Glossar

Sedimentfilter

Aktualisiert am · Marco Fabian

Ein Sedimentfilter hält ungelöste Feststoffe wie Sand, Rost und Schwebstoffe rein mechanisch zurück und entfernt keine gelösten Stoffe.

Bauformen

Drei Bauarten sind verbreitet. Garnwickelfilter bestehen aus Polypropylen-Garn, das um einen Kern gewickelt ist, und wirken als Tiefenfilter: Partikel bleiben über die ganze Wandstärke hängen. Meltblown-Filter aus gesponnenem Kunststoffvlies sind nach außen hin gröber und nach innen feiner abgestuft und nehmen dadurch mehr Schmutz auf, bevor sie zusetzen. Plissierte Filter aus gefaltetem Gewebe haben die größte Oberfläche und lassen sich teilweise auswaschen und wiederverwenden. Am Hausanschluss kommt daneben das Edelstahlsieb des Rückspülfilters zum Einsatz.

Filterfeinheit: nominell und absolut

Das ist die Angabe, bei der am meisten geschummelt wird. Eine nominelle Feinheit von 5 Mikrometern bedeutet, dass der Filter einen Großteil der Partikel dieser Größe zurückhält, üblicherweise mit 85 oder 90 Prozent angegeben. Eine absolute Feinheit steht für mindestens 99,9 Prozent. Beides sind Branchenkonventionen und keine genormten Begriffe, jeder Hersteller darf sie selbst definieren. Im Datenblatt steht oft nur die Zahl ohne das Wort dazu. Tiefenfilter wie Garnwickel arbeiten grundsätzlich nominell, plissierte Filter können absolut spezifiziert sein.

Wo welche Feinheit sitzt

Einsatzort Übliche Feinheit Zweck
Hausanschluss (Schutzfilter) 80 bis 150 µm Norm nach DIN EN 13443-1, schützt die Installation
Vorstufe einer Umkehrosmose 5 µm schützt die Membran vor Partikeln
Brunnenwasser, Vorstufe 20 bis 50 µm Sand und Schwebstoffe
Aktivkohle-Blockfilter 0,15 bis 0,45 µm filtert selbst mechanisch, braucht meist keine Vorstufe

Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist 50 bis 70 Mikrometer dick, das bloße Auge erkennt einzelne Partikel bis etwa 40 bis 50 Mikrometer. Ein Schutzfilter am Hausanschluss arbeitet also oberhalb der Sichtbarkeitsgrenze.

Was er nicht kann

Alles Gelöste passiert unverändert: Kalk, Nitrat, Blei, Chlor, Pestizide, Arzneimittelrückstände, Hormone. Auch Bakterien laufen bei den üblichen Feinheiten durch, dafür bräuchte es 0,2 Mikrometer oder feiner. Ein Sedimentfilter verbessert die Trinkwasserqualität nicht, er schützt Technik.

Wartung und der Punkt, an dem er schadet

Ein Sedimentfilter setzt sich zu, das ist seine Aufgabe. Zwei Folgen ergeben sich daraus. Erstens sinkt der Fließdruck, spürbar zuerst an der Dusche im obersten Geschoss. Zweitens, und wichtiger: Im abgeschiedenen organischen Material siedeln sich Keime an. Ein überalterter Sedimentfilter ist damit die häufigste selbstgemachte Keimquelle in einer Hausinstallation.

Nicht rückspülbare Einsätze werden deshalb spätestens alle sechs Monate getauscht, rückspülbare nach DIN EN 806-5 mindestens alle zwei Monate gespült, und sofort, sobald der Druck spürbar nachlässt. Beides gilt unabhängig davon, wie sauber der Einsatz aussieht.

Abgrenzung

Im Handel wird der Sedimentfilter am Hausanschluss regelmäßig als Trinkwasserfilter verkauft. Er ist ein Schutzfilter für die Installation. Wer sauberes Trinkwasser will, braucht einen zweiten Filter am Entnahmepunkt. Und nicht jede mehrstufige Anlage braucht eine Sedimentvorstufe: Ein gesinterter Aktivkohleblock filtert bei 0,45 Mikrometern bereits feiner als jeder Sedimentfilter und kommt an normalem Netzwasser ohne aus.

Quellen

  • DIN EN 13443-1 - Anlagen zur Behandlung von Trinkwasser, mechanisch wirkende Filter, 80 bis 150 µm
  • DIN EN 806-5 - Betrieb und Wartung von Trinkwasser-Installationen

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