Wasser-Wissen · Wissenswertes

Kein Trinkwasser – was bedeutet das?

Ein „Kein Trinkwasser“-Schild bedeutet, dass das Wasser aufgrund von Stagnation oder alter Rohrmaterialien nicht mehr zum Verzehr geeignet ist. Wasser gilt bereits als Stagnationswasser, wenn es länger als vier Stunden nicht geflossen ist. Nach längerer Abwesenheit empfiehlt das Umweltbundesamt, das Wasser vor der ersten Nutzung rund fünf Minuten laufen zu lassen.

Marco FabianZuletzt aktualisiert am ca. 4 Min. Lesezeit2 Quellen
Weißes Emailleschild mit rotem Rand und der Aufschrift „Kein Trinkwasser“ an einer gefliesten Wand

1 Kein Trinkwasser – die Definition

Ein „Kein Trinkwasser“-Schild bedeutet, dass das Wasser aus dieser Leitung aufgrund von Stagnation oder alter bzw. falscher Rohrmaterialien nicht mehr zum Verzehr geeignet ist. Der Betreiber der Anlage kann für dieses Wasser keine Trinkwasserqualität garantieren.

Um die Bürger vor den Gefahren zu schützen, ist ein solcher Warnhinweis für Betreiber und Verantwortliche Pflicht, sobald aus diesen oder anderen Gründen die Trinkwasserqualität nicht mehr garantiert werden kann. Rechtlich verankert ist diese Informationspflicht in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV): Sie verpflichtet Betreiber von Wasserversorgungsanlagen dazu, Verbraucherinnen und Verbraucher zu informieren, sobald Wasser die Anforderungen an Trinkwasser nicht mehr erfüllt.

2 Was bedeutet Stagnation?

Stagnationsleitungen sind Rohre, die längere Zeit nicht genutzt werden. Beispiele für Stagnationsleitungen sind Wasserleitungen an Schulen und solche in Privatwohnungen, wenn die Wohnung für einen längeren Zeitraum verwaist ist.

Werden die Leitungen nicht benutzt, dann befindet sich das Leitungswasser in dieser Zeit in einem Ruhestatus, wodurch es anfälliger für Bakterienbildung und Aufnahme der Leitungsmaterialien ist.

Besonders Leitungen aus Blei, Kupfer, verzinkten Stahl- und Bleileitungen und minderwertigem Kunststoff sind in diesem Zusammenhang problematisch:

Ein Sonderfall sind Stichleitungen, bei denen es sich um ein veraltetes Leitungssystem in größeren Miethäusern handelt. Hier kann das Leitungswasser auch bei aktiven Beanspruchungen stagnieren.

3 Gefahr von Bakterienbildung in ruhenden Leitungen

Hinzu kommt, dass ruhendes Wasser wesentlich anfälliger als fließendes Wasser für die Herausbildung von Biofilmen als Brutstätte von Bakterien ist. Experten sprechen bei diesem Phänomen von „Biofoulding“.

Wird stagnierendes Wasser nach einem längeren Zeitraum erstmals wieder benutzt, werden mögliche Bakterien und Legionellen abrupt freigesetzt und es kann zu einer temporären Überschreitung der Grenzwerte für Schadstoffe im Kranwasser kommen.

Als Stagnationswasser gilt Leitungswasser üblicherweise dann, wenn es länger als vier Stunden nicht mehr geflossen ist.

Dieser Zeitraum wird bei der Beprobung von Trinkwasser auf Schwermetalle als Richtwert für die sogenannte Stagnationsbeprobung zugrunde gelegt. Nach längerer Standzeit steigt die Konzentration von Metallionen (z.B. aus Rohrmaterial) sowie das Risiko einer Bakterienvermehrung im Wasser messbar an.

Unser Tipp:

Haben Sie eine Leitung längere Zeit nicht benutzt, sollten Sie zunächst das Wasser ablaufen lassen, bis es spürbar kühler und damit frischer wird. Das Umweltbundesamt empfiehlt nach mehrtägiger Abwesenheit, z.B. nach dem Urlaub, das Wasser vor der ersten Nutzung rund fünf Minuten laufen zu lassen. Hierbei geht die Gesundheit vor dem sparsamen Umgang mit der Ressource.

4 Häufige Fragen

Was bedeutet ein „Kein Trinkwasser“-Schild genau?

Der Betreiber kann für dieses Wasser keine Trinkwasserqualität mehr garantieren – meist wegen Stagnation oder alter bzw. falscher Rohrmaterialien. Die Trinkwasserverordnung verpflichtet ihn, Verbraucher darüber zu informieren.

Wann gilt Wasser als Stagnationswasser?

Üblicherweise, wenn es länger als vier Stunden nicht mehr geflossen ist. Dieser Zeitraum dient auch als Richtwert für die Stagnationsbeprobung auf Schwermetalle.

Welche Rohrmaterialien sind bei Stagnation besonders riskant?

Vor allem Leitungen aus Blei, Kupfer, verzinktem Stahl und minderwertigem Kunststoff, da sie anfällig für Rostaufnahme, Weichmacher oder die Freisetzung von Metallionen sind.

Was sollte ich nach längerer Abwesenheit tun, bevor ich das Wasser trinke?

Das Umweltbundesamt empfiehlt, das Wasser nach mehrtägiger Abwesenheit vor der ersten Nutzung rund fünf Minuten laufen zu lassen, bis es spürbar kühler wird.

5 Fazit

Der Warnhinweis „Kein Trinkwasser“ ist ernst zu nehmen.

Er bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Wasser akut giftig ist, aber der Betreiber kann aufgrund der beschriebenen technischen, physikalischen, biologischen und chemischen Zusammenhänge keine Garantie mehr für die Trinkwasserqualität übernehmen.

Gesundheitliche Probleme müssen bei einmaligem Kontakt nicht zwangsläufig auftreten, das Risiko lässt sich aber vorab nicht sicher einschätzen. Wir empfehlen daher, die Warnung konsequent zu befolgen und sich anderer, geprüft trinkbarer Wasserquellen zu bedienen. Wer unabhängig von Stagnationsrisiken zusätzliche Sicherheit möchte, schafft mit einem Aktivkohle-Blockfilter direkt am Wasserhahn eine wirksame Ergänzung – ersetzt aber nicht die fachgerechte Sanierung einer als „Kein Trinkwasser“ ausgewiesenen Leitung.

Warnhinweis ernst nehmen

Der Betreiber übernimmt keine Garantie mehr für die Trinkwasserqualität dieser Leitung.

Wasser laufen lassen

Reduziert das Risiko bei Stagnationswasser deutlich – besonders nach längerer Abwesenheit.

Aktivkohle-Blockfilter

Wirksame Ergänzung am Wasserhahn, ersetzt aber keine fachgerechte Leitungssanierung.

Zusätzliche Sicherheit gewünscht?Ein Aktivkohle-Blockfilter direkt am Wasserhahn ergänzt Ihren Schutz – Marco Fabian berät Sie gern zur passenden Lösung.

Quellen

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Marco Fabian Profilbild

Marco Fabian | Geschäftsführer Vitalhelden GmbH · Trinkwasseraufbereitung seit 2014

Marco Fabian ist Gründer der Vitalhelden GmbH und beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit Trinkwasseraufbereitung. In dieser Zeit hat er tausende Haushalte bei der Auswahl passender Filtersysteme begleitet und arbeitet eng mit deutschen Herstellern wie Carbonit und Alvito zusammen.

Über den Autor