Der gesetzliche Grenzwert für Eisen im Trinkwasser liegt laut Trinkwasserverordnung (Stand: Fassung 2023) bei 0,2 Milligramm pro Liter. Eisen zählt dort zu den sogenannten Indikatorparametern – ein rein geschmacklich-ästhetischer, kein akut gesundheitlicher Grenzwert.
In vielen Regionen Deutschlands ist das Grundwasser mit Eisen belastet. Als Verbraucher ist vor allem bei der Brunnennutzung ein zusätzlicher Eisenfilter üblich, um die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten. Besonders bei Brunnen in Norddeutschland und in Teilen Ost- und Westdeutschlands weist das Grundwasser einen Eisenanteil auf, der deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert liegt. Was das bedeutet, erfahren Sie in diesem Text.
1 Welche Eigenschaften hat Eisen und wie wird es benutzt?
Eisen ist mit einem Anteil von 4,7 % eines der häufigsten Elemente in der Erdkruste, der Erdkern soll sogar hauptsächlich aus dem Metall bestehen. Der weltweit größte Produzent für Roheisen ist China, in Europa ist Deutschland hinter Russland zweitwichtigstes Herstellungsland. Eisen ist das am meisten produzierte und genutzte Metall auf der Welt. Es wird selten als reines Material, sondern in Verbindung mit anderen Metallen und Nichtmetallen verwendet. Vor allem für die Stahlproduktion ist Eisen sehr bedeutend.
Das Anwendungsgebiet von Stahl umfasst fast alle Industriezweige wie beispielsweise den allgemeinen Maschinenbau, das Bauwesen, die Autoindustrie und die Herstellung von Haushaltswaren. Eisen kann auch als Nahrungsergänzungsmittel in der Medizin zum Einsatz kommen, da es in der passenden Dosierung ein lebensnotwendiger Mineralstoff ist.
2 Transportwege des Eisens in Ihr Wasser
In vielen Mineralien, die sich in der Erde befinden, ist Eisen enthalten und dieses gelangt durch Verwitterungsprozesse in das Grundwasser. Generell haben Gewässer jeder Art eine natürliche, geringe Menge an gelöstem Eisen. In den Ablagerungen erhöht sich dieser Eisenanteil. Landwirtschaftliche Düngemittel enthalten Eisen und versorgen den Boden mit Nährstoffen für die Nutzpflanzen. Zudem ist das Übergangsmetall Teil des Futters für Kühe und Schweine.
Auf diese Weise gelangt zusätzlich es in die Erde und kann mit dem Regen bis in tiefere Erdschichten in das Grundwasser gelangen.
Für Rohrinstallationen im Haushalt können auch eisenhaltige Materialien verwendet werden. Führen diese Leitungen Trinkwasser, kann es im Zusammenspiel mit Sauerstoff zur Rostbildung kommen. Das Metall löst sich aus der Leitung, dies kann der Grund dafür sein, dass plötzlich braunes Wasser aus Ihrer Leitung kommt.
3 Eisengrenzwert im Trinkwasser
Der Grenzwert für Eisen im Leitungswasser ist durch die Trinkwasserverordnung mit 0,2 Milligramm pro Liter Leitungswasser gesetzlich vorgeschrieben. Dies hat vor allem ästhetische Gründe. Ab einer Konzentration von 0,5 Milligramm pro Liter wird der Geschmack vermindert und das Trinkwasser getrübt, es färbt sich durch die Luftzufuhr braun.
Wie viel Eisen der Körper täglich über die Nahrung benötigt, hängt vor allem von Geschlecht und Lebensphase ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt in ihren 2023 überarbeiteten Referenzwerten:
- Für erwachsene Männer 11 Milligramm Eisen pro Tag
- Für Frauen vor den Wechseljahren 16 Milligramm
- Für Frauen nach den Wechseljahren 14 Milligramm
- Für Schwangere 27 Milligramm
Über das Trinkwasser wird davon in Deutschland ohnehin nur ein geringer Anteil aufgenommen, da die Eisenkonzentration in der Regel deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert liegt. Für Eisen im Trinkwasser hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewusst keinen gesundheitsbasierten Grenzwert festgelegt: Selbst deutlich höhere Konzentrationen als die in Deutschland üblichen gelten nach WHO-Einschätzung als gesundheitlich unbedenklich. Maßgeblich für den gesetzlichen Grenzwert von 0,2 mg/l sind stattdessen Geschmack und Färbung des Wassers.
4 Auswirkungen auf die Umwelt
Eisen ist als Nährstoff in geeigneter Menge sehr bedeutend für das Wachstum und die Entwicklung von Pflanzen. Eine unzureichende Versorgung verursacht ein schwächeres Wachstum. Daher werden in der Landwirtschaft bei Nutzpflanzen Dünger mit Eisenanteil verwendet, um den Ertrag zu erhöhen. Eisen kann auch das Wachstum und den Nährstofftransport bei Wasserlebewesen negativ beeinflussen.
Bei der Einleitung von eisenhaltigem Grundwasser in ein Gewässer bildet sich ein rotbrauner eisenhaltiger Überzug auf den Tieren, Pflanzen und auf dem Boden. Dieser Überzug hindert die Sauerstoffzufuhr durch die Kiemen, Fische und andere Wassertiere können ersticken. Zudem stellt der Überzug eine Gefahr für die empfindlichen Eier der Wassertiere dar.
5 Auswirkungen auf die Gesundheit
Eisen ist essentiell für die Ernährung des Menschen und spielt beispielsweise eine wichtige Rolle beim Transport von Sauerstoff von der Lunge in andere Körperteile. Auch für die Sauerstoffspeicherung und die normalen Gehirnfunktionen ist es notwendig. Im Trinkwasser ist Eisen nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand gesundheitlich nicht relevant – problematisch ist es hier in erster Linie geschmacklich und optisch (Trübung, Verfärbung, metallischer Geschmack).
Nach Angaben des Gesundheitsamts des Hochsauerlandkreises (Merkblatt Eisen) kann Eisen im Trinkwasser überhaupt erst bei Mengen über 200 Milligramm pro Liter schädlich auf den Organismus wirken – also um das Tausendfache über dem gesetzlichen Grenzwert von 0,2 mg/l.
Eine systemische Eisenüberladung des Körpers (z. B. die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose) mit Ablagerungen in Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz und Herz hat in aller Regel andere Ursachen – meist genetisch bedingt oder ausgelöst durch häufige Bluttransfusionen – und wird nach aktuellem Kenntnisstand nicht durch Eisen im Trinkwasser verursacht. Wenn Sie Fragen zu der Wasserqualität in Ihrem Wohnort haben, können Sie sich an das örtliche Wasserwerk wenden. Der Betreiber stellt oft die aktuellen Analyseergebnisse online.
6 Häufige Fragen zu Eisen im Trinkwasser
Ist Eisen im Trinkwasser gesundheitsschädlich?
Nein. Der Grenzwert von 0,2 mg/l ist ein rein geschmacklich-ästhetischer Wert, kein gesundheitsbasierter. Erst ab rund 200 mg/l kann Eisen laut Gesundheitsamt schädlich wirken.
Ab welcher Konzentration wird Eisen im Wasser sichtbar?
Ab etwa 0,5 mg/l vermindert sich der Geschmack, das Wasser trübt sich und färbt sich durch Luftzufuhr braun.
Warum ist mein Leitungswasser plötzlich braun?
Häufig lösen sich eisenhaltige Rohrmaterialien im Zusammenspiel mit Sauerstoff und geben Rost ins Wasser ab.
Wie kann ich Eisen aus meinem Wasser filtern?
Möglich sind Ionenaustauscher oder Aktivkohle-Blockfilter, die vor allem bei Brunnenwasser eingesetzt werden, um Geschmack und Trübung zu verbessern.
7 Fazit
Eine Überschreitung des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes von Eisen hat praktisch keine gesundheitlichen Folgen, sondern beeinträchtigt vor allem Geschmack und Optik des Wassers (Trübung, Verfärbung) – eine systemische Eisenüberladung mit Organschäden hat nach heutigem Kenntnisstand andere Ursachen als das Trinkwasser. In vielen Gebieten in Nord- und Ostdeutschlands sowie in Westdeutschland weisen Brunnen Überschreitungen des gesetzlichen Grenzwertes auf. Wenn Sie Ihr Trinkwasser direkt aus einem Brunnen beziehen, informieren Sie sich daher am besten bei dem Betreiber über aktuelle Analysen und Werte.
Besonders bei der Nutzung von Brunnenwasser ist der Einsatz von Wasserfiltern üblich, damit der Geschmack und die Trübung nicht vermindert werden. Als Privatverbraucher können Sie auch auf die Anwendung von Ionenaustauschern oder auf Aktivkohle-Blockfilter zurückgreifen. Sollten Sie dauerhaft braunes Leitungswasser bemerken, kann dies auf verrostete Rohre zurückgeführt werden, die ausgetauscht werden müssen.
Liegt meist deutlich unter dem Grenzwert und ist gesundheitlich nicht relevant.
In Nord-, Ost- und Teilen Westdeutschlands häufiger über dem Grenzwert.
Ionenaustauscher oder Aktivkohle-Blockfilter verbessern Geschmack und Optik.
Quellen
- Trinkwasserverordnung - aktuelle Fassung (2023)
- Umweltbundesamt - Toxikologie des Trinkwassers
- WHO (2003) - Iron in Drinking-water (Guidelines for Drinking-water Quality, Background Document)
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) - Referenzwerte für die Eisenzufuhr (Stand 2023)
- Hintergrundliteratur (ältere Quellen, nicht mehr durchgängig aktuell): Gesundheit.de (2016) - Eisen; Chemie.de (2016) - Eisen; Umweltbundesamt (2012) - Nähr- und Schadstoffe; Hochsauerlandkreis, Gesundheitsamt - Merkblatt Eisen im Trinkwasser
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