Kolonien sind im Wasser lebende Baktieren und werden mit der Kennzahl KBE zählbar gemacht. @jxfzsy / istockphoto.com

Was versteht man unter koloniebildenden Einheiten oder der Gesamtkeimzahl?

Vitalhelden Redaktion
Aktualisiert: 15. November 2021
Lesedauer: 3 Minuten

Die Gesamtkeimzahl ist eine Maßeinheit zur Ermittlung der mikrobiologischen Belastung des Trinkwassers. Dazu legen die Wasserprüfer 1 ml Trinkwasser, was in etwa einer Tröpfchengröße entspricht, in einen Wärmeschrank und beobachten die Anzahl an Kolonien, die sich unter den Idealbedingungen einer Bebrütungstemperatur von 22 °C und 36 °C in einer bestimmten Zeit in einer Petrischale bilden. Zu Keimen gehören Viren, Bakterien und Pilze.

Warum genau diese Bebrütungstemperaturen?

Die Bebrütungstemperatur von 22 °C gibt Aufschluss über das Maß an koloniebildenden Einheiten unter Bedingungen, wie sie in der Natur vorzufinden sind. Durch den Test kann festgestellt werden, wie schnell sich Keime in einem bestimmten Trinkwasser unter natürlichen Bedingungen vermehren können. Die Temperatur von 36 °C entspricht hingegen der Körpertemperatur von Warmblütern wie Vögeln und Säugetieren wie dem Menschen.

Keimmengen werden in kbE angegeben
Keimmengen werden in kbE angegeben @qimono / pixabay.com

Kommt es bei dieser Bebrütungswärme zu einer signifikanten Vermehrung von Kolonien, dann würde dies bedeuten, dass sich diese Keime im menschlichen Organismus, zum Beispiel im Darm, optimal entwickeln können. Keime, die sich unter diesen Bedingungen vermehren, sind also besonders gefährlich für den Menschen und seine typischen Krankheitserreger. Besonders diese sollten nicht im Trinkwasser vorhanden sein.

Gut zu wissen:

Die verheerende Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg mit 8.605 gezählten Toten* markiert den Wendepunkt in der Wasseraufbereitung. Davor entnahmen die Menschen ihr Wasser direkt aus den Flüssen. Der Mikrobiologe Robert Koch erkannte den Zusammenhang zwischen den Infektionen und der Keimzahl im Wasser. Seit der Katastrophe wurden in Deutschland  immer mehr Wasseraufbereitungsanlagen gebaut und kontinuierlich verbessert.

Keime gibt es immer

Unser Trinkwasser ist grundsätzlich nicht steril. Das bedeutet, dass Keime, die ein natürlicher Bestandteil der Natur sind, durchaus im Trinkwasser vorhanden sein können. In der Regel ist unser Immunsystem aber gut auf die Bekämpfung dieser Erreger eingestellt. Nur wenn die Keime sich in bestimmten Größenverhältnissen vermehren können, wird dies für unsere Gesundheit problematisch. Die Messung der koloniebildenden Einheiten im Trinkwasser dient der Bestimmung der Vermehrungsgeschwindigkeit von Keimen im Trinkwasser und damit der Beurteilung darüber, ob dieser Wert eine bedenkliche Konzentration überschreitet.

Welche Keime sind besonders gefährlich?

Trotz der Natürlichkeit einer gewissen Keimbildung gibt es Keime, die als besonders gefährlich bekannt sind und überhaupt nicht im Trinkwasser vorhanden sein dürfen. Die mikrobiologischen Tests sind deshalb teilweise auf bestimmte Keime abgestimmt und werden separat zur Messung der allgemeinen Keimbildung durchgeführt. Besonders gefährliche Keime sind:

  • Escherichia Coli (Infektionen im Magendarmtrakt)
  • coliforme Bakerien (Magendarmerkrankungen)
  • Legionellen (Grippe, Lungenerkrankungen)
  • Pseudomonaden (hochinfektiös, greifen Schleimhäute an)
  • Enterokokken (hochinfektiös, zahlreiche Krankheiten)
  • Campylobacter (Magendarmbereich)
  • Noroviren (Magendarmbereich)
  • Amöben (Magendarmbereich, Fieber)
  • Mykobakterien (Lunge, Tuberkulose)
  • Shigellen (Durchfall, Ruhr)

Neben Qualität und Quantität der Keime im Trinkwasser hängt die Gefährlichkeit für Wasserverbraucher auch von der Beschaffenheit ihres Immunsystems ab. Kinder, Kranke und ältere Menschen sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Wie gelangen Keime ins Trinkwasser?

In der deutschen Gesundheitspolitik wird großer Wert auf die Verhütung der Gefahr durch eine mikrobiologische Verunreinigung von Trinkwasser gelegt. Die technischen Möglichkeiten, die in den letzten Jahrzehnten immer weiter verfeinert wurden, sind vorhanden, um die Keimbildung im Leitungswasser wirksam zu verhindern. Dies gilt auch deshalb, weil Keime anders als chemische Industriestoffe ursprünglicher Natur sind und deshalb kaum neue Herausforderungen für die Wasserwerke darstellen.


Dies gilt allerdings nur bis zum Punkt, an dem das Trinkwasser vom örtlichen Wasserwerk in das Haus gelangt. Die verpflichtenden Grenzwerte für Schadstoffe in der Trinkwasserverordnung haben nur Gültigkeit bis zur Zapfstelle des Verbrauchers. Von dort an können folgende Missstände dazu führen, dass sich im Trinkwasser verstärkt gesundheitsgefährdende Keime entwickeln können:

  • stagnierendes Wasser
  • Rostbefall an Wasserleitungen
  • ungeeignete Materialien in den Leitungen
  • zu dünne Leitungen
  • verunreinigte Armaturen
  • verunreinigter Perlator
  • Bau- und Wartungsarbeiten
  • Neuinstallation
  • Rohrbruch
  • zu geringer Wasserdurchfluss
  • Erwärmung in den Hausleitungen

Vor allem die Vermeidung der Entwicklung von Biofilmen in den hauseigenen Wasserleitungen trägt viel zur Verhütung der Keimgefahr im Trinkwasser bei. Ersten Anschauungsunterricht für Verbraucher bietet in dieser Hinsicht abgestandenes Blumenwasser, an dem sich nach ein paar Tagen deutlich sichtbar ein Biofilm zu bilden beginnt. Zu Recht würde dies niemand trinken wollen.

Fazit: Schutz vor Keimen ist möglich

Unter den heutigen technologischen und hygienischen Bedingungen tauchen Keime in gefährlicher Anzahl und gefährlichen Variationen vor allem im Bereich des eigenen Hauses auf. Wasserleitungen und Armaturen sind deshalb regelmäßig zu prüfen und gegebenenfalls zu reinigen. Bei einem Verdacht auf gefährliche Keimbildung können Verbraucher sich an die Wasserwerke und hydrologische Labore für einen Wassertest wenden. Auch Wasserfilter kommen mit Keimen grundsätzlich gut zurecht und sorgen für eine zuverlässige Entkeimung des Trinkwassers.

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