Wer auf Mikroplastik gerne verzichten möchte, dem ist zu einem Wasserfilter geraten @solarseven / istockphoto.com

Mikroplastik im Trinkwasser – filtern notwendig?

Vitalhelden Redaktion
Aktualisiert: 13. Dezember 2022
Lesedauer: 8 Minuten

Plastik bzw. Kunststoff ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Von der Brotdose und Kinderspielzeug, über Werkzeuge und Elektrogeräte bis hin zu Kleidung − überall wird das praktische Material verarbeitet. Hinzu kommen Unmengen an Verpackungsmaterialien und Plastiktüten, die nach einmaligem Gebrauch weggeworfen werden.

Das Problem dabei: Plastik ist ein künstlich hergestelltes Material und nicht biologisch abbaubar. Somit reichert sich in der Umwelt, in Meeren und anderen Ökosystemen an. Vor allem geschieht dies in Form von Mikroplastik. Die Folgen sind fatal, nicht nur für Umwelt und Tiere, sondern auch für uns Menschen. Denn Mikroplastik gelangt insbesondere auch in das täglich genutzte Trinkwasser.

Definition: Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden all jene Teilchen aus Kunststoff bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind, was 5.000 µm (Mikrometer) entspricht. Meistens sind sie jedoch noch wesentlich kleiner und können mit dem bloßen Auge gerade noch so erkannt werden. [1] Darüber hinaus gibt es Partikel im Nanometerbereich, die ohne Mikroskop gar nicht mehr sichtbar sind. Für Teilchen bis maximal 1.000 nm (Nanometer) wird daher manchmal auch der Begriff Nanoplastik gebraucht.

Mikroplastik ist somit ein Überbegriff für Kunststoffpartikel verschiedener Art und verschiedener organischer Verbindungen. In der Chemie werden sie Polymere (langkettige Kohlenwasserstoffverbindungen) genannt. Bekannte Beispiele sind das bei Plastikflaschen übliche Polyethylenterephthalat (PET) und für Kleidung gebrauchte Polyester.

Woher kommt Mikroplastik?

Mikroplastik wird an sich schon gezielt hergestellt. Vor allem sind dabei sogenannte Basispellets zu nennen. Diese fungieren als Ausgangsmaterial für die weitere Produktion von Kunststoff. Zudem wird solches Mikroplastik beispielsweise für Kosmetika als Füllmaterial oder als Schleifmittel für mechanische Reinigung eingesetzt. [2] Die Liste der Anwendungs- und Gebrauchsmöglichkeiten ist schier endlos und in diesem enormen Umfang wird Mikroplastik auch genutzt.

Mikroplastik durch Zersetzung
Plastik ist in der heutigen Gesellschaft allgegenwärtig. Die zunehmende Produktion wird zum Problem, da so Müll entsteht, der biologisch kaum bis gar nicht abbaubar ist.

Unterschied: Primäres und sekundäres Mikroplastik

Außerdem gibt es einerseits sowohl primäres Mikroplastik als auch andererseits sekundäres Mikroplastik. Die primäre Variante sind jene Teilchen, die gezielt hergestellt wurden, wie oben beschrieben. Sekundäres Mikroplastik wiederum entsteht erst durch Zerfall und Abrieb größerer Plastikteile, etwa aus Verpackungen und Tüten. [2]

Wichtig zu Wissen:

Obwohl Plastik biologisch nicht abbaubar ist, so wird es in der Praxis jedoch durch chemische und physikalische Prozesse in winzige Fragmente zersetzt beziehungsweise zerlegt. Dies geschieht zum Beispiel durch UV-Strahlung, Strömung von Luft und Wasser sowie feinste Reibung.

Plastik in der Umwelt und im Wassernetz

Plastik und insbesondere Mikroplastik ist längst zu einem globalen Umweltproblem geworden. Dies allein ist heutzutage Gegenstand vieler Debatten und Protestaktionen. Das achtlose Wegwerfen von Müll durch die Gesellschaft und unzureichende Entsorgungs- oder Recyclingsysteme befördern Plastik zunehmend in alle Ökosysteme der Umwelt.

