Glossar

Stagnation und Stagnationswasser

Aktualisiert am · Marco Fabian

Stagnation ist der Stillstand von Wasser in einer Leitung; das dabei entstehende Stagnationswasser nimmt Stoffe aus dem Rohrmaterial auf und erwärmt sich, was Keimwachstum begünstigt.

Zwei Vorgänge auf einmal

Solange Wasser in einer Leitung steht, laufen zwei voneinander unabhängige Vorgänge. Der erste ist chemisch: Metalle lösen sich aus der Rohrwand und aus Armaturenbauteilen, und zwar weiter und weiter, weil kein frisches Wasser nachkommt, das die Konzentration verdünnt. Betroffen sind vor allem Blei aus alten Leitungen, Kupfer aus Kupferrohren und Nickel aus verchromten oder vernickelten Armaturen.

Der zweite ist thermisch und mikrobiologisch: Das Wasser nimmt die Temperatur seiner Umgebung an. In einem beheizten Haus sind das schnell über 20 Grad. Oberhalb von 25 Grad beginnt der Bereich, in dem sich Legionellen und andere Umweltkeime vermehren, und der Biofilm an der Rohrinnenwand wächst.

Wie lange ist zu lange

Für die Metallaufnahme rechnet die Probenahme mit vier Stunden. Das Umweltbundesamt unterscheidet drei Proben, die bei jeder ernsthaften Untersuchung getrennt gezogen werden: S0 ist das sofort ablaufende Wasser, S1 wird nach kurzem Ablaufen entnommen, S2 nach definierter Stagnationszeit. Nur der Vergleich dieser Proben zeigt, ob ein Befund aus dem Netz oder aus der eigenen Installation stammt. Ein einzelner Wert ohne Angabe der Stagnationszeit ist praktisch nicht interpretierbar, und genau so kommen die meisten Ergebnisse aus Selbsttest-Kits zurück.

Für die Mikrobiologie zählen eher Tage bis Wochen. Kritisch sind Stränge, die über längere Zeit gar nicht benutzt werden: Gästebäder, Waschmaschinenanschlüsse, Außenzapfstellen im Winter, Ferienwohnungen.

Was in der Praxis hilft

  1. Vor der ersten Entnahme ablaufen lassen, bis das Wasser spürbar kühler wird. Das ist der zuverlässigste Indikator, besser als jede Zeitangabe, weil die Leitungslänge überall anders ist. Je nach Haus dauert es einige Sekunden bis etwa eine halbe Minute.
  2. Nach Abwesenheit alle Entnahmestellen spülen, warm und kalt, jeweils mehrere Minuten. Bei der Dusche den Kopf vorher abnehmen oder in den Abfluss richten, damit möglichst wenig Aerosol entsteht.
  3. Selten genutzte Stränge regelmäßig benutzen. Einmal wöchentlich laufen lassen genügt. Wer das nicht zuverlässig hinbekommt, sollte über den Rückbau nachdenken, siehe Totraum.
  4. Kaltwasser kalt halten. Kalt- und Warmwasserleitungen, die parallel und ungedämmt durch denselben Schacht laufen, sind eine häufige und beim Neubau vermeidbare Ursache für dauerhaft zu warmes Kaltwasser.

Was mit einem Filter passiert

Ein Filter ist selbst ein Stagnationsraum. Im Gehäuse stehen je nach Bauart mehrere hundert Milliliter Wasser, an feuchtem Filtermaterial mit großer Oberfläche. Nach längerer Abwesenheit gehören deshalb erst recht ein bis zwei Liter durchgelaufen, bevor das erste Glas gefüllt wird. Aus unserer Beratung wissen wir, dass das der am häufigsten übersehene Punkt ist: Die Leitung wird gespült, der Filter nicht.

Abgrenzung

Stagnation ist ein Zustand, kein Schaden. Jede Leitung stagniert über Nacht, und das ist unproblematisch, solange morgens abgelaufen wird. Zum Problem wird sie erst bei dauerhafter Stagnation ohne Durchfluss, also im Totraum.

Quellen

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