Verunreinigungen in Leitungen führen häufig zu komisch schmeckendem, gelblich verfärbtem oder übelriechendem Leitungswasser. Ein Beispiel dafür ist der strenge Geruch nach faulen Eiern. Derartig stinkendes Wasser ist unappetitlich. Doch wie schädlich ist es und was steckt dahinter?
1 Schwefelwasserstoff lässt Wasser nach faulen Eiern stinken
Der Geruch nach faulen Eiern im Leitungswasser stammt nicht von Schwefel selbst, sondern von Schwefelverbindungen, hauptsächlich von Schwefelwasserstoffgas im Wasser. „Das Wasser riecht nach Schwefel“ lautet trotzdem immer mal wieder die Beschwerde von Verbrauchern, vor allem von Nutzern von Hausbrunnen, aber auch von Kunden regionaler Wasserwerke.
Schwefel selbst kommt ganz natürlich in der Umwelt und in Gewässern vor und damit auch im Trinkwasser. Allerdings befördern beispielsweise Rückstände von Pestiziden noch zusätzliche Mengen über das Grundwasser hinein. [1]
Einmal im Wasser befindlich kann daraus durch entsprechende Reaktionen und auch Aktivitäten von Mikroorganismen Schwefelwasserstoff entstehen. Begünstigt wird dies insbesondere durch sogenannte Biofilme, die sich schädlicherweise in Rohren, Leitungen und weiteren Bauteilen bilden können.
2 Wie schädlich ist Schwefel im Leitungswasser?
Schwefelwasserstoff im Leitungswasser ist in riechbaren Mengen meist kein akutes Gesundheitsrisiko, aber ