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Eisen im Trinkwasser - ein Nährstoff oder eher Verunreinigung?

Der Grenzwert für Eisen im Trinkwasser liegt bei 0,2 Milligramm pro Liter und ist rein geschmacklich-ästhetisch, kein Gesundheitsrisiko. Ab 0,5 Milligramm pro Liter sind Geschmack und Trübung spürbar beeinträchtigt, das Wasser färbt sich braun. Laut Gesundheitsamt Hochsauerlandkreis wird Eisen erst ab 200 Milligramm pro Liter gesundheitlich bedenklich, dem Tausendfachen des Grenzwerts.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 6 Min. Lesezeit5 Quellen
Textfeld „Eisen“ vor Wasserhahn mit Wasserstrahl und Reagenzgläsern im Labor

Der gesetzliche Grenzwert für Eisen im Trinkwasser liegt laut Trinkwasserverordnung (Stand: Fassung 2023) bei 0,2 Milligramm pro Liter. Eisen zählt dort zu den sogenannten Indikatorparametern – ein rein geschmacklich-ästhetischer, kein akut gesundheitlicher Grenzwert.

In vielen Regionen Deutschlands ist das Grundwasser mit Eisen belastet. Als Verbraucher ist vor allem bei der Brunnennutzung ein zusätzlicher Eisenfilter üblich, um die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten. Besonders bei Brunnen in Norddeutschland und in Teilen Ost- und Westdeutschlands weist das Grundwasser einen Eisenanteil auf, der deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert liegt. Was das bedeutet, erfahren Sie in diesem Text.

1 Welche Eigenschaften hat Eisen und wie wird es benutzt?

Eisen ist mit einem Anteil von 4,7 % eines der häufigsten Elemente in der Erdkruste, der Erdkern soll sogar hauptsächlich aus dem Metall bestehen. Der weltweit größte Produzent für Roheisen ist China, in Europa ist Deutschland hinter Russland zweitwichtigstes Herstellungsland. Eisen ist das am meisten produzierte und genutzte Metall auf der Welt. Es wird selten als reines Material, sondern in Verbindung mit anderen Metallen und Nichtmetallen verwendet. Vor allem für die Stahlproduktion ist Eisen sehr bedeutend.

Das Anwendungsgebiet von Stahl umfasst fast alle Industriezweige wie beispielsweise den allgemeinen Maschinenbau, das Bauwesen, die Autoindustrie und die Herstellung von Haushaltswaren. Eisen kann auch als Nahrungsergänzungsmittel in der Medizin zum Einsatz kommen, da es in der passenden Dosierung ein lebensnotwendiger Mineralstoff ist.

2 Transportwege des Eisens in Ihr Wasser

In vielen Mineralien, die sich in der Erde befinden, ist Eisen enthalten und dieses gelangt durch Verwitterungsprozesse in das Grundwasser. Generell haben Gewässer jeder Art eine natürliche, geringe Menge an gelöstem Eisen. In den Ablagerungen erhöht sich dieser Eisenanteil. Landwirtschaftliche Düngemittel enthalten Eisen und versorgen den Boden mit Nährstoffen für die Nutzpflanzen. Zudem ist das Übergangsmetall Teil des Futters für Kühe und Schweine.

Auf diese Weise gelangt zusätzlich es in die Erde und kann mit dem Regen bis in tiefere Erdschichten in das Grundwasser gelangen.

Für Rohrinstallationen im Haushalt können auch eisenhaltige Materialien verwendet werden. Führen diese Leitungen Trinkwasser, kann es im Zusammenspiel mit Sauerstoff zur Rostbildung kommen. Das Metall löst sich aus der Leitung, dies kann der Grund dafür sein, dass plötzlich braunes Wasser aus Ihrer Leitung kommt.

3 Eisengrenzwert im Trinkwasser

Der Grenzwert für Eisen im Leitungswasser ist durch die Trinkwasserverordnung mit 0,2 Milligramm pro Liter Leitungswasser gesetzlich vorgeschrieben. Dies hat vor allem ästhetische Gründe. Ab einer Konzentration von 0,5 Milligramm pro Liter wird der Geschmack vermindert und das Trinkwasser getrübt, es färbt sich durch die Luftzufuhr braun.

0,2 mg/lgesetzlicher Grenzwert (Indikatorparameter)
0,5 mg/lab hier Geschmack und Trübung spürbar
200 mg/lerst ab hier laut Gesundheitsamt gesundheitlich relevant

Wie viel Eisen der Körper täglich über die Nahrung benötigt, hängt vor allem von Geschlecht und Lebensphase ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt in ihren 2023 überarbeiteten Referenzwerten:

  • Für erwachsene Männer 11 Milligramm Eisen pro Tag
  • Für Frauen vor den Wechseljahren 16 Milligramm
  • Für Frauen nach den Wechseljahren 14 Milligramm
  • Für Schwangere 27 Milligramm

Über das Trinkwasser wird davon in Deutschland ohnehin nur ein geringer Anteil aufgenommen, da die Eisenkonzentration in der Regel deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert liegt. Für Eisen im Trinkwasser hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewusst keinen gesundheitsbasierten Grenzwert festgelegt: Selbst deutlich höhere Konzentrationen als die in Deutschland üblichen gelten nach WHO-Einschätzung als gesundheitlich unbedenklich. Maßgeblich für den gesetzlichen Grenzwert von 0,2 mg/l sind stattdessen Geschmack und Färbung des Wassers.

