Schimmel in der Wohnug sollte sofort und effizient bekämpft werden, um die Gesundheitsbelastung zu minimieren. @greg801 /istockphoto.com

Schimmel in der Wohnung

Vitalhelden Redaktion
Aktualisiert: 8. Juli 2021
Lesedauer: 8 Minuten

Sobald der Schimmelpilz zu wuchern beginnt, herrscht Alarmstufe rot, denn die Ausgasungen der Mykotoxine gefährden die Gesundheit der Bewohner und der Schimmel zerstört das befallene Material.

Zudem hat Schimmel die Eigenschaft, sich rapide auszubreiten und immer mehr Wohnraum und Material zu zersetzen. Im Endstadium wird die Wohnung unbewohnbar und es bleibt nur noch der Auszug.

Vorbeugung gegen den Schimmelpilz in der Wohnung

Der Schimmelpilz liebt es grundsätzlich feucht und findet bei hoher Luftfeuchtigkeit ideale Lebensbedingungen vor. Damit er wuchern kann, muss er auf Oberflächen zudem einen Nährboden vorfinden.

Beste Bedingungen zum Wachsen

Da der Schimmelpilz sehr genügsam ist, eignet sich dafür nahezu jedes Material. Auch auf Oberflächen gelagerter Feinstaub, an dem sich organisches Material anhaftet, trägt zur Verbreitung des Schimmels bei.

Weniger bedeutsam ist der Faktor Zimmertemperatur. Hier gilt, dass warme Temperaturen um 25 °C für den Schimmel die stärkste Anziehungskraft besitzen. Der wirksamste Hebel, um Schimmelbildung zu vermeiden, besteht darin, eine hohe Luftfeuchtigkeit im Haus und feuchte Oberflächen zu vermeiden.

Feuchtigkeit verursacht Schimmel in der Wohnung
Der Schimmelpilz liebt ein besonders feuchtes Klima und kann sich so optimal vermehren. @Fonrimso /istockphoto.com

Haben sich zum Beispiel nach Dusche, Bad und Kochen Flächen von Kondenswasser gebildet, dann kann dieses gar nicht schnell genug weggewischt werden, damit der Schimmel keine Einfallstore findet.

Durchlüftung im Haus richtig gemacht

Studien haben ergeben, dass eine vierköpfige Familie pro Tag etwa 12 Liter Wasserdampf an das Haus abgibt, der bei fehlender Durchlüftung die Luftfeuchtigkeit im Haus erhöht und sich an den Wänden als Wasser ablagern kann. Diese Prozesse werden bereits durch das Atmen angestoßen, gegen das sich schwerlich etwas tun lässt.

Möglichkeiten zum Eingreifen haben Hausbewohner hingegen beim Duschen, Baden, Kochen, Wäsche waschen, Wäsche trocknen, Pflanzen gießen, Haare föhnen, Bügeln und Spülen.

Vor allem beim Baden, Duschen und Kochen werden große Mengen an Wasserdampf in die Raumluft abgegeben. Gerade hier ist es wichtig, diese Prozesse durch eine effektive Durchlüftung zu begleiten, damit es zu einem Austausch zwischen Innen- und Außenluft kommt und der Wasserdampf entweicht.

Richtiges Lüften heißt in diesem Fall das Stoßlüften anzuwenden und, um den Effekt noch zu steigern, das Querlüften, womit der Durchzug gemeint ist und der durch das weite Öffnen möglichst vieler Fenster hergestellt wird.

Gesund wohnen durch regelmäßiges Lüften
Wer regelmäßig lüftet, sorgt für ein frisches Raumklima und eine bessere Balance in Luftfeuchtigkeit. @SrdjanPav /istockphoto.com

Experten empfehlen ohnehin das Stoßlüften regelmäßig fortzuführen. Ideal sind dafür viermal täglich für fünf bis zehn Minuten, wobei das Stoßlüften im Sommer tendenziell länger dauern kann als im Winter. Auskühlen sollte die Wohnung nämlich nicht, zumal der Winter Schimmelzeit ist, weil insbesondere hier kalte auf warme Luftschichten treffen, was in der Wohnung zu verstärkten Ablagerungen von Kondenswasser führt.

Achtung:

Inzwischen als ineffektiv gilt hingegen das früher so beliebte Kipplüften, weil der Austausch zwischen Innen- und Außenluft nur nur minimal ist, während zugleich die Wohnung auskühlt und sich Kondenswasser an den Kältebrücken der Fenster anlagert.

Heizverhalten und Kältebrücken

Was das Heizverhalten angeht, so empfehlen Experten, die Zimmertemperatur zwischen 18 und 22 °C zu belassen, damit es zu keinen extremen Temperaturunterschieden zwischen Innen- und Außenluft kommt. Wichtig ist zudem, die Temperatur in den Räumen möglichst homogen zu halten und ein zu starkes Wärmegefälle zwischen den einzelnen Zimmern zu vermeiden.

Immer dann, wenn nämlich warme auf kalte Luft (und umgekehrt) trifft, führt dies zu Ablagerungen von Kondenswasser. Aus diesem Grund ist es wichtig, Kältebrücken in der Wohnung zu vermeiden. Typische Kältebrücken sind zum Beispiel Rollladenkästen, Kragarme, Attiken und Fensteranschlussstellen.

Wer trägt Schuld am Schimmel?

Kommt es in Mietwohnungen zur Schimmelbildung, dann hat dies nicht selten einen Rechtsstreit mit dem Vermieter zur Folge. Der Vermieter ist nämlich daran interessiert, womöglich falsches Verhalten des Mieters auf die Schimmelbildung zurückzuführen.

Der Mieter wiederum neigt dazu, das Material für die ungeliebten Mikroorganismen verantwortlich zu machen. Die Frage steht also im Raum: Wer oder was ist Schuld am Schimmelbefall – der Mieter oder das Material?

Hauptursache für den Schimmel sind bauliche Mängel

Mittlerweile ist die Forschung in diesem Punkt weiter und kann erste Antworten auf die Schuldfrage liefern. Experten zufolge sei nur in 10 % aller Fälle der Mieter allein für den Schimmelpilz in der Wohnung verantwortlich, während bauliche Mängel hingegen in 60 % die einzige Ursache für seine Ausbreitung sind. In 30 % aller Fälle ist es eine Kombination aus baulichen Mängeln und dem Mieterverhalten, die zur Entstehung beigetragen hat.

Schimmel durch Baumangel
Kommt der Schimmel von einem Baumangel im Gebäude, ist schnelles Handeln angesagt. @volkovslava /istockphoto.com

Ist die Ursache nicht gelöst, kommt der Schimmel wieder

Diese Hinweise geben nicht nur für mögliche Rechtskonflikte eine grobe Tendenz vor, sondern zeigen auch die Notwendigkeit, der Ursache für den Schimmelbefall auf die Spur zu kommen.

Schimmel hat nämlich die unangenehme Eigenschaft, nicht von selbst wieder zu verschwinden. In den meisten Fällen kommt er wieder, selbst wenn es gelungen sein sollte, ihn mit viel Mühe und Aufwand zu beseitigen.

Neubauten sind besonders betroffen

Entgegen eines verbreiteten Vorurteils findet sich Schimmel nicht hauptsächlich in Altbauten, sondern in Neubauten. Das in Neubauten gern verwendete Material wie Beton und Polystyrol besitzt nämlich eine nur „geringe Diffusionsfähigkeit [mit] niedrigem Wasserdampfaufnahmevermögen“.

Auch der bevorzugte Einsatz von wasserdichten Fassadenfarben und synthetischen Tapeten- und Wandfarben führt dazu, dass die Feuchtigkeit auf den Oberflächen schlecht verdunsten kann.

Problematisch für die Schimmelbildung sind schließlich organische Materialien, weil sich die Schimmelpilze von diesen auf Kohlenstoffverbindungen basierenden Makromolekülen ernähren, die zudem auf weitere Mikroorganismen anziehend wirken. Zu diesen Belägen gehören:

  • Papiertapeten
  • Materialien aus Pflanzenfasern
  • Gipskartonplatten
  • Baufolien
  • Silikondichtstoffe
  • Polystyrol

Tipp:

Kalk und Lehm sind hingegen die gegen Schimmel am wirksamsten Materialien mit vorzüglichen Diffusionseigenschaften. Sie sollten bei der Wohnraumgestaltung bevorzugt werden.

Die intensiven Maßnahmen der Wärmedämmung führen außerdem zu einem mangelnden Austausch zwischen Außen- und Innenluft, was die Bewohner erst durch Stoßlüften oder den Einbau einer Innenraumbelüftungsanlage kompensieren können.

Ein weiteres Problem ist der Druck von Unternehmerseite, neu errichtete Gebäude schnellstmöglich für die Nutzung freizugeben. Der Neubau konnte dadurch nicht ausreichend trocknen.

Die dafür notwendige Wartezeit von einem Jahr bis zwei Jahren wird deshalb gern verkürzt. So verbleibt die Nässe in den Wänden und bietet dem Schimmel optimale Wachstumsbedingungen.

Nässe dringt ins Haus

Eine andere Ursache für Schimmel ist eine störungsbedingte Durchfeuchtung der Wände. Ein Klassiker ist in diesem Fall das geplatzte Leitungsrohr. Aber auch verstopfte Regenrinnen, eine fehlende, unzureichende oder defekte Drainage sowie Risse im Baumaterial können dazu führen, dass Feuchtigkeit von außen in das Haus eindringt, was der Schimmelgefahr Vorschub leistet.

nasse Wand
Ist eine Wand erst einmal nass, dann lässt der Schimmel nicht lange auf sich warten. @Cunaplus_M.Faba /istockphoto.com

Dringt Feuchtigkeit vom Keller in das Haus hinein, dann lohnt sich die Investition in eine Horizontalsperre, die als Teil der Bauwerksabdichtung die Bodennässe am Aufsteigen hindert.

Hier sind es vor allem die Altbauten, die von dem Problem aufsteigender Feuchtigkeit am stärksten betroffen sind. Außerdem weisen sie tendenziell mehr Wärme- bzw. Kältebrücken als Neubauten auf, weil dieses Problem früher beim Bau vernachlässigt wurde. Werden Altbauten saniert und gedämmt, dann macht sich oft dieses Problem erst richtig bemerkbar.

Schimmelpilze lieben stehende Luft

Schimmelpilze lieben schlecht belüftete Stellen, an die sie sich bevorzugt niederlassen. Bei diesen typischen Stellen handelt es sich beispielsweise um Fensterstürze, Raumecken und die Rückseite von Schränken.

Somit verfügen Bewohner über den Hebel, eine gleichmäßige Belüftung im ganzen Haus herbeizuführen. Möbel sollten grundsätzlich eine Distanz von rund zehn Zentimetern zur Wand haben, damit die Luft hinter ihnen ausreichend zirkulieren kann.

Schimmel entfernen: welche Mittel sind am wirksamsten?

Auch wenn die Ursachenforschung beim Schimmelbefall an erster Stelle steht, die Symptome müssen trotzdem beseitigt werden. Als zuverlässig gegen Schimmel gelten die Reinigungsmittel auf Basis von Essig, Alkohol, Wasserstoffperoxid, Chlor und Ammonium, wobei es sich bei Ammonium um eine konjugierte Säure von Ammoniak handelt.

Dieses Konvolut gab dem NDR die Inspiration, den Dingen auf den Grund zu gehen. Der Regionalsender organisierte in einer hochgradig verschimmelten Wohnung einen aufwendigen Produkttest mit wissenschaftlicher Unterstützung. Dabei wurden die befallenen Flächen entsprechend den Herstellerangaben bearbeitet; anhand von Laboruntersuchungen wurde der Grad der Reduktion bei der Schimmelauskeimung gemessen. Die Ergebnisse:

  1. Aktivchlor: 80 % Reduktion
  2. 70 % Isopropylalkohol: 63 %
  3. Quartäre Ammoniumbindungen: 30 %
  4. Wasserstoffperoxid: 20 %
  5. Essig: 0 %

(Illustration LAR29_1)

Das Fazit der Wissenschaftler: An der mechanischen Entfernung des Schimmels führe kein Weg vorbei. Wenn der Schimmel allerdings noch nicht so stark gewuchert hat, dann kann eine gründliche Reinigung durchaus zum Erfolg führen.

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Schimmel entfernen: Welche Mittel sind am besten? Quelle: Sendung Markt (NDR)

Gut zu Wissen:

Als Faustregel gilt hier, dass die Beseitigung einer Schimmelfläche, die nicht größer als ein Handteller ist, noch selbst gereinigt werden kann.

Bei der Frage, welches der typischen Hausmittel gegen Schimmel nun am besten ist, sollte nicht nur auf die Leistung der Produkte geachtet werden, sondern auch auf den Grad der Schädigung von Luft und Material, der durch die Reinigungsmittel selbst verursacht wird. So ist zwar Chlor hochgradig wirksam, seine Anwendung entspricht aber eher der Ausrottung des Teufels durch den Beelzebub.

Königsweg Alkohol

Da Chlor nämlich ein aggressiver Stoff ist, der die Atemwege angreift, kann das chemische Element letztendlich sogar zu schlimmeren Folgen als Schimmel führen. Der Königsweg bei der Schimmelbeseitigung ist also Alkohol, und zwar in der Form von Isopropylalkohol oder Brennspiritus. Der Alkoholgehalt muss mindestens 70 % betragen.

Anti-Schimmelmittel-im-Vergleich
Quelle: Sendung Markt 20.07.2020 | NDR

Gesundheitsschutz muss sein

Bei der selbstständigen Reinigung von mit Schimmel befallenen Stellen kommt es zu einem extremen Kontakt mit den Schimmelsporen, die in diesen Konzentrationen für den Menschen giftig sind. Eine Schutzkleidung ist deshalb oberstes Gebot. Die Schutzausrüstung sollte aus folgenden Elementen bestehen:

  • Gummihandschuhe
  • Atemschutzmaske mindestens ab FFP2
  • Schutzbrille
  • Schutzanzug mit abweisenden Materialien
Schutzkleidung
Experten raten dazu, bei der Bekämpfung von Schimmel Schutzbekleidung zu tragen. @matilda wormwood /pexels.com

Auf diese Weise lässt sich der Schimmel entfernen

Bei der Reinigung wird mit Lappen, Schwamm und Bürste gearbeitet, die nach der Arbeit entsorgt werden. Dabei werden die Reinigungsmittel mit der Tinktur in der vorgeschriebenen Menge beträufelt.

Die vom Schimmel befallenen Stellen werden gründlich abgerieben und es wird dem Mittel für Minuten Gelegenheit gegeben, im Material einzuwirken. Die Prozedur wird mehrmals wiederholt. Dann sollten sich die ersten Früchte der Arbeit zeigen.

Hilfreich:

Überführen Sie die Tinktur in eine Sprühflasche. Dann können Sie noch passgenauer dosieren.

Luftfilter helfen auch gegen Schimmel

Luftreiniger können schließlich für das 21. Jahrhundert eine ähnliche Schlüsselinnovation darstellen wie es die Verbindung der Häuser mit Strom und Wasser im 20. Jahrhundert gewesen war. Die COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 hat diesen Trend verstärkt, da sich leistungsfähige Luftfilter sogar als Gegenmittel gegen die schädlichen Keime der Viren erwiesen.

Die zunehmende Ausstattung von öffentlichen Gebäuden mit Luftreinigern hat bereits begonnen. Eine weitere gute Nachricht:

Privat hat jeder es selbst in der Hand, auf die Dienste eines Luftfilters zu setzen, der Schimmelsporen direkt aus der Luft fischt und der durch die Eliminierung von Feinstaub den Nährboden der Schimmelsporen einschränkt.

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