1 Was ist Pseudomonas aeruginosa?
Pseudomonas aeruginosa ist ein stäbchenförmiges Bakterium, das fast überall in der Umwelt vorkommt: im Boden, in Gewässern und sogar auf Pflanzen. Es ist bekannt für seine hohe Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Desinfektionsmitteln und Antibiotika. Diese Eigenschaften machen es zu einem gefürchteten "Krankenhauskeim", da es oft für nosokomiale Infektionen (im Krankenhaus erworbene Infektionen) verantwortlich ist.
Der Keim gehört zu den sogenannten Feuchtkeimen, was bedeutet, dass er sich in feuchten Umgebungen besonders gut vermehren kann. Genau das macht Wasserleitungen, Duschköpfe und Wasserhähne zu idealen Brutstätten, wenn die Bedingungen stimmen.
2 Wie gelangen Pseudomonaden ins Trinkwasser?
Pseudomonaden gelangen meist über Biofilme, Stagnationswasser, ungeeignete Bauteile oder die Rückverkeimung von Duschköpfen ins Trinkwasser, selten über das streng aufbereitete Wasser der öffentlichen Wasserwerke. Auf diesen Wegen kommt Pseudomonas aeruginosa in Ihr Leitungssystem:
- Biofilm-Bildung: Das Bakterium ist ein Meister im Bilden von Biofilmen. Das sind schleimige Schichten, in denen sich Mikroorganismen ansiedeln. Diese Biofilme können sich an der Oberfläche der Innenwand von Wasserrohren festsetzen und schützen das Bakterium vor Hitze und chemischen Desinfektionsmitteln.
- Stagnationswasser: Wenn Wasser über längere Zeit in den Leitungen steht (z. B. bei längerer Abwesenheit oder in selten genutzten Leitungen), können sich vorhandene Keime stark vermehren.
- Bauteile und Armaturen: Bestimmte Materialien in Dichtungen, Schläuchen oder Wasserhähnen können das Wachstum von Bakterien begünstigen. Auch unsachgemäße Installationen können Eintrittspforten schaffen.
- Rückverkeimung: Verunreinigungen können von kontaminierten Endgeräten wie Duschköpfen oder Strahlreglern zurück in das Leitungssystem gelangen.
3 Wie gefährlich sind Pseudomonaden?
Für gesunde Menschen mit starker Immunabwehr ist Pseudomonas aeruginosa im Trinkwasser in der Regel keine große Gefahr. Ein Kontakt führt selten zu einer Erkrankung. Das Risiko steigt jedoch erheblich für bestimmte Personengruppen:
- Immungeschwächte Personen: Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, z. B. nach einer Organtransplantation, während einer Chemotherapie oder bei HIV/AIDS.
- Säuglinge und Kleinkinder: Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig ausgereift.
- Ältere Menschen: Das Immunsystem wird im Alter naturgemäß schwächer.
- Patienten mit Vorerkrankungen: Insbesondere Menschen mit zystischer Fibrose (Mukoviszidose), schweren Verbrennungen oder chronischen Wunden sind hochgradig gefährdet.
Bei diesen Risikogruppen kann eine Infektion zu ernsthaften Erkrankungen führen, darunter Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte, Wundinfektionen und im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis).
4 Wie wird ein Befall festgestellt und welcher Grenzwert gilt?
Ein Erregerbefall mit Pseudomonas aeruginosa ist mit bloßem Auge nicht erkennbar. Das Wasser sieht klar aus, riecht und schmeckt normal. Ein Befall zeigt sich nur bei einer mikrobiologischen Untersuchung, die der Wasserversorger, das Gesundheitsamt oder ein beauftragter Fachbetrieb veranlasst, etwa nach Auffälligkeiten in einem Gebäude oder als Pflichtprüfung in Risikoeinrichtungen.
Der Prozess sieht typischerweise so aus:
- Probenahme: Ein geschulter Probenehmer entnimmt an verschiedenen Stellen (z. B. Küchenarmatur, Dusche) Wasserproben nach einem standardisierten Verfahren.
- Laboranalyse: Im Labor wird das Wasser auf spezielle Nährböden gegeben. Der Erreger Pseudomonas aeruginosa bildet bei Wachstum charakteristische Kolonien, die oft einen süßlich-aromatischen Geruch aufweisen.
- Befund: Das Ergebnis wird in „koloniebildenden Einheiten pro 100 Milliliter“ (KBE/100 ml) angegeben. Einen allgemeinen Zahlen-Grenzwert für Pseudomonas aeruginosa im häuslichen Trinkwasser kennt die Trinkwasserverordnung nicht; maßgeblich ist dort die allgemeine Anforderung, dass Trinkwasser frei von Krankheitserregern sein muss.
- Maßnahmenwert: Für Risikoeinrichtungen wie Krankenhäuser, Pflege- und Alteneinrichtungen, Dialyseeinrichtungen und Kindertagesstätten empfiehlt das Umweltbundesamt einen technischen Maßnahmenwert von 0 KBE/100 ml (nicht nachweisbar in 100 ml), verbunden mit mindestens jährlichen Untersuchungen; für Zahnarzt- und Arztpraxen mit invasiven Eingriffen gelten die Hygieneempfehlungen des Robert Koch-Instituts. Jeder Nachweis erfordert sofortige Maßnahmen.
5 Was bei einer Kontamination im Leitungswasser zu tun ist
Werden Pseudomonaden im Trinkwasser nachgewiesen, ist schnelles Handeln gefragt. Die genauen Schritte hängen von der Konzentration des Befalls und den örtlichen Gegebenheiten ab, umfassen aber meistens:
- Ursachenforschung: Ein Fachmann muss die Quelle der Kontamination identifizieren. Liegt es am Biofilm in den Rohren, dem Wasserzähler, an einer bestimmten Armatur oder an Stagnationswasser?
- Desinfektion: Je nach Ursache und Ausmaß können verschiedene Desinfektionsmethoden zum Einsatz kommen. Eine gängige Methode ist die chemische Desinfektion (z. B. mit Chlor), die jedoch von einem Fachbetrieb durchgeführt werden muss. In manchen Fällen ist auch eine thermische Desinfektion (Spülung mit über 70 °C heißem Wasser) möglich.
- Sanierung: Sind bestimmte Bauteile wie Schläuche oder Dichtungen die Ursache, müssen diese ausgetauscht werden. Bei starkem Biofilmbefall kann eine komplette Sanierung der betroffenen Leitungsabschnitte notwendig sein.
- Kontrolluntersuchung: Nach Abschluss der Maßnahmen muss eine erneute Untersuchung den Erfolg bestätigen.
Bis zur Entwarnung durch das Gesundheitsamt oder einen Fachbetrieb sollten Sie als Vorsichtsmaßnahme das Wasser vor dem Trinken oder der Verwendung für die Zubereitung von Speisen abkochen.
6 So schützen Sie Ihr Trinkwassersystem vor dem Bakterium
Gegen Pseudomonas aeruginosa im Trinkwassersystem schützen regelmäßiges Laufenlassen, richtige Temperaturen und gewartete Armaturen. Mit diesen Verhaltensregeln senken Sie das Risiko eines Befalls deutlich:
- Wasser regelmäßig laufen lassen: Vermeiden Sie Stagnation. Lassen Sie an allen Wasserhähnen mindestens einmal alle 72 Stunden für einige Minuten das Wasser laufen. Das gilt besonders für Gäste-WCs oder selten genutzte Duschen.
- Nach dem Urlaub: Lassen Sie nach längerer Abwesenheit das Wasser an allen Entnahmestellen mehrere Minuten lang kräftig fließen, bis es konstant kühl aus der Leitung kommt.