Nicht zuletzt spielt der Eintrag über das Abwasser insbesondere bei Mikroplastik aus Kosmetikprodukten und synthetischen Textilien eine große Rolle. Die Wasserwerke und Kläranlagen können die winzigen Partikel nicht vollständig zurückhalten und so gelangen sie unter anderem über Klärschlämme auf Ackerflächen und in Flüsse − und auch auf diesem Wege letztendlich ins Grundwasser und Meer.

Mikroplastik im Meer
Mikroplastik im Ozean ist ein mittlerweile bekanntes Problem.

In Flüssen, Seen und Meeren werden Sie von Lebewesen wie Fischen, Muscheln und sogar Plankton aufgenommen. Auf diese Weise gelangen die künstlichen Partikel letztlich in die Nahrungskette. Aufgrund der Beständigkeit werden Mikroplastik-Teilchen somit von Lebewesen zu Lebewesen getragen, ohne dass ein vollständiger Abbau stattfindet.

Problem:

Mikroplastikpartikel sind schlicht zu klein um von den Wasserwerken gefiltert zu werden!

Mikroplastik im Wasser zuhause?

Für den Menschen findet sich Mikro- und Nanoplastik letztlich also in teils pflanzlicher aber vor allem tierischer Nahrung. Abgesehen davon sind die Kunststoff-Teilchen jedoch besonders ein Schadstoff im Trinkwasser. Zwar gilt dieses in Deutschland als das am stärksten kontrollierte Lebensmittel. Die Praxis zeigt jedoch, dass das Ausmaß des Eintrags in die Umwelt die Filtermöglichkeiten und -kapazitäten der Wasserversorger weit übersteigt.

Zumal Mikroplastik längst nicht die einzige mögliche Verunreinigung ist, um die sich Wasserwerke kümmern müssen. Die Qualität des Trinkwassers beruht auf Toleranzen und Grenzwerten für Schadstoff-Konzentrationen, die in der Trinkwasserverordnung festgelegt wurden. Insofern heißt dies nicht, dass absolut keine Schadstoffe enthalten sind. Vielmehr ist es so, dass mit der Entwicklung von Gesellschaft, Industrie, Pharmazie etc. immer neue Verunreinigungen bedacht werden müssen.

Gibt es Grenzwerte für Plastikteilchen im Trinkwasser?

Bis zuletzt gab es im allgemeinen keinen Grenzwert für Mikroplastik in Leitungswasser. Darauf wies 2019 zum Beispiel auch Hanns Moshammer (Leiter Umwelthygiene und Umweltmedizin, medizinische Universität Wien) im Gespräch mit Deutschlandfunk hin. Er bemerkte dahingehend auch die Schwierigkeit der genauen Definition und Standardisierung von Mikroplastik hinsichtlich Größe und Zusammensetzung. [3]

Immerhin aber wurde 2020 eine Reform der EU-Trinkwasserrichtlinie beschlossen. In dieser wurden zum ersten Mal Grenzwerte für den künstlichen Weichmacher Bisphenol-A sowie eben auch Mikroplastik festgelegt. Für die Umsetzung sind die Mitgliedsstaaten der EU selbst verantwortlich, wofür ein Zeitraum von zwei Jahren angesetzt wurde. [4]

Mikroplastik Grenzwerte
Für Mikroplastik fehlen Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung

Wie viel Mikroplastik ist im Trinkwasser?

Wie erwähnt, ist es schwierig, die Verunreinigung des Wassers mit Mikroplastik in genaue Zahlen zu fassen. Denn die Definition und Standardisierung von Mikroplastik-Teilchen werden mitunter unterschiedlich beurteilt. Allein anhand der Tatsache, dass nicht gerade wenig Mikroplastik quasi überall in der Umwelt auffindbar ist, kann allerdings ohnehin von einer bedeutsamen Belastung des Trinkwassers ausgegangen werden.

Diese Belastung ist momentan auch eher zu- als abnehmend. Denn die Einträge in die Natur werden bisher leider nicht geringer, sondern immer stärker. Wie weit dies reicht, zeigt beispielsweise auch der Fund von Mikroplastik in der Arktis. Dort haben Proben bis zu 14.000 Partikel in einem Liter geschmolzenem Schnee offenbart, wobei es sich um verschiedenste Sorten von Plastik handelte. [5]

Mikroplastik durch Waschmaschinen
Mikroplastik kommt auf viele Wege ins Wassernetz – zum Beispiel in Form von Polyester durch Abrieb von Kleidung in der Waschmaschine. (Bildquelle: ID 459891068 Luoxi / depositphotos.com)

Übrigens:

Umso schwieriger wird es, die Umweltbelastung von Plastik zu erkennen, einzuschätzen und zu beseitigen, je kleiner die Partikel letztlich sind. Das gilt insbesondere für Nanopartikel. Es besteht Forschungsbedarf danach, wie klein Kunststoffteilchen tatsächlich werden können.

Können Wasserfilter Mikroplastik entnehmen?

Grundsätzlich kann man Mikroplastik aus Leitungswasser herausfiltern. Entscheidend ist dabei die Partikelgröße, welche in der Masse an Teilchen entsprechend variiert. Für die gängige Praxis kann beispielsweise von zwei bis zehn Mikrometern ausgegangen werden. Zur Filterung gibt es hauptsächlich die Möglichkeiten der Aktivkohlefilter, spezielle Membranfilter und Umkehrosmosfilter.

Aktivkohleblockfilter funktionieren jeweils mit einer bestimmten Porenfeinheit. Für den privaten Gebrauch kann also entsprechend ausgewählt werden. Praktisch sind Aktivkohleblockfilter mit 0,15 bis 0,45 Mikrometer großen Poren, welche Plastikpartikel wie oben beschrieben zu großen Teilen zurückhalten.

An Grenzen stoßen solche Wasserfilter in Bezug auf die industriell hergestellten Plastikpartikel im Nanobereich (z.B. für Shampoos, Zahnpasta oder Sonnencremes). Jene Nanopartikel sind oftmals so klein (weniger als 0,15 Mikrometer), dass sie unterhalb der Rückhaltegrenze liegen und daher nicht gefiltert werden können. Auf der anderen Seite ist Nanoplastik aber noch zu groß, als dass es durch Adsorption an der Oberfläche des Aktivkohleblockfilters haftet. Dies geschieht bei Größen auf molekularer Ebene - u.a. Pestizide und Arzneistoffe.

Derartige Kleinstpartikel können nur noch Umkehrosmosefilter oder extrem feine Membranfilter entnehmen. Allerdings gehen deren Filterprozesse mit dem Nachteil einher, dass sie dem Leitungswasser auch wertvolle Mineralien entziehen, was die Qualität (Geschmack) entsprechend verschlechtert.

Empfehlung:

Da in der Praxis noch eher Mikroplastik als Nanoplastik ein Problem im Trinkwasser darstellt, ist die Filterung mit Aktivkohle in den meisten Fällen ausreichend. Wichtig ist, dass Filter mit losem Aktivkohle-Granulat weniger effizient sind als Aktivkohleblockfilter.

Auf Mikroplastik im Leitungswasser testen – geht das?

Verbraucher können ihr Trinkwasser heutzutage auf viele verschiedene Schadstoffe testen lassen, wenn etwa gewisse Verdachtsmomente bestehen. Solche Tests finden allerdings gezielt statt und es wird jeweils stets auf bestimmte Inhaltsstoffe geprüft. Hinsichtlich der Belastung durch Mikroplastik müsste also eine Institution gefunden werden, die einen derartigen Test (kostenpflichtig) anbietet. Eine günstige und einfache Testmöglichkeit, quasi im Hausgebrauch, gibt es allerdings nicht.

Ein Argument für Mineralwasser und weniger Plastik?

Im Sinne möglichst sauberen und hochwertigem Trinkwassers setzen viele Menschen lieber auf Mineralwasser aus dem Handel. Die mögliche Belastung durch Mikroplastik spielt dabei ebenso eine Rolle wie Schwermetalle, Bakterien, Arzneimittelrückstände und andere Schadstoffe. Ein tatsächliches Argument für immer wieder neu gekaufte Wasserflaschen ergibt sich allerdings nicht wirklich.

Denn auch bei diesen sind Kontaminationen nicht ausgeschlossen. Vor allem nicht in Bezug auf Mikroplastik. Das Problem liegt vor allem an Plastikflaschen selbst, die unter bestimmten Gegebenheiten Mikropartikel an den Inhalt abgeben können − zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie des CVUA-MEL in Münster (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe). [6]

Im Rahmen dieser Studie wurden 38 Mineralwässer, darunter 22 aus verschiedenen PET-Mehrwegflaschen und Einwegflaschen, auf Mikroplastik verschiedener Größen untersucht. Das Ergebnis: Insbesondere die PET-Mehrwegflaschen wiesen signifikante Mengen an kleinem (50-500 µm) und sehr kleinem (1-50 µm) Mikroplastik auf. Dabei handelte es sich überwiegend um das Flaschenmaterial Polyethylenterephthalat (PET) und Polypropylen (PP), woraus die Deckel hergestellt werden.

Ohnehin gibt es noch weitere Aspekte, die den Vorteil von Leitungswasser gegenüber Mineralwasser deutlich machen. Der entstehende Plastikmüll ist dabei nur der offensichtlichste.

Welche Auswirkungen hat Mikroplastik für Mensch und Tier?

Allein für die Tierwelt hat der Plastik-Eintrag in die Umwelt bereits verheerende Folgen: größere Plastikteile verstopfen die Verdauungsapparate von Meeressäugern, Seevögeln und Fischen. Die Meerestiere verhungern oder verenden teilweise an inneren Verletzungen.

Darüber hinaus wurde in vielen Meerestieren Mikroplastik bereits nachgewiesen, da die Tiere die Teilchen mit Futter verwechseln. Mit dem Plastik gelangen auch andere Schadstoffe in die Organismen, welche Schädigungen in Erbgut und Hormonhaushalt hervorrufen können. [7] Das hat einen Grund, der als solches auch den Menschen direkt betrifft.

Umweltproblem Mikroplastik
Die Belastung von Ökosystem durch Plastik und Mikroplastik ist bereits verheerend. Nicht zuletzt kommt dies über Nahrungsketten letztlich auch beim Menschen an. (Bildquelle: ID 432143312 MikeEdwards / depositphotos.com)

Auswirkungen von Mikroplastik auf den menschlichen Körper

Aufgrund der Beschaffenheit von Mikroplastik besteht stets die Möglichkeit, dass sich Schadstoffe an dessen Oberfläche anlagern oder aber bereits eingelagert sind. Somit kann es sehr wohl einen chemisch-toxischen Effekt auf den menschlichen Organismus haben, je nachdem wo, wie und in welcher Menge es aufgenommen wird.

Bei dieser Thematik besteht allerdings noch viel Forschungsbedarf, um die genauen Auswirkungen auch auf lange Zeit zu erkennen. Des Weiteren besteht die Frage, inwieweit Nanopartikel schließlich in andere Körperregionen wie etwa die Lunge vordringen können und dort für Schäden sorgen. [3]

Hinzu kommt letztlich noch der Punkt, dass aufgrund der Absorptionswirkung von Mikroplastik die Bildung von Biofilmen in Leitungen des Trinkwassernetzes begünstigt sind. Dies führt dann verstärkt zu einer Belastung durch Bakterien und Keime, sodass abermals die Nutzung eines Aktivkohleblockfilters oder ähnlichem für Verbraucher sinnvoll erscheint.

Fazit – Verharmlosung unangebracht

Es ist der notwendige und weitreichende Forschungsbedarf, der im Zusammenhang mit Mikroplastik und Trinkwasser noch viele Fragen offen lässt. Klar ist, dass eine Belastung in jedem Fall gegeben ist und eine hundertprozentige Reinheit des Leitungs- und Trinkwassers kann momentan durch die Wasserversorger nicht realisiert werden.

Insofern ist es für jeden empfehlenswert, nicht erst auf tatsächliche Forschungsergebnisse und Gegenmaßnahmen von öffentlicher Stelle zu warten. Vielmehr können und sollten sich Privatleute darum bemühen, ihr tägliches Trinkwasser aus dem heimischen Hahn möglichst von den künstlichen Mikropartikeln zu befreien.

Die dafür leicht einsetzbaren Aktivkohle Wasserfilter beispielsweise bringen ohnehin einen Mehrwert mit sich. Denn neben Mikroplastik werden im gleichen Zuge viele weitere mögliche Schadstoffe aus dem Wasser entfernt. Da die Trinkwasserverordnung hierzulande einerseits nicht alle schädlichen Inhalte berücksichtigt und andererseits für die meisten „nur“ gewisse Grenzwerte, also Toleranzen, festlegt, darf also bei gefiltertem von qualitativ verbessertem Trinkwasser die Rede sein.

Quellen & Weiterführende Informationen
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