4 Auswirkungen auf die Umwelt

Eisen ist als Nährstoff in geeigneter Menge sehr bedeutend für das Wachstum und die Entwicklung von Pflanzen. Eine unzureichende Versorgung verursacht ein schwächeres Wachstum. Daher werden in der Landwirtschaft bei Nutzpflanzen Dünger mit Eisenanteil verwendet, um den Ertrag zu erhöhen. Eisen kann auch das Wachstum und den Nährstofftransport bei Wasserlebewesen negativ beeinflussen.

Bei der Einleitung von eisenhaltigem Grundwasser in ein Gewässer bildet sich ein rotbrauner eisenhaltiger Überzug auf den Tieren, Pflanzen und auf dem Boden. Dieser Überzug hindert die Sauerstoffzufuhr durch die Kiemen, Fische und andere Wassertiere können ersticken. Zudem stellt der Überzug eine Gefahr für die empfindlichen Eier der Wassertiere dar.

5 Auswirkungen auf die Gesundheit

Eisen ist essentiell für die Ernährung des Menschen und spielt beispielsweise eine wichtige Rolle beim Transport von Sauerstoff von der Lunge in andere Körperteile. Auch für die Sauerstoffspeicherung und die normalen Gehirnfunktionen ist es notwendig. Im Trinkwasser ist Eisen nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand gesundheitlich nicht relevant – problematisch ist es hier in erster Linie geschmacklich und optisch (Trübung, Verfärbung, metallischer Geschmack).

Nach Angaben des Gesundheitsamts des Hochsauerlandkreises (Merkblatt Eisen) kann Eisen im Trinkwasser überhaupt erst bei Mengen über 200 Milligramm pro Liter schädlich auf den Organismus wirken – also um das Tausendfache über dem gesetzlichen Grenzwert von 0,2 mg/l.

Eine systemische Eisenüberladung des Körpers (z. B. die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose) mit Ablagerungen in Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz und Herz hat in aller Regel andere Ursachen – meist genetisch bedingt oder ausgelöst durch häufige Bluttransfusionen – und wird nach aktuellem Kenntnisstand nicht durch Eisen im Trinkwasser verursacht. Wenn Sie Fragen zu der Wasserqualität in Ihrem Wohnort haben, können Sie sich an das örtliche Wasserwerk wenden. Der Betreiber stellt oft die aktuellen Analyseergebnisse online.

6 Häufige Fragen zu Eisen im Trinkwasser

Ist Eisen im Trinkwasser gesundheitsschädlich?

Nein. Der Grenzwert von 0,2 mg/l ist ein rein geschmacklich-ästhetischer Wert, kein gesundheitsbasierter. Erst ab rund 200 mg/l kann Eisen laut Gesundheitsamt schädlich wirken.

Ab welcher Konzentration wird Eisen im Wasser sichtbar?

Ab etwa 0,5 mg/l vermindert sich der Geschmack, das Wasser trübt sich und färbt sich durch Luftzufuhr braun.

Warum ist mein Leitungswasser plötzlich braun?

Häufig lösen sich eisenhaltige Rohrmaterialien im Zusammenspiel mit Sauerstoff und geben Rost ins Wasser ab.

Wie kann ich Eisen aus meinem Wasser filtern?

Möglich sind Ionenaustauscher oder Aktivkohle-Blockfilter, die vor allem bei Brunnenwasser eingesetzt werden, um Geschmack und Trübung zu verbessern.

7 Fazit

Eine Überschreitung des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes von Eisen hat praktisch keine gesundheitlichen Folgen, sondern beeinträchtigt vor allem Geschmack und Optik des Wassers (Trübung, Verfärbung) – eine systemische Eisenüberladung mit Organschäden hat nach heutigem Kenntnisstand andere Ursachen als das Trinkwasser. In vielen Gebieten in Nord- und Ostdeutschlands sowie in Westdeutschland weisen Brunnen Überschreitungen des gesetzlichen Grenzwertes auf. Wenn Sie Ihr Trinkwasser direkt aus einem Brunnen beziehen, informieren Sie sich daher am besten bei dem Betreiber über aktuelle Analysen und Werte.

Besonders bei der Nutzung von Brunnenwasser ist der Einsatz von Wasserfiltern üblich, damit der Geschmack und die Trübung nicht vermindert werden. Als Privatverbraucher können Sie auch auf die Anwendung von Ionenaustauschern oder auf Aktivkohle-Blockfilter zurückgreifen. Sollten Sie dauerhaft braunes Leitungswasser bemerken, kann dies auf verrostete Rohre zurückgeführt werden, die ausgetauscht werden müssen.

Öffentliches Wasser

Liegt meist deutlich unter dem Grenzwert und ist gesundheitlich nicht relevant.

Brunnenwasser

In Nord-, Ost- und Teilen Westdeutschlands häufiger über dem Grenzwert.

Wasserfilter

Ionenaustauscher oder Aktivkohle-Blockfilter verbessern Geschmack und Optik.

Geschmack und Trübung durch Eisen stören?Ein Wasserfilter reduziert Eisen zuverlässig, besonders bei Brunnenwasser.

Quellen

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Marco Fabian Profilbild

Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor