Wasser-Wissen · Inhaltsstoffe

Silber - Welche Rolle spielt das beliebte Metall im Trinkwasser?

Silberionen töten Bakterien und Pilze ab, indem sie Zellwand und DNA angreifen. Silber wurde jedoch von der Liste zulässiger Aufbereitungsstoffe gestrichen, ein gezielter Einsatz zur Wasseraufbereitung ist nicht mehr zulässig. Achten Sie bei der Filterwahl auf silberfreie Technik, besonders bei Säuglingen.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 6 Min. Lesezeit6 Quellen
Grünes Textfeld „Silber“ vor Wasserhahn und blau schimmernden Reagenzgläsern

1 Was ist Silber und wofür wird es verwendet?

Silber ist ein Edelmetall, das heute in vielseitiger Form in alltäglichen Produkten Anwendung findet. Weltweit werden jährlich etwa 28.000 t Silber konsumiert. Die größten Einsatzbereiche sind dabei industrielle Anwendungen, wie die Elektro- oder Medizintechnik, die Verarbeitung von Schmuck und Silberwaren, die Fotoindustrie oder die Herstellung von Münzen.

28.000 tjährlicher weltweiter Silberkonsum
0,1 mg/lfrüherer Zusatz-Grenzwert zur Konservierung, WHO-Referenzwert für Desinfektion
0,08 mg/lfrüherer Grenzwert nach Abschluss der Aufbereitung

Aber auch als Biozid-Produkt wird es aufgrund seiner antibiotischen Wirkung eingesetzt: beispielsweise in Beschichtungen von Operationsbesteck, Wundauflagen oder als Desinfektionsmittel. Allerdings begegnet es Ihnen nicht bloß im medizinischen Bereich, sondern ebenso im täglichen Leben.

In Socken und Unterwäsche werden silberhaltige Fasern eingewebt, in Kühlschränken, Badezimmereinrichtungen, Lichtschaltern und Zahnbürsten sind Silberpartikel in Oberflächen und Beschichtungen eingearbeitet, damit nach und nach Nanopartikel des Edelmetalls abgegeben werden und ihre antibakterielle Wirkung entfalten können. Selbst als Nahrungsergänzungsmittel wird kolloidales Silber eingesetzt.

Kolloidales Silber besteht aus feinsten Nanopartikeln des reinen Metalls in reinem Wasser. Diese Verwendungsform ist auch in der Wasserbehandlung zu finden.

2 Die antibakterielle Wirkungsweise von Silber

Silber besitzt in kleinsten Mengen eine wachstumshemmende und sogar abtötende Wirkung auf Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze. Diese Wirkung entfaltet es allerdings nur in Form von Silberionen, also geladenen Silberatomen. Die Ionen blockieren schwefel- und phosphathaltige Enzyme, indem sie sich an der Zellwand festsetzen und den Stoffwechsel stören.

Außerdem werden die geladenen Teilchen von den Zellen aufgenommen, binden die DNA und verhindern die Reproduktion. Deshalb wird Silber vermehrt für die Desinfektion und Konservierung von Wasser eingesetzt und ist unter anderem auch in Trinkwasserentkeimungstabletten oder zur Aufbereitung von Badewasser in Schwimmbadpflegemitteln zu finden.

Vorsichtig bei Säuglingen:

Viele der im Markt erhältlichen Tischkannenfilter verwenden zur Vorbeugung vor einer Verkeimung der Filterkartuschen eine Silberlegierung auf der geschütteten Aktivkohle. Dabei gelangt allerdings auch Silber in das Filterwasser! Mehr hierzu im Artikel zu Wasserfilter ohne Silber

3 Grenzwerte für Silber als Aufbereitungsstoff

Die aktuelle Fassung der Trinkwasserverordnung (2023) legt in § 20 fest, welche Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren bei der öffentlichen Wasserversorgung überhaupt eingesetzt werden dürfen. Nur was auf dieser vom Umweltbundesamt geführten Liste steht, darf dem Trinkwasser zugesetzt werden.

Silber stand ab Oktober 2015 auf dieser Liste: Wasserversorger durften damals bis zu 0,1 mg Silber je Liter zur Konservierung zusetzen, mit einem Grenzwert von 0,08 mg pro Liter nach Abschluss der Aufbereitung.

In einer späteren Fassung der Liste wurde Silber wieder gestrichen. Die aktuell gültige Liste zulässiger Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren des Umweltbundesamts (Stand 2023) führt Silber nicht mehr auf – für die öffentliche Trinkwasserversorgung in Deutschland gibt es damit derzeit keinen gesetzlichen Grenzwert mehr für Silber, weil sein gezielter Einsatz zur Wasseraufbereitung schlicht nicht mehr zulässig ist.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für Silber im Trinkwasser keinen gesundheitsbasierten Richtwert festgelegt, da die verfügbaren Daten dafür nicht ausreichen. Für spezielle Desinfektionsanwendungen nennt sie einen praktisch unbedenklichen Referenzwert von bis zu 0,1 mg Silber je Liter.

Der Einsatz von Silberprodukten zur privaten Wasserkonservierung (z. B. in Camping- oder Wohnmobiltanks) ist davon unabhängig zu betrachten und unterliegt der Biozidverordnung des Chemikalienrechts.

4 Gesundheitliche Auswirkungen

Das Schwermetall Silber wirkt sich auf den menschlichen Körper erst in relativ hoher Konzentration toxisch aus. Die menschlichen Zellen tragen die Proteine, die von Silberionen angegriffen werden im Inneren.

Bakterien dagegen außen an den Zellen, weshalb diese abgetötet werden. In gewisser Konzentration können die Silberpartikel also antibakteriell wirken, ohne dabei gesundheitsbedenklich zu sein.

Gut zu Wissen:

Die Toxizität von Silber hängt stark von Größe und Form der Partikel ab. So ist die Toxizität höher, je dichter Elektronen in den Partikeln zu finden sind. Daher ist es schwierig zu sagen, welches genaue Gefahrenpotential Silberverbindungen auf die menschliche Gesundheit haben können.

Außer Größe und Form der Partikel haben auch verschiedene Wasserparameter Einfluss auf die Schädlichkeit. Bei einer hohen Wasserhärte, Chloriden, Sulfiden oder Sulfaten im Wasser ist diese geringer. Gute Sauerstoffverhältnisse oder saures Wasser mobilisiert das Silber dagegen.

5 Auswirkungen auf die Umwelt

Silber wird als Schwermetall und Biozid an die Umwelt abgegeben. Es ist in Oberflächengewässern, Schwebstoffen, Sedimenten und Kläranlagen in unterschiedlichen Konzentrationen zu finden.

Die Umweltbehörde der Vereinigten Staaten stufte Silbernanopartikel sogar als Pestizide ein.

Zum derzeitigen Zeitpunkt ist noch wenig über das Verhalten und die Auswirkungen von Silbernanopartikeln in der Umwelt und dem menschlichen Körper bekannt. Zu beachten ist aber, dass sie kontinuierlich Silberionen an ihre Umgebung abgeben.

In einer Studie wurde getestet, welche Wirkung die Nanopartikel auf Fischembryos haben. Es wurden toxische Effekte festgestellt und die Fische wiesen Deformationen sowie eine hohe Sterblichkeit auf.

Ein Silberzusatz ist üblich, wenn …

  • lose geschüttete Aktivkohle in einem Kannenfilter vor Verkeimung geschützt werden soll
  • der Hersteller keine andere Konservierung vorsieht

Ein silberfreier Filter ist sinnvoll, wenn …

  • Sie kein zusätzliches Schwermetall im Trinkwasser wollen
  • Sie einen gesinterten Aktivkohle-Blockfilter nutzen – der ist von Natur aus weniger anfällig für Verkeimung
  • Säuglinge oder Kleinkinder das Wasser trinken

6 Häufig gestellte Fragen zu Silber im Trinkwasser

Ist Silber im Trinkwasser gesundheitsschädlich?

Silber ist als Aufbereitungsstoff für die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland nicht mehr zugelassen, ein früherer Grenzwert von 0,08 mg/l ist damit nicht mehr in Kraft. In den Konzentrationen, in denen Silber gelegentlich noch ins Trinkwasser gelangt, gilt es laut EU-Wissenschaftsausschuss SCENIHR als unbedenklich; die Toxizität von Silber gilt allgemein als gering.

Warum setzen manche Wasserfilter Silber ein?

Zur Vorbeugung gegen Verkeimung der Aktivkohle-Kartusche bei loser, geschütteter Aktivkohle. Dabei kann jedoch Silber ins Filtrat übergehen. Gesinterte Aktivkohle-Blockfilter sind aufgrund ihrer festen Struktur von Natur aus weniger anfällig für Verkeimung und benötigen daher in der Regel keinen Silberzusatz.

7 Fazit

Dennoch gilt das Trinkwasser in Deutschland als das am strengsten regulierte Lebensmittel. Grenzwerte verschiedener Schadstoffe sind in der Trinkwasserverordnung gesetzlich festgelegt, um die Genusstauglichkeit des Wassers zu schützen.

Trotz allem ist dies keine Garantie für die einwandfreie Qualität des Leitungswassers. Nicht alle Inhaltsstoffe können in der Trinkwasserverordnung abgedeckt werden und Verunreinigungen, die sich durch alte Leitungen auf dem Weg von den Wasserwerken bis zu den Hausleitungen ergeben, können nicht kontrolliert werden.

Wenn Sie Ihr Trinkwasser verbessern möchten, achten Sie bei der Filterwahl bewusst auf silberfreie Technik. Ein professioneller Wasserfilter ohne Silberzusatz zur Kartuschen-Konservierung gibt kein zusätzliches Silber an Ihr aufbereitetes Leitungswasser ab.

Silber als Aufbereitungsstoff

Nicht mehr auf der Liste zulässiger Stoffe – kein gesetzlicher Grenzwert mehr.

Kannenfilter mit Silber

Schützt die Kartusche vor Verkeimung, gelangt aber selbst ins Filtrat.

Silberfreier Blockfilter

Gesinterte Aktivkohle ist von Natur aus weniger anfällig – kein Zusatz nötig.

Wasserfilter ohne Silberzusatz?Finden Sie ein passendes System aus unserem Sortiment – oder sprechen Sie direkt mit Marco Fabian, Gründer und seit 2014 in der Trinkwasseraufbereitung.

Quellen

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Marco Fabian Profilbild

Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor