Tischkannenfilter erreichen bei Weitem nicht die Filterleistung von Auftisch- oder Osmoseanlagen. @deepblue4you / istockphoto.com

Wasserfilter bei Stiftung Warentest - die falsche Pauschalisierung

Vitalhelden Redaktion
Aktualisiert: 13. Juli 2021
Lesedauer: 5 Minuten

Das Verbraucherinstitut Stiftung Warentest testete 2015 neun Wasserfilter und kam zu ernüchternden Ergebnissen. Das Problem: Hierbei wurden ausschließlich Tischkannenfilter getestet. Professionelle Filter wurden nicht berücksichtigt. Was bei den Testergebnissen herauskam und was die großen Unterschiede zwischen Tischkannenfiltern und professionellen Filteranlagen sind, erfahren Sie hier.

Viele Menschen nutzen Wasserfilter, zum einen, um „weicheres Wasser“ zu erhalten, das weniger Kalk und Magnesium aufweist. Besonders Kaffee- und Teeliebhaber bevorzugen gefiltertes Wasser. Zum anderen haben viele auch Angst, dass doch Schadstoffe in das Trinkwasser gelangt sein könnten.

Bei der Auswahl der getesteten "Wasserfilter" beschränkte sich Stiftung Warentest leider ausschließlich auf simple Kannenfilter, die laut vieler Experten überhaupt nicht mit der Filterung von Wasser zu tun haben.

Professionelle Wasserfiltersysteme fanden keine Beachtung, was Endverbrauchern aber sicherlich viel helfen würde, schließlich funktionieren diese nicht nur mit völlig anderen Methoden, sondern hätten die Ergebnisse von Stiftung Warentest zu Wasserfiltern möglicherweise maßgeblich ändern können.

Schadstoffe im Trinkwasser

Trotz ständiger Kontrollen kann es vorkommen, dass Schadstoffe ins Trinkwasser gelangen. Alte oder verunreinigte Leitungen im häuslichen Wassersystem sind eine häufige Ursache für zum Beispiel im Wasser enthaltene Schwermetalle.

Blei ist dabei giftig und auch Kupfer, Zink und Nickel können in höheren Konzentrationen zu Magen-Darm-Problemen führen. Cadium als Schwermetall im Trinkwasser kann bei kritischen Konzentrationen sogar langfristige Schäden verursachen, da es sich in Leber und Niere ansetzt [4].

Und auch wenn die Wasserwerke die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung einhalten, heißt das noch nicht, dass wirklich keine Schadstoffe mehr unter dem erlaubten Höchstwert im Wasser vorhanden sind. Viele Schadstoffe werden in der Trinkwasserverordnung auch gar nicht kontrolliert. So gibt es für Medikamentenrückstände oder polare Pestizide keine Grenzwerte im Trinkwasser [1].

Die bei Stiftung Warentest 2015 getesteten Wasserfilter

Insgesamt wurden neun Tischkannenwasserfilter getestet, die einen Wasserhärtegrad von 16 und 17 auf 10 senken sollten. Zu beachten ist, dass man erst bei weniger als 8,4 von „weichem“ Wasser spricht. Hier wird schon deutlich, dass Tischkannen vor allem auf den Geschmack des Wassers abzielen.

Der für die Wasserhärte verantwortliche Kalk ist nicht gesundheitsschädlich, andere im Wasser befindliche Schadstoffe stehen bei den Herstellern von Tischkannenfiltern aber wohl eher im Hintergrund.
Die Testsieger für das Jahr 2016 schafften gerade einmal ein befriedigendes Ergebnis. Vier Trinkwasserfilter wurden als ausreichend benotet, zwei sogar nur als mangelhaft. Laut Stiftung Warentest haben die Filter Probleme, ihre Aufgabe, den Härtegrad des Wassers zu senken, überhaupt zu erfüllen.

Schaffen sie dies, dann nur kurzfristig. Des Weiteren geben die Tischfilter wenig Auskunft darüber, wann die Kartusche gewechselt werden muss.

Filter sollten Anzeigen haben, die verhindern, dass die Kartusche zu lange genutzt wird, da sich sonst Keime bilden können. Eine solche Anzeige beruft sich jedoch in den meisten Fällen darauf, wie oft der Deckel geöffnet wurde. Ein insgesamt wenig beeindruckendes Testergebnis. Bei der Filterung von Schadstoffen waren einige Filter etwas erfolgreicher [3].

Bestnote und Schlechtestes Ergebnis

Bester Wasserfilter im Test war der Klein Tec Pure Water für 20 Euro mit einer befriedigenden Testnote von 3,2. Blei und Kupfer wurden hier auch herausgefiltert. Abzüge in der Bewertung gab es, da die Wasserhärte nur bis zur Hälfte der Filter-Kapazität gesenkt werden konnte [3].

Besonders schlecht abgeschnitten hat das 185 Euro teure Gerät der Firma Eva. Aufgrund seiner Größe passt es nicht in den Kühlschrank und es bilden sich schnell Bakterien. Das Filtrat weist auch eine hohe Konzentration an Dichlormethan auf, ein Stoff, der krebserregend sein kann [2]. Einige andere der getesteten Filter geben auch unerwünschte Stoffe an das Wasser ab, zum Beispiel Silber. Dies findet sich in der geschütteten Aktivkohle, um einer Keimbildung vorzubeugen.

Unterschiede zu hochwertigen Filtersystemen

Wie bereits erwähnt wurden von Stiftung Warentest nur Tischkannenfilter getestet. Diese Modelle werden in der Öffentlichkeit leider oft mit professionellen Wasserfiltern gleichgesetzt und so färbt der zweifelhafte Ruf auch auf diese Systeme ab. Hochwertige Wasserfilter wie Carbon-Blockfilter oder Umkehrosmoseanlagen funktionieren jedoch nach einem vollkommen anderen Prinzip und zielen im Gegensatz zu Tischkannenfiltern auf die Schadstoffeliminierung im Trinkwasser ab.

Außerdem werden diese Wasserfilter direkt an den Wasserhahn bzw. an die Wasserleitung angeschlossen und können bedeutend mehr aus dem Wasser filtern als Kannenfilter [4].

Carbon-Block-Verfahren (Aktivkohle-Blockfilter)

Kohlenstoff (Carbon) zeichnet sich dadurch aus, dass es ein sehr absorbierendes Material ist. Daher wird es oft dafür verwendet, Kontaminierungen und Verunreinigungen aus dem Wasser zu filtern. Carbon-Blockfilter arbeiten nicht wie Tischkannenfilter mit loser Aktivkohle, sondern mit gesinterten Aktivkohleblöcken.

Die Kombination aus chemischer und physikalischer Reinigung führt zu einer sicheren Filtermethode. Bei diesen Wasserfiltern kann auf die Beigabe von Silber verzichtet werden und dennoch werden auch Keime, Pilze und Viren effektiv aus dem Leitungswasser gefiltert. Hier muss der Filter außerdem nur alle sechs Monate gewechselt werden. Dieses Filtersystem ist ebenfalls in der Lage Arzneimittelrückstände zu filtern [1].

Umkehrosmoseanlagen

Beim Umkehrosmose-Verfahren wird das Wasser mithilfe von Druck durch eine äußerst feinporige Membran gepresst. Verunreinigungen bleiben dabei vor der Membran zurück. Lediglich die kleinen Wassermoleküle können die Membran passieren. Dieses Filtersystem entfernt jedoch nicht nur Schadstoffe, sondern hält auch Mineralien zurück.

Das gefilterte, reine Wasser sollte daher anschließend wieder mineralisiert werden. Nichtsdestotrotz ist die Umkehrosmose ein Verfahren, dass fast alle Schadstoffe aus dem Trinkwasser filtern kann. Selbst Nitrat und Nitrit werden so gefiltert [5].

Die finale Frage: Brauchen Sie überhaupt einen Wasserfilter?

Die Testergebnisse von Stiftung Warentest beschränken sich nur auf sogenannte Tischkannenfilter. Die schlechten Ergebnisse zeigen hierbei klar, dass diese Filter in ihrer Funktionsweise stark eingeschränkt sind und sich eigentlich nur auf die Wasserhärte fokussieren.

Interessant:

Dies zeigt allein schon die Tatsache das kaum ein Hersteller konkrete Angaben zu Schadstoffrückhaltewerten macht. Was nicht getestet wird kann auch nicht belegt werden. Daher ist der Name Wasserfilter bei vielen Produkten geradezu irreführend.

Leider ist ein weiteres Ergebnis der Studie, dass das deutsche Leitungswasser eh qualitativ sehr hochwertig ist und dass auf die Filterung verzichtet werden kann. Dies stimmt, wie gezeigt, leider nur bedingt. (Mehr hierzu...) Eingehaltene Grenzwerte oder gar fehlende Richtwerte bedeuten eben kein garantiert einwandfreies Trinkwasser.

Wollen Sie sich also effektiv gegen Schadstoffe schützen, empfiehlt sich die Filterung Ihres Leitungswassers mit professionellen Filtermethoden. Diese haben sich in ihrer Filterleistung bewährt und haben kaum etwas mit Tischkannenfiltern gemein. Informieren Sie sich also ausgiebig vor der Anschaffung eines Filtersystems, denn Wasserfilter ist eben doch nicht gleich Wasserfilter.

Auch das Einstimmen in die viel verbreitete Meinung, dass a) Wasserfilter unnötig und b) eh alle Keimschleudern sind wie Stiftung Warentest wiederholt darlegte, erscheint doch sehr naiv zu sein.

Quellen & Weiterführende Informationen
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