- Temperaturen beachten: Stellen Sie sicher, dass Ihr Kaltwasser unter 25 °C bleibt und Ihr Warmwasser am Austritt aus dem Speicher über 60 °C hat. Ähnlich dem Schutz vor Legionellen.
- Regelmäßige Wartung: Lassen Sie Duschköpfe und Strahlregler (Perlatoren) regelmäßig entkalken und hygienisch reinigen. Tauschen Sie Duschschläuche alle paar Jahre aus.
- Fachgerechte Installation: Achten Sie bei Neuinstallationen oder Umbauten von Rohrleitungen darauf, dass nur zertifizierte Materialien verwendet werden und die Arbeiten von einem Fachbetrieb ausgeführt werden.
7 Lassen sich Pseudomonaden filtern?
Spezielle Fein- und Sterilfiltermodule für den Wasserhahn oder die Dusche halten Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa zuverlässig zurück und sind eine sinnvolle Übergangslösung bis zur Sanierung der Hausinstallation. Ein normaler Aktivkohle-Blockfilter ohne entsprechende Fein- bzw. Sterilfiltrationsstufe bietet dagegen keine verlässliche Barriere gegen Bakterien; was er zurückhält, steht unter Was wird gefiltert.
Auch das Robert Koch-Institut empfiehlt für besonders sensible Bereiche wie Frühgeborenenstationen den Einsatz endständiger Wasserfiltersysteme, wenn eine durchgehende Einhaltung der Trinkwasserqualität nicht sichergestellt werden kann.
8 Was viele über Pseudomonaden im Wasser glauben
Irrtum: „Ich sehe oder rieche, ob mein Wasser belastet ist.“
Richtig ist: Belastetes Wasser sieht klar aus und riecht und schmeckt normal. Ein Befall zeigt sich nur in einer mikrobiologischen Untersuchung, die Versorger, Gesundheitsamt oder ein Fachbetrieb veranlassen.
Irrtum: „Ein normaler Wasserfilter hält alle Bakterien zurück.“
Richtig ist: Ein normaler Aktivkohle-Blockfilter ohne Fein- oder Sterilfiltrationsstufe bietet keine verlässliche Barriere. Nur spezielle Fein- und Sterilfilter halten Pseudomonas aeruginosa zuverlässig zurück.
Irrtum: „Als gesunder Mensch muss ich mir nie Sorgen machen.“
Richtig ist: Das persönliche Risiko ist gering, aber Besucher oder Familienmitglieder können zu einer Risikogruppe gehören. Ein positiver Befund gehört deshalb immer ernst genommen.
Irrtum: „Ein Tischkannenfilter schützt auch vor Keimen.“
Richtig ist: Einige Tischkannenfilter werden bei unsachgemäßer Anwendung selbst zur Keimfalle, weil Wasser lange im Vorratsbehälter steht.
9 Was Leser zu Pseudomonas aeruginosa noch fragen
Ist Duschen bei einem Befall mit Pseudomonas aeruginosa gefährlich?
Für gesunde Menschen ist das Risiko gering. Immungeschwächte Personen sollten jedoch auf das Duschen verzichten, da die Bakterien über Aerosole (feinste Wassertröpfchen) in die Lunge gelangen können. Das Einatmen ist das größte Risiko, nicht der Hautkontakt.
Reicht ein normaler Wasserfilter aus, um die Bakterien zu entfernen?
Nicht jeder Filter ist dafür geeignet. Einige Tischkannenfilter werden bei unsachgemäßer Anwendung sogar zur Keimfalle. Nur spezielle Fein- und Sterilfilter, die am Entnahmepunkt oder Duschkopf montiert werden, halten Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa zuverlässig zurück. Sie sind oft eine gute Übergangslösung während einer Sanierung.
Ich bin gesund. Muss ich mir Sorgen machen?
Ein positiver Befund sollte immer ernst genommen werden, da er auf ein Hygieneproblem in der Wasserinstallation hinweist. Auch wenn für Sie persönlich kein hohes Risiko besteht, könnten Besucher oder Familienmitglieder zu einer Risikogruppe gehören. Die Beseitigung der Ursache ist daher unerlässlich.
Wer ist für die Wasserqualität verantwortlich, Vermieter oder Mieter?
Der Vermieter muss eine einwandfreie Trinkwasserqualität bis zur Entnahmestelle sicherstellen. Der Mieter ist verpflichtet, durch regelmäßige Nutzung des Wassers Stagnation zu vermeiden. Bei einem Nachweis liegt die Verantwortung für die Sanierung in der Regel beim Vermieter. Bis zum Gebäude selbst ist der Wasserversorger zuständig.
Wie hoch ist der Grenzwert für Pseudomonas aeruginosa?
Für das häusliche Trinkwasser nennt die Trinkwasserverordnung keinen festen Zahlen-Grenzwert für diesen Erreger; maßgeblich ist die Anforderung, dass Trinkwasser frei von Krankheitserregern sein muss. Für Risikoeinrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeheime und Praxen mit invasiven Eingriffen empfiehlt das Umweltbundesamt einen technischen Maßnahmenwert von 0 KBE in 100 ml, das Bakterium darf dort nicht nachweisbar sein.
Warum kommen Pseudomonas im Trinkwasser oft in Pflegeeinrichtungen vor?
Pseudomonas-Bakterien sind weltweit in Wasser und Boden verbreitet und bevorzugen feuchte Umgebungen. In Pflegeeinrichtungen finden sie ideale Bedingungen in Trinkwasserinstallationen, Spülen, Duschen, Klimaanlagen und auf anderen feuchten Oberflächen. Starke Biofilme sind mitunter sogar resistent gegen Desinfektionsmittel.
10 Wann müssen Sie bei Pseudomonaden handeln?
Für gesunde Menschen bleibt Pseudomonas aeruginosa im Trinkwasser meist folgenlos, für Risikogruppen nicht. Handeln müssen Sie bei einem Nachweis in der Hausinstallation, bei Stagnation nach längerer Abwesenheit und überall dort, wo Immungeschwächte, Säuglinge oder Pflegebedürftige das Wasser nutzen. Wie Sie Bakterien im Trinkwasser allgemein einordnen, lesen Sie unter Bakterien im Trinkwasser.
Ein Kontakt mit Pseudomonas aeruginosa im Trinkwasser führt selten zu einer Erkrankung; Stagnation vermeiden Sie mit den Regeln unter Vorbeugen.
Immungeschwächte, Säuglinge, ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen sind bei einem Befund hochgradig gefährdet und sollten das Wasser bis zur Entwarnung abkochen.
Sterilfiltermodule für Wasserhahn oder Dusche halten Bakterien am Entnahmepunkt zurück und überbrücken die Zeit bis zur Sanierung.
Quellen
- Deutsche Trinkwasserverordnung - Gesetzliche Fassung von 2023
- Umweltbundesamt (2017) - Empfehlungen zu Pseudomonas aeruginosa
- Technologiezentrum Wasser (2014) - Pseudomonas Aeruginosa in Trinkwassersystemen
- DVGW (2014) - Pseudomonas aeruginosa in Trinkwassersystemen
- Robert Koch-Institut / KRINKO - Empfehlung zur Prävention nosokomialer Infektionen bei Früh- und Neugeborenen
- Bakterien im Trinkwasser: Risiken erkennen und wirksam vorbeugen
- Enterokokken im Trinkwasser: Ursachen, Risiken & Lösungen
- Coliforme Bakterien im Trinkwasser: Risiken erkennen und beseitigen
- Legionellen - Die verkannte Gefahr im Leitungswasser
- Rost im Trinkwasser: Ursachen, Gefahren & Lösungen
- Was sind Fäkalbakterien?

