Wasser-Wissen

Wasserfilter an der Hauptleitung: Was macht er und was nicht?

Ein Wasserfilter an der Hauptleitung entfernt grobe Verunreinigungen wie Rost, Sand und Kalkpartikel aus dem gesamten Trinkwasser und schützt so Rohre und Armaturen vor Ablagerungen. Er ersetzt aber keinen Feinfilter: Schwermetalle, Mikroplastik, Keime oder Medikamentenrückstände filtert er nicht heraus. Nach DIN EN 13443-1 liegt die Durchlassweite zwischen 80 und 150 Mikrometern, gewechselt wird spätestens alle sechs Monate.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 7 Min. Lesezeit
Beschriftete Zeichnung der Hauptleitung mit Hauswasserfilter, Manometern, Wasseruhr und Haupthahn

1 Welchen Nutzen haben die Hauswasserfilter?

Der Wasserfilter an der Hauptleitung soll in erster Linie die groben Verunreinigungen aus dem Trinkwasser beseitigen, die sich auf dem Weg vom Wasserwerk zum Verbraucher darin ansammeln. Mithilfe des Filters lassen sich demnach Rostteilchen oder auch Sand entfernen. So soll das Trinkwasser von möglichen Korrosionsschäden gereinigt werden.

Wichtig dabei: Der Filter arbeitet rein mechanisch und hält nur feste Partikel zurück. Gelöste Härtebildner wie Calcium- und Magnesiumionen – also der eigentliche Kalk im Wasser – bleiben davon unberührt. Wer die Wasserhärte senken möchte, benötigt dafür eine separate Enthärtungsanlage bzw. einen Ionentauscher, keinen Hauswasserfilter.

Der Hausfilter wird jedoch auch noch aus einem anderen Grund benötigt. Denn das Trinkwasser wird unter anderem von der Feuerwehr als Löschwasser verwendet. Bei einem Einsatz wird die Feuerwehr über den nächstgelegenen Hydranten die Schläuche mit Wasser versorgen. In diesem Fall fließt allerdings mehr Wasser als üblich. Infolgedessen können sich auch Kalk, Eisen oder andere Ablagerungen leichter lösen.

Diese Ablagerungen wiederum führen dazu, dass sich das Wasser braun verfärbt. Zwar ist dieses braune Leitungswasser nicht gesundheitsgefährdend aber auch nicht sonderlich appetitlich. Um das braune Wasser wieder zu beheben, müssen die Wasserwerke die Leitungen durchspülen. Der Hausfilter sorgt im Anschluss dafür, dass die Verbraucher von dem braunen Wasser verschont bleiben, da die groben Verunreinigungen aus dem Trinkwasser entfernt werden.

rostiges-Leitungswasser
Braunes rostiges Wasser aufgrund alter Wasserleitungen und starkem Standwasser @Jerzy Gorecki / pixabay.com

2 Ist ein Wasserfilter an der Hauptleitung Pflicht?

Die Normenreihe DIN 1988 / DIN EN 806 sieht für Trinkwasser-Installationen einen Filter vor der ersten Entnahmestelle vor. Ob das im konkreten Fall für Ihr Haus verpflichtend ist oder nur empfohlen wird, hängt unter anderem vom Baujahr und vom Rohrmaterial ab. Die Details dazu – inklusive der Frage, ob eine Nachrüstpflicht für Bestandsgebäude besteht – haben wir in unserem separaten Ratgeber Ist ein Hauswasserfilter Pflicht? zusammengefasst.

3 Filter Wasserleitung: Verschiedene Filterarten

In Bezug auf den Hauswasserfilter werden zwei Filterarten unterschieden: der rückspülbare und nicht rückspülbare Filter. Die beiden Arten unterscheiden sich lediglich im Aufwand, der mit der Wartung der jeweiligen Anlage verbunden ist.

Nicht rückspülbare Filter sind Verbrauchsprodukte: Der Filtereinsatz muss laut DIN EN 806-5 (Betrieb und Wartung von Trinkwasser-Installationen) spätestens alle sechs Monate ausgetauscht werden, bei sichtbarer Verschmutzung auch früher. Um zu gewährleisten, dass die Filter einwandfrei funktionieren, sollte der Austausch von einem Fachmann durchgeführt werden. Eine ausführliche Anleitung dazu finden Sie in unserem Ratgeber Hauswasserfilter – Wartung & Reinigung.

Der rückspülbare Filter muss laut DIN 1988-200 (der deutschen Ergänzungsnorm zur europäischen DIN EN 806) mindestens alle zwei Monate gereinigt werden. Dazu ist es vollkommen ausreichend, das Kugelventil an der Anlage zu öffnen. Rückspülbare Filter werden mittlerweile aber auch mit einer komfortableren Funktionsweise vertrieben. In diesem Fall erfolgt eine automatische Rückspülung, ohne dass der Nutzer etwas tun muss.

Die Filterfeinheit ist bei beiden Bauarten genormt: Nach DIN EN 13443-1 muss die Durchlassweite eines Hauswasserfilters zwischen 80 und 150 Mikrometern liegen. Rückspülfilter arbeiten typischerweise mit rund 100 Mikrometern, nicht rückspülbare Filtereinsätze häufig mit 80 Mikrometern. Deutlich feinere Einsätze (etwa 5 Mikrometer) werden zwar angeboten, entsprechen aber nicht dem Normbereich für den Filter am Hauseingang.

80–150 µmzulässige Filterfeinheit nach DIN EN 13443-1
100 µmtypische Feinheit rückspülbarer Filter in der Praxis
Nicht rückspülbarer Hauswasserfilter
Wasserfilter Hauptleitung mit austauschbarem Filtereinsatz (Bildquelle: ID 247307162 Olegkalina depositphotos.com)

4 Ist ein Hauswasserfilter ausreichend für unbedenkliches Trinkwasser?

Grundsätzlich darf nicht vergessen werden, dass ein Wasserfilter an der Hauptleitung lediglich als Vorfilter fungiert und zum Schutze der Leitungen dient. Feinere Partikel wie Schwermetalle, Mikroplastik sowie verschiedene Keime und Bakterien und Medikamentenrückstände im Trinkwasser oder andere chemische Zusätze können dennoch zu Verunreinigungen führen.

Hauptleitung gegen Küchenhahn

Filterpflicht bei metallenen Leitungen und Maschenweiten nach DIN 1988-200; Rückhalteleistung des Trinkwasserfilters nach den vorliegenden Prüfberichten.
alte Leitungen Ursache für schlechten Geruch
Besonders in hauseigenen Leitungen verbergen sich oft Schadstoffquellen, die die Wasserqualität mindern und mitunter zu schlechtem Wassergeruch führen. (Bildquelle: eldadcarin / istockphoto.com)

Wie bereits erwähnt, erfolgt durch den Hauswasserfilter nur eine grobe Filterung von möglichen Korrosionsschäden und Feststoffpartikeln. Um das Trinkwasser auch von allen anderen Verunreinigungen befreien zu können, empfiehlt sich eine zusätzliche Filterung des Trinkwassers.

Wissenswert:

Wasserversorger müssen die Qualität des Trinkwassers gemäß Trinkwasserverordnung (TrinkwV) bis zum Hauszähler garantieren. Allerdings kann das Trinkwasser in den Rohren des hauseigenen Wassernetzes mit verschiedenen Substanzen kontaminiert werden. Hier helfen nur sehr feine Trinkwasser Wasserfilter direkt am Entnahmepunkt.

Dies ist vor allem für Häuser zu empfehlen, in denen alte Wasserleitungen installiert sind. Dabei stellen vor allem Bleileitungen ein großes Risiko für verunreinigtes Wasser dar. Das Blei kann schnell auf das durchfließende Wasser übergehen und dieses kontaminieren. Ein dauerhafter Genuss dieses Leitungswassers kann im schlimmsten Fall zu einer Bleivergiftung führen.

Aber auch ohne Blei lauern verschiedene Gefahren durch Schadstoffe im Trinkwasser, sofern dieses nicht zusätzlich gefiltert wird. Trotz der strengen Vorgaben, an die sich die Wasserversorger halten müssen, um die gesundheitlich unbedenkliche Qualität des deutschen Trinkwassers sicherzustellen, lassen sich immer wieder Keime, Bakterien oder andere Verunreinigungen im Trinkwasser nachweisen.

Dauerhaft können diese Verunreinigung gesundheitliche Symptome hervorrufen und vor allem für Kinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich werden.

Der Hauswasserfilter allein reicht aus, wenn …

  • es Ihnen vor allem um den Schutz von Rohren und Armaturen vor Rost, Sand und Kalkpartikeln geht
  • Ihre Hausinstallation neueren Datums ist und keine alten Bleileitungen enthält
  • Sie keine Bedenken wegen Schwermetallen, Keimen oder Medikamentenrückständen haben

Ein zusätzlicher Feinfilter ist sinnvoll, wenn …

  • Ihr Haus alte Leitungen hat und Bleileitungen nicht ausgeschlossen sind
  • Sie Schwermetalle, Mikroplastik, Keime oder Medikamentenrückstände direkt am Entnahmepunkt reduzieren möchten
  • Sie sich nicht ausschließlich auf die amtliche Trinkwasserüberwachung verlassen wollen

5 Die wichtigsten Fragen zum Wasserfilter an der Hauptleitung

Entfernt ein Hauswasserfilter Kalk aus dem Wasser?

Nein. Er hält lediglich feste Kalkpartikel und andere Feststoffe zurück, gelöste Härtebildner bleiben im Wasser. Für weicheres Wasser ist eine Enthärtungsanlage nötig, kein Hauswasserfilter.

Ersetzt ein Wasserfilter an der Hauptleitung einen Feinfilter am Wasserhahn?

Nein. Er schützt vor allem die Rohrleitungen und Armaturen im Haus vor groben Partikeln. Für Schwermetalle, Mikroplastik, Keime oder Medikamentenrückstände im Trinkwasser braucht es einen zusätzlichen Feinfilter direkt am Entnahmepunkt in der Küche.

Wie oft muss der Filter gewartet werden?

Nicht rückspülbare Filtereinsätze sollten spätestens alle sechs Monate gewechselt werden, rückspülbare Filter müssen mindestens alle zwei Monate durchgespült werden – unabhängig vom sichtbaren Verschmutzungsgrad. Mehr dazu in unserem Ratgeber Hauswasserfilter – Wartung & Reinigung.

Lohnt sich ein Hauswasserfilter überhaupt?

Das hängt vom Zustand der Hausinstallation und dem Baujahr ab. Eine ausführliche Einschätzung dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Ist ein Hauswasserfilter sinnvoll?

6 Fazit

Ein Wasserfilter an der Hauptleitung schützt zuverlässig Rohre und Armaturen vor groben Verunreinigungen wie Rost, Sand und Kalkpartikeln – für sauberes Trinkwasser am Hahn braucht es aber einen zusätzlichen Feinfilter direkt am Entnahmepunkt.

Hauswasserfilter

Schützt Rohre und Armaturen vor groben Partikeln, entfernt aber keine Schwermetalle, Keime oder Medikamentenrückstände.

Zusätzlicher Feinfilter

Direkt am Wasserhahn reduziert er Schwermetalle, Mikroplastik, Keime und Medikamentenrückstände zuverlässig.

Reicht Ihr Hauswasserfilter für sauberes Trinkwasser am Hahn?Ein Feinfilter direkt am Entnahmepunkt schließt die Lücke – oder Sie sprechen mit Marco Fabian über Ihre konkrete Situation.
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Marco Fabian Profilbild

Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor