Beispiel klassischer Tischkannenfilter mit Filterkartusche (Bildquelle: NAKphotos / istockphoto.com)

Tischwasserfilter im Test - was bringen sie wirklich?

Vitalhelden Redaktion
Aktualisiert: 6. April 2022
Lesedauer: 7 Minuten

Das Trink- beziehungsweise Leitungswasser in Deutschland gilt dank der Trinkwasserverordnung als äußerst bekömmlich. Dennoch schwören viele Verbraucher auf einen heimischen Wasserfilter. Die einen versprechen sich davon weicheres Wasser, während andere das Risiko von Schadstoffen minimieren wollen. Tischwasserfilter gelten dafür als gleichermaßen günstige wie auch bequeme und praktische Lösung, die bei genauerer Betrachtung jedoch nur eins ist – bequem.

Wie funktionieren Tischwasserfilter?

Sowohl Aufbau als auch Funktionsweise von Tischwasserfiltern sind denkbar einfach. Es handelt sich dabei um einen Behälter mit zwei Kammern – meist eine Kanne, weshalb Tischwasserfilter auch Kannenfilter genannt werden. Wasser wird dort in die obere Kammer gefüllt und läuft in die untere Kammer. Bei diesem Durchlauf passiert das Wasser eine Filterpatrone und wird so vermeintlich gefiltert.

Die Filterpatrone enthält bei den allermeisten Modellen ein Gemisch aus Aktivkohle-Granulat und Kunstharz. Bei einigen Varianten sind zudem Silber-Ionen zugesetzt – dazu später mehr. Durch die Aktivkohle werden organische Stoffe gebunden und aus dem Wasser entfernt. Das Harz tauscht für gewöhnlich Natrium gegen die Härtebildner Kalzium und Magnesium, wodurch das Wasser letztlich weicher wird.

Sind Tischwasserfilter effizient?

In der Theorie klingt das Filtersystem dieser Kannenfilter durchaus logisch und sinnvoll. Jedoch hat das System einige Haken. Zum einen liegt es auf der Hand, dass immer nur so viel Wasser gefiltert werden kann, wie gerade in die Kanne passt. Zum anderen dauert das Durchlaufen des Wassers auch seine Zeit.

Kapazität ist auch hinsichtlich der Filterpatronen an sich ein wichtiges Stichwort. Diese ist nämlich häufig sehr beschränkt. Demzufolge müssen die Kartuschen regelmäßig gewechselt werden. Allerdings gibt es bei vielen Modellen auch gar keine Information darüber, wann dies geschehen muss. Wie gut ein solcher Tischfilter arbeitet, ist also ab einem gewissen Punkt fraglich.

Wissenswert:

Man würde meinen sobald der das Filtergranulat eines Kannenfilters erschöpft ist, dann filtert er eben nicht mehr. Nein, schlimmer. Es kann dann zu einem plötzlichen Durchbruch von Schadstoffen kommen. Somit erzielt man genau das Gegenteil.

Sind Tischwasserfilter effektiv?

Beschränkte Kapazität und regelmäßiger Wechselbedarf sind eine Sache des Aufwands und für den einen problematisch, für den anderen vielleicht weniger. Die Filterung selbst ist jedoch in jedem Fall ausschlaggebend und hier kommen viele Kannenfilter an ihre Grenzen.

Ein Enthärten des Wasser funktioniert durch das Kunstharz in der Filterpatrone durchaus gut, solange die Kapazität nicht ausgeschöpft ist und die Härte des Leitungswassers nicht zu hoch ist. Einige Anbieter geben an, dass Wasser mit 16 bis 17 Grad Härte auf unter 10 gebracht wird. Tests zeigen jedoch, dass dies kaum erreicht wird und allenfalls mit frischen Filterpatronen.

Lose geschüttete Aktivkohle nur bedingt wirkungsvoll

Für die Entfernung von Schadstoffen ist derweil, wie erwähnt, die Aktivkohle zuständig. Ein genauerer Blick auf die Filterkartuschen zeigt, dass das Aktivkohle-Granulat zumeist lose dort hinein geschüttet wurde. Dies bietet dem Wasser viel Raum, um auf dem schnellsten Weg in die untere Kammer zu fließen. Somit besteht wenig Kontaktzeit und auch wenig Kontaktfläche mit der Aktivkohle.

Im Endeffekt liefern klassische Kannenfilter also nur in der Theorie dauerhaft weiches und gefiltertes, von Schadstoffen befreites Wasser. Insbesondere wenn die Filterpatrone schon einige Zeit in Benutzung ist, kann von Effizienz kaum noch die Rede sein. Hinzu kommt natürlich, dass je härter und belasteter das Leitungswasser ist, desto schneller die Filterkapazität aufgebraucht ist.

loses Aktivkohlegranulat aus Kannenfilter
Loses Aktivkohlegranulat aus der Kartusche eines Tischkannenfilters. Durch den losen Inhalt der Patrone wird Wasser nur in geringem Maß gefiltert.

Wie bewertet Stiftung Warentest Wasserfilter?

All die oben genannten Aspekte hat auch Stiftung Warentest bereits unter die Lupe genommen. Dafür wurden insgesamt neun Kannenfilter unterschiedlicher Hersteller getestet. Dieser Test stammt zwar noch aus dem Jahr 2015, hat jedoch nach wie vor seine Gültigkeit, da auch neuere Modelle meist noch immer wie beschrieben funktionieren.

Von den getesteten Filterkannen konnten gerade einmal drei ein befriedigendes Ergebnis erzielen, während vier als ausreichend und zwei als mangelhaft eingestuft wurden. Insbesondere beim Verringern der Wasserhärte scheiterten die Tischwasserfilter, noch bevor die vermutete oder tatsächlich angegebene Kapazität erreicht wurde. Klare Leistungsangaben waren indes ohnehin kaum ersichtlich.

Stiftung Warentest bestätigt damit die hier aufgeführten Nachteile. An dieser Stelle sei allerdings bereits darauf hingewiesen, dass der Test einzig und allein besagte Kannenfilter betraf. Andere Filtersysteme wurden als Alternative nicht berücksichtigt. Nachzulesen ist der gesamte Test hier.

Stellen Tischwasserfilter ein Risiko dar?

Trotz der ausbleibenden Effektivität und Effizienz ist für viele Verbraucher der geringe Preis von Kannenfiltern noch immer ein Argument. Preise zwischen 10 und 30 Euro verleiten viele zu einem Kauf. Immerhin könnte eine Filterkanne zumindest als sporadischer Wasserentkalker fungieren. Was dabei die wenigsten beachten, ist das Risiko der Verkeimung.

Auch Stiftung Warentest wies genau darauf hin. Da die Tischfilter in der Regel bei Zimmertemperatur und Tageslicht in der Küche stehen und kein geschlossenes System sind (Stichwort Luftaustausch), sind die Bedingungen für Keimbildung ideal. Das gilt umso mehr bei stehendem Wasser und feuchten Oberflächen, was bei den Filterpatronen der Fall ist.

Tisch-Wasserfilter müssten in den Kühlschrank

Um hier entgegen zu wirken, müsste eine Filterkanne dauerhaft beispielsweise im Kühlschrank gelagert werden. In der Praxis gestaltet sich, schon aufgrund der Größe einiger Modelle, schwierig. Stattdessen sind, wie weiter oben erwähnt, manche Filterpatronen mit Silber-Ionen versehen. Das soll die Keimbildung hemmen.

Erneut besteht dabei allerdings die Frage, wann die Kapazität erreicht ist. Außerdem ergibt sich ein weiteres Problem: Denn es liegt auf der Hand, dass genau dadurch schließlich auch Silber in das Trinkwasser gelangt. Ob und inwiefern dies gesundheitsschädlich ist, ist aktuell noch nicht erforscht, riskant und definitiv unerwünscht könnte es aber durchaus sein.

Übrigens...

Um der Verkeimung von Kannenfiltern vorzubeugen geben viele Hersteller Silber als Desinfektionsmittel hinzu. Leider landet das Schwermetall Silber dann ebenfalls im Filtrat und wird entsprechend vom Konsumenten aufegenommen. 

Auftisch Wasserfilter als sinnvolle Alternative

Nun sind jene Kannenfilter trotz aller (vermeintlichen) Bequemlichkeit und der günstigen Preise kaum sinnvoll. Alternative Filtersysteme mit tatsächlicher Effizienz und Effektivität gibt es indes in größerer Auswahl. Ein Beispiel und der ideale Einstieg für Verbraucher sind etwa leitungsgebundene Auftisch Wasserfilter. Die Geräte sind gleichermaßen schnell wie einfach montiert und zudem flexibel einsetzbar – selbst als mobile Lösung im Urlaub.

Auftischfilter aus Edelstahl animiert
Beispiel leitungsgebundener Tischwasserfilter bei Vitalhelden.de

Bei Auftisch Wasserfiltern handelt es sich im Prinzip um einen stehenden Zylinder, der den Filtereinsatz enthält, seinerseits einen Wasserauslauf enthält und mit der bestehenden Wasserarmatur verbunden wird. Dies geschieht über einen Flex-Schlauch inklusive Umlenkventil. Dank letzterem können Verbraucher also wahlweise weiterhin ungefiltertes Leitungswasser wie gewohnt entnehmen.

Die Auftisch Wasserfilter sind an handelsüblichen Wasserhähnen voll kompatibel und auch für innenliegende Gewinde gibt es passende Adapter. Da die Installation schnell erledigt ist, kann ein solches Filtersystem also ganz flexibel genutzt werden und leistet gegebenenfalls sogar auf Reisen seine Dienste.

Der Unterschied zur Kanne: Aktivkohle-Blockfilter

Wie erwähnt stellt die lose Aufschüttung von Aktivkohle-Granulat in den Filterpatronen von Kannen ein wenig effektives System dar. Auftisch Wasserfilter zeichnen sich dagegen durch das sogenannte Carbon-Block-Verfahren aus. Mit anderen Worten: Hier ist es ein ganzer Block aus gesinterter Aktivkohle, der ein Maximum an Kontaktfläche mit dem Wasser gewährleistet.

Hinzu kommt die Möglichkeit, je nach Filtereinsatz in der Porenfeinheit zu variieren. Ein Aktivkohle-Block mit nur 0,45 µm beispielsweise filtert zuverlässiger aber lässt weniger Wasserdurchfluss pro Minute zu. Für größere Poren bis zu 5,0 µm, die viel Wasserdurchfluss ermöglichen, enthalten Auftisch Wasserfilter wiederum eine nachgelagerte Filterstufe, etwa eine Hohlfasermembran. Keime und Bakterien bleiben somit stets gefiltert.

Tischkannenfilter versus Aktivkohle-Blockfilter
Ein gesinterter Aktivkohle-Block bietet eine wesentlich höhere Effizienz beim Filterprozess. (Links das loses Filtergranulat eines Tischkannerfilters - rechts gesinterter Aktivkohle-Blockfilter)

Braucht es einen Wasserentkalker?

Wohlgemerkt fungieren Auftisch Wasserfilter allem voran als Filtersystem für Schadstoffe. Chlor, Bakterien, Schwermetalle, Pestizide und mehr durch chemische und physikalische Prozesse entnommen. Natürliche Mineralien, also etwa Kalzium und Magnesium, bleiben im Trinkwasser enthalten und geben dem Wasser seinen Geschmack. Vollständig demineralisiertes Wasser fällt geschmacklich sogar eher schlecht aus.

Für Nutzer ist wichtig, dass Kalzium und Magnesium zwar durchaus Härtebildner im Wasser sind. Der eigentliche Kalk und hauptsächliche Faktor für Härte im Wasser ist jedoch Calciumcarbonat (CaCO3). Für die Entscheidung, ob ein Wasserentkalker sinnvoll beziehungsweise nötig ist, ist der Wasserfilter somit weniger relevant. Dabei spielt die Gesundheit übrigens keine Rolle, denn Kalk ist dahingehend unbedenklich. [2]

Stichwort Schadstoffe – sind Wasserfilter generell nötig?

Stiftung Warentest zeigt, dass Tischwasserfilter kaum brauchbar sind. Indes sorgt die deutsche Trinkwasserverordnung dafür, dass das Leitungswasser hierzulande von guter Qualität ist. Vor allem Schwermetalle wie Kupfer oder gar Blei sind eher selten bis gar kein Risikofaktor. [3] Kann also nicht gänzlich auf einen heimischen Filter verzichtet werden?

In der Tat garantieren die deutschen Wasserversorger gemäß der Verordnung, dass Grenzwerte eingehalten werden. Jedoch ist es wichtig zu wissen, dass dies nur bis zur Wasseruhr eines Haushalts gilt und beispielsweise auch Hausbrunnen davon ausgenommen sind. Die jeweiligen Installationen im Haushalt wiederum können dann durchaus die Qualität des Wassers beeinträchtigen.

Arzneimittelrückstände und Mikroplastik sind ein Risiko

Abschließend sei noch auf ein großes Problem hingewiesen, welches in jedem Fall ein Argument für heimische Wasserfiltersysteme darstellt. Damit gemeint sind Mikroplastik und Rückstände von Medikamenten. Diese beiden Schadstoffgruppen stellen ein immer größeres Risiko im Wasserkreislauf dar.

Plastik einerseits ist generell ein bedeutendes Umweltproblem, von dessen Beseitigung die Gesellschaft noch weit entfernt ist. Allein schon durch Kleidung mit Kunstfasern (Polyester) gelangen Mikroplastik-Teilchen bei jedem Waschmaschinengang in den Wasserkreislauf und somit potentiell auch in das Trinkwasser.

Ähnlich verhält es sich mit Arzneistoffen jedweder Art. Während etwa noch immer viele Menschen alte Medikamente unachtsam in der Toilette entsorgen, werden andererseits viele Stoffe ganz natürlich beim Toilettengang dort ins Abwasser befördert. Gleiches geschieht beim Waschen und Duschen im Hinblick auf Cremes, Salben und ähnliches. Derweil weist das Umweltbundesamt darauf hin, dass aufgrund des steigenden Altersdurchschnitts solche Schadstoffe noch gehäufter auftreten werden. [4]

Fazit: mit dem richtigen Filter auf der sicheren Seite

Final lässt sich sagen, dass zwar dank der für Wasserversorger geltenden Verordnung deutsches Leitungswasser eine gute Qualität aufweist. Jedoch bestehen hier für fast alle Schadstoffe eben nur Grenzwerte. In gewissem Ausmaß werden schädliche Bestandteile somit geduldet.

Da außerdem durch Wirtschaft, Industrie, Pharmazie und die Gesellschaft an sich, immer neue und immer mehr unterschiedliche Schadstoffe in den Wasserkreislauf gelangen, kann ein heimischer Wasserfilter nur von Vorteil sein. Wichtig ist, dabei nicht blind auf simple Kannenfilter zu vertrauen, sondern direkt auf effektives Filtersystem zu setzen.

Quellen & Weiterführende Informationen
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    Vitalhelden Redaktion
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