TDS (Total Dissolved Solids)
TDS steht für die Summe aller im Wasser gelösten Feststoffe in Milligramm je Liter und wird in der Praxis fast immer nicht gemessen, sondern aus der elektrischen Leitfähigkeit geschätzt.
Was ein TDS-Messgerät wirklich tut
Die kleinen Stäbchen aus dem Onlinehandel messen keinen TDS. Sie messen die elektrische Leitfähigkeit zwischen zwei Elektroden in Mikrosiemens je Zentimeter und multiplizieren das Ergebnis mit einem festen Faktor, üblicherweise 0,5 oder 0,7. Welcher Faktor eingebaut ist, steht selten dabei, und allein daraus ergibt sich zwischen zwei Geräten am selben Wasser ein Unterschied von 40 Prozent.
Der Faktor gilt nur für eine angenommene Zusammensetzung. Natriumchlorid leitet je Massenanteil deutlich besser als Calciumhydrogencarbonat. Ein hartes Wasser und ein salziges Wasser mit demselben Anzeigewert enthalten also völlig verschiedene Stoffe in verschiedenen Mengen.
Die echte Bestimmung läuft anders: Eine definierte Wassermenge wird bei 180 Grad eingedampft, der Rückstand gewogen. Das macht kein Haushaltsgerät.
Warum der Wert wenig über Wasserqualität sagt
TDS unterscheidet nicht zwischen erwünscht und unerwünscht. Calcium, Magnesium und Hydrogencarbonat gehen genauso in die Zahl ein wie Natrium und Chlorid. Ein mineralreiches Quellwasser hat einen hohen TDS-Wert und ist deshalb kein schlechtes Wasser. Manche beworbene Mineralwässer liegen bei über 1.000 mg/l.
Schwerer wiegt, was gar nicht auftaucht. Organische Schadstoffe leiten kaum oder nicht. Pestizide, Arzneimittelrückstände, Hormone, PFAS, Desinfektionsnebenprodukte und Mikroplastik sind im TDS-Wert unsichtbar. Keime ebenfalls. Genau die Stoffe also, wegen derer die meisten Menschen über einen Filter nachdenken.
Daraus folgt auch: Ein Aktivkohle-Blockfilter verändert den TDS-Wert praktisch nicht, obwohl er genau diese Stoffe entfernt. Wer die Filterleistung mit einem TDS-Stäbchen prüft, misst am Ziel vorbei und kommt zu dem falschen Schluss, der Filter tue nichts.
Die Verkaufsdemonstration
Bekannt ist der Elektrolyse-Test, bei dem in einem Glas Leitungswasser braune Flocken entstehen und im Osmosewasser daneben nichts passiert. Was man sieht, ist korrodierendes Eisen von der Elektrode, das mit den im Wasser gelösten Mineralien ausflockt. Je mineralreicher das Wasser, desto mehr Flocken. Der Versuch zeigt die Leitfähigkeit, nicht die Belastung. Dasselbe Prinzip steckt hinter der Argumentation mit TDS-Stäbchen an der Haustür.
Wofür der Wert taugt
Als Verlaufskontrolle an einer Umkehrosmoseanlage, und dafür ist er sogar gut. Man notiert den Wert des Permeats im Neuzustand und vergleicht später. Üblich ist eine Rückhaltung von 90 bis 98 Prozent gegenüber dem Rohwasser. Steigt der Permeatwert deutlich an, ist die Membran erschöpft oder beschädigt. Für die Bewertung von Leitungswasser ist er ungeeignet.
Abgrenzung
Die Trinkwasserverordnung kennt keinen TDS-Grenzwert. Geregelt ist stattdessen die elektrische Leitfähigkeit als Indikatorparameter mit 2.790 Mikrosiemens je Zentimeter bei 25 Grad. Deutsches Leitungswasser liegt typischerweise bei 300 bis 800 Mikrosiemens. Was die Leitfähigkeit über ein Wasser aussagt, steht ausführlich im Blog unter Bedeutung der Leitfähigkeit.
Quellen
Verwandte Begriffe
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