1 Was sind Enterokokken?
Enterokokken sind kugelförmige Milchsäurebakterien, die ein natürlicher Bestandteil der Darmflora von Menschen und Tieren sind. Dort helfen sie bei der Verdauung und beim Aufbau der Immunabwehr. Bei einigen Käsesorten fördern sie sogar die Reifung.
Von den etwa 25 bekannten Arten gibt es jedoch auch solche, die außerhalb des Darms Krankheiten auslösen können. Findet man Enterokokken im Leitungswasser, ist das ein klares Alarmsignal. Sie sind Indikatorkeime für eine fäkale Verunreinigung, also eine Verschmutzung mit menschlichen oder tierischen Fäkalien. Ihr Nachweis deutet stark darauf hin, dass auch andere, potenziell gefährlichere Krankheitserreger im Wasser vorhanden sein könnten.
2 Wie gelangen Enterokokken ins Trinkwasser?
Im Wasser können sich Enterokokken nicht vermehren, überleben dort aber relativ lange. Sie gelangen immer von außen in das Wassersystem. Die Ursachen sind verschieden und oft schwer zu lokalisieren.
Mögliche Quellen für die Verunreinigung sind:
- Technische Störungen: Defekte bei der Wasseraufbereitung oder in Kläranlagen können dazu führen, dass Keime ins Trinkwassernetz gelangen.
- Mängel im Leitungsnetz: Undichte Rohre, alte Abwasserkanäle oder unsachgemäß durchgeführte Reparatur- und Wartungsarbeiten am öffentlichen Leitungsnetz können Eintrittspforten für Bakterien sein.
- Probleme in der Hausinstallation: Auch nach der Grundstücksgrenze kann es zu Verunreinigungen kommen, etwa durch schlecht gewartete Rohre, Neuanschlüsse oder eine fehlerhafte Installation.
- Äußere Einflüsse: Starke Regenfälle können landwirtschaftliche Düngemittel oder Fäkalien von Weidetieren in Oberflächengewässer und von dort ins Grundwasser spülen. Auch undichte Jauchegruben sind eine potenzielle Gefahrenquelle.
Da Enterokokken widerstandsfähiger gegen Desinfektionsmittel wie Chlor im Trinkwasser sind als beispielsweise E.-coli-Bakterien, gelten sie als besonders zuverlässiger Indikator für fäkale Verunreinigungen.
3 Wie gefährlich sind Enterokokken für die Gesundheit?
Gelangen pathogene Enterokokken über das Trinkwasser in den Körper, können sie insbesondere bei bestimmten Personengruppen ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen. Einige Stämme sind gegen Antibiotika resistent, was die Behandlung erschwert.
Zu den Risikogruppen gehören:
- Menschen mit einem geschwächten Immunsystem
- Ältere Menschen
- Säuglinge und Kleinkinder
- Personen mit chronischen Erkrankungen
Mögliche durch Enterokokken verursachte Infektionen umfassen:
- Harnwegsinfektionen: Eine der häufigsten Folgen einer Enterokokken-Infektion.
- Bauchrauminfektionen: Entzündungen im Bauchfell oder Abszesse.
- Wundinfektionen: Gelangen die Bakterien in offene Wunden, können sie schwere Entzündungen hervorrufen.
- Herzklappenentzündung (Endokarditis): Eine seltene, aber sehr schwere Komplikation, die auftritt, wenn die Bakterien in die Blutbahn gelangen.
- Blutvergiftung (Sepsis): Eine lebensbedrohliche systemische Reaktion des Körpers auf eine Infektion.
4 Welcher Grenzwert gilt für Enterokokken?
Der Grenzwert für Enterokokken im Trinkwasser liegt laut Trinkwasserverordnung (TrinkwV) bei 0 pro 100 Milliliter. In einer 100-ml-Wasserprobe dürfen also keine Enterokokken nachweisbar sein. Wird dieser Wert überschritten, liegt eine inakzeptable Verunreinigung vor, und das zuständige Gesundheitsamt muss umgehend informiert werden und Maßnahmen ergreifen.
5 Was passiert bei einem Befund?
Wird eine Verunreinigung mit Enterokokken festgestellt, sind die Wasserversorger und Hauseigentümer in der Pflicht. Die wichtigste Sofortmaßnahme ist der Schutz der Verbraucher.
Was nach einem Befund passiert
- Abkochgebot: Das Gesundheitsamt ordnet in der Regel eine sofortige Abkochpflicht an. Das Wasser muss, bevor es getrunken oder zur Zubereitung von Speisen verwendet wird, einmal sprudelnd aufgekocht und anschließend für mindestens zwei bis drei Minuten abgekühlt werden. Dies gilt auch für das Zähneputzen oder das Reinigen offener Wunden.
- Ursachenforschung: Parallel dazu beginnt die Suche nach der Kontaminationsquelle. Die Wasserversorger überprüfen das öffentliche Netz, während Hauseigentümer für die Leitungen auf dem eigenen Grundstück verantwortlich sind.
- Desinfektion: Oft wird das Leitungsnetz gechlort oder mit anderen zugelassenen Mitteln desinfiziert, um die Bakterien abzutöten. Der leichte Chlorgeruch ist dabei gesundheitlich unbedenklich.
- Kontrolluntersuchungen: Erst wenn mehrere nachfolgende Wasserproben keine Enterokokken mehr aufweisen, gibt es Entwarnung und das Abkochgebot wird wieder aufgehoben.
Zum Duschen, Händewaschen oder für die Toilettenspülung kann das Wasser meist weiterverwendet werden. Offene Wunden sollten dabei jedoch mit wasserdichten Pflastern geschützt werden.
6 Wie lassen sich Enterokokken aus dem Trinkwasser entfernen?
Enterokokken lassen sich durch Abkochen, Chlorung, UV-Licht oder Filter mit feiner Porenstruktur aus dem Trinkwasser entfernen.
- Desinfektion mit Chlor: Neben dem klassischen Abkochen ist insbesondere die Trinkwasserchlorung eine bewährte Maßnahme, die auch auf kommunaler Ebene angewendet wird.
- Wasserfilter: Für die Hausinstallation eignen sich Aktivkohle-Blockfilter mit feiner Porenstruktur oder Aktivkohle in Kombination mit Mikro- oder Ultrafiltration, die Bakterien physikalisch zurückhalten; welche Stoffe ein Aktivkohle-Blockfilter zurückhält, steht unter Was wird gefiltert.
- UV-Desinfektionssysteme: Sie inaktivieren Enterokokken mit ultraviolettem Licht und kommen sowohl in der öffentlichen Wasserversorgung als auch in Privathaushalten zum Einsatz.
Solche Systeme brauchen regelmäßige Wartung, sonst lässt ihre Schutzwirkung nach. Für die Küche eignet sich ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt, unsere Modelle finden Sie unter Wasserfilter am Wasserhahn; für das Bad gibt es Duschfilter.
7 Sichern Sie sich gegen Enterokokken im Wasser ab
Ein Fund von Enterokokken im Trinkwasser ist ein ernster Hinweis auf eine Verunreinigung, die nicht ignoriert werden darf. Während die öffentlichen Versorger für die Sicherheit des Netzes sorgen, liegt die Verantwortung für die Hausinstallation beim Eigentümer. Besonders in älteren Gebäuden oder bei Unsicherheiten über den Zustand der Leitungen kann eine Überprüfung sinnvoll sein.
8 Was Leser zu Enterokokken noch fragen
Wie merke ich, dass Enterokokken in meinem Wasser sind?
Gar nicht mit den Sinnen: Enterokokken kann man weder sehen, riechen noch schmecken. Die Wasserversorger untersuchen ihr Wasser regelmäßig auf diese Indikatorkeime. Bei einem Befund im öffentlichen Netz informieren Versorger und Gesundheitsamt die Haushalte, meist zusammen mit einem Abkochgebot, über Medien, Aushänge oder Warn-Apps.
Kann man mit Enterokokken belastetes Trinkwasser abgekocht sicher trinken?
Ja. Kochen Sie alles Wasser ab, das Sie zum Trinken, Kochen, für die Zubereitung von Babynahrung, zum Zähneputzen oder zur Wundreinigung verwenden. Lassen Sie es sprudelnd aufkochen und dann einige Minuten abkühlen. Abgekochtes Wasser hält sich abgedeckt im Kühlschrank etwa einen Tag.
Ist Duschen bei einem Enterokokken-Befund sicher?
Ja, Duschen ist in der Regel unbedenklich, weil Enterokokken über den Mund und offene Wunden in den Körper gelangen, nicht über gesunde Haut. Achten Sie darauf, kein Wasser zu verschlucken, und decken Sie offene Wunden wasserdicht ab. Kleinkinder sollten in dieser Zeit nicht in der Wanne planschen.
Wer ist für die Wasserqualität verantwortlich?
Die kommunalen Wasserwerke sind bis zu Ihrem Hausanschluss an der Grundstücksgrenze verantwortlich. Für alle Leitungen und Armaturen im Haus ist der Eigentümer oder Vermieter zuständig. Enterokokken in einem einzelnen Haus deuten deshalb oft auf ein Problem in der Hausinstallation hin, etwa Stagnation oder eine fehlerhafte Reparatur.
Muss ich mein Wasser selbst auf Enterokokken prüfen lassen?
Bei Wasser aus dem öffentlichen Netz nicht, das übernimmt der Versorger nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Anders beim eigenen Brunnen: Hier sind Sie selbst Betreiber und müssen das Wasser regelmäßig mikrobiologisch untersuchen lassen; die Abstände legt das zuständige Gesundheitsamt fest.
9 Was tun bei Enterokokken im Trinkwasser?
Kochen Sie bei einem Befund das Wasser ab, bis das Gesundheitsamt Entwarnung gibt, und lassen Sie im eigenen Haus die Installation prüfen, wenn der Fund nur Ihr Gebäude betrifft. Was Fäkalkeime generell bedeuten, lesen Sie unter Was sind Fäkalbakterien?
Bei einem Befund gilt das Abkochgebot des Gesundheitsamts, bis die Kontrollproben sauber sind; die Schritte stehen unter Maßnahmen bei einem Befund.
Duschen, Händewaschen und Toilettenspülung bleiben meist möglich, solange Sie kein Wasser verschlucken und Wunden wasserdicht abdecken.
Ein Aktivkohle-Blockfilter mit feiner Porenstruktur hält Bakterien am Entnahmepunkt zurück und sichert die Küche ab.
Quellen
- Deutsche Trinkwasserverordnung - Gesetzliche Fassung von 2023
- BR (2021) - Enterokokken im Trinkwasser: Was Sie wissen müssen
- DVGW e.V. (2016) - Hygienische Sicherheit im Verteilungsnetz – Teil 2 (Seite 32/33)
- Coliforme Bakterien im Trinkwasser: Risiken erkennen und beseitigen
- Was sind Fäkalbakterien?
- Was wird unter Abkochgebot verstanden? Hintergründe und Tipps
- Wasserfilter gegen Bakterien und Keime – Effektiver Trinkwasser-Schutz
- Rost im Trinkwasser: Ursachen, Gefahren & Lösungen
- Natrium im Trinkwasser - Besser natriumarm oder natriumreich?

