen lesen Sie in unserem Beitrag Uran filtern.
- Einen Überblick über weitere Schwermetalle im Trinkwasser bietet unsere Übersichtsseite Schwermetalle im Trinkwasser.
- Einen Überblick, welche Stoffe Aktivkohle-Blockfilter zuverlässig zurückhalten, finden Sie auf unserer Seite Was wird gefiltert?
Quellen
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat - Uran im Dünger
- Trinkwasserverordnung - aktuelle Fassung (2023)
- Tietjen, Bettina (2008) - Trinkwasser mit Uran belastet
- Umweltbundesamt (2012) - Uran in Boden und Wasser
- Umweltbundesamt (2013) - Uran im Trinkwasser: Kurzbegründung des gesundheitlichen Grenzwertes
- Bundesinstitut für Risikobewertung - Fragen und Antworten zu Uran in Mineralwasser

