1 Kein Trinkwasser – die Definition
Ein „Kein Trinkwasser“-Schild bedeutet, dass das Wasser aus dieser Leitung aufgrund von Stagnation oder alter bzw. falscher Rohrmaterialien nicht mehr zum Verzehr geeignet ist. Der Betreiber der Anlage kann für dieses Wasser keine Trinkwasserqualität garantieren.
Um die Bürger vor den Gefahren zu schützen, ist ein solcher Warnhinweis für Betreiber und Verantwortliche Pflicht, sobald aus diesen oder anderen Gründen die Trinkwasserqualität nicht mehr garantiert werden kann. Rechtlich verankert ist diese Informationspflicht in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV): Sie verpflichtet Betreiber von Wasserversorgungsanlagen dazu, Verbraucherinnen und Verbraucher zu informieren, sobald Wasser die Anforderungen an Trinkwasser nicht mehr erfüllt.
2 Was bedeutet Stagnation?
Stagnationsleitungen sind Rohre, die längere Zeit nicht genutzt werden. Beispiele für Stagnationsleitungen sind Wasserleitungen an Schulen und solche in Privatwohnungen, wenn die Wohnung für einen längeren Zeitraum verwaist ist.
Werden die Leitungen nicht benutzt, dann befindet sich das Leitungswasser in dieser Zeit in einem Ruhestatus, wodurch es anfälliger für Bakterienbildung und Aufnahme der Leitungsmaterialien ist.
Besonders Leitungen aus Blei, Kupfer, verzinkten Stahl- und Bleileitungen und minderwertigem Kunststoff sind in diesem Zusammenhang problematisch:
- Kupfer im Wasser: Anfällig bei saurem ph-Wert
- verzinkte Leitungen: Neigung zur Rostaufnahme
- minderwertiger Kunststoff: anfällig für Weichmacher
- Blei im Wasser: führt zur Freisetzung des gesundheitsschädlichen Materials (mehr dazu: Wasserfilter gegen Blei einsetzen)
Ein Sonderfall sind Stichleitungen, bei denen es sich um ein veraltetes Leitungssystem in größeren Miethäusern handelt. Hier kann das Leitungswasser auch bei aktiven Beanspruchungen stagnieren.
3 Gefahr von Bakterienbildung in ruhenden Leitungen
Hinzu kommt, dass ruhendes Wasser wesentlich anfälliger als fließendes Wasser für die Herausbildung von Biofilmen als Brutstätte von Bakterien ist. Experten sprechen bei diesem Phänomen von „Biofoulding“.
Wird stagnierendes Wasser nach einem längeren Zeitraum erstmals wieder benutzt, werden mögliche Bakterien und Legionellen abrupt freigesetzt und es kann zu einer temporären Überschreitung der Grenzwerte für Schadstoffe im Kranwasser kommen.
Als Stagnationswasser gilt Leitungswasser üblicherweise dann, wenn es länger als vier Stunden nicht mehr geflossen ist.
Dieser Zeitraum wird bei der Beprobung von Trinkwasser auf Schwermetalle als Richtwert für die sogenannte Stagnationsbeprobung zugrunde gelegt. Nach längerer Standzeit steigt die Konzentration von Metallionen (z.B. aus Rohrmaterial) sowie das Risiko einer Bakterienvermehrung im Wasser messbar an.
Unser Tipp:
Haben Sie eine Leitung längere Zeit nicht benutzt, sollten Sie zunächst das Wasser ablaufen lassen, bis es spürbar kühler und damit frischer wird. Das Umweltbundesamt empfiehlt nach mehrtägiger Abwesenheit, z.B. nach dem Urlaub, das Wasser vor der ersten Nutzung rund fünf Minuten laufen zu lassen. Hierbei geht die Gesundheit vor dem sparsamen Umgang mit der Ressource.
4 Häufige Fragen
Was bedeutet ein „Kein Trinkwasser“-Schild genau?
Der Betreiber kann für dieses Wasser keine Trinkwasserqualität mehr garantieren – meist wegen Stagnation oder alter bzw. falscher Rohrmaterialien. Die Trinkwasserverordnung verpflichtet ihn, Verbraucher darüber zu informieren.
Wann gilt Wasser als Stagnationswasser?
Üblicherweise, wenn es länger als vier Stunden nicht mehr geflossen ist. Dieser Zeitraum dient auch als Richtwert für die Stagnationsbeprobung auf Schwermetalle.
Welche Rohrmaterialien sind bei Stagnation besonders riskant?
Vor allem Leitungen aus Blei, Kupfer, verzinktem Stahl und minderwertigem Kunststoff, da sie anfällig für Rostaufnahme, Weichmacher oder die Freisetzung von Metallionen sind.
Was sollte ich nach längerer Abwesenheit tun, bevor ich das Wasser trinke?
Das Umweltbundesamt empfiehlt, das Wasser nach mehrtägiger Abwesenheit vor der ersten Nutzung rund fünf Minuten laufen zu lassen, bis es spürbar kühler wird.
5 Fazit
Der Warnhinweis „Kein Trinkwasser“ ist ernst zu nehmen.
Er bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Wasser akut giftig ist, aber der Betreiber kann aufgrund der beschriebenen technischen, physikalischen, biologischen und chemischen Zusammenhänge keine Garantie mehr für die Trinkwasserqualität übernehmen.
Gesundheitliche Probleme müssen bei einmaligem Kontakt nicht zwangsläufig auftreten, das Risiko lässt sich aber vorab nicht sicher einschätzen. Wir empfehlen daher, die Warnung konsequent zu befolgen und sich anderer, geprüft trinkbarer Wasserquellen zu bedienen. Wer unabhängig von Stagnationsrisiken zusätzliche Sicherheit möchte, schafft mit einem Aktivkohle-Blockfilter direkt am Wasserhahn eine wirksame Ergänzung – ersetzt aber nicht die fachgerechte Sanierung einer als „Kein Trinkwasser“ ausgewiesenen Leitung.
Der Betreiber übernimmt keine Garantie mehr für die Trinkwasserqualität dieser Leitung.
Reduziert das Risiko bei Stagnationswasser deutlich – besonders nach längerer Abwesenheit.
Wirksame Ergänzung am Wasserhahn, ersetzt aber keine fachgerechte Leitungssanierung.
Quellen
- Umweltbundesamt - Ratgeber "Trink Was" - Trinkwasser aus dem Hahn
- Verbraucherzentrale - Kann man Leitungswasser bedenkenlos trinken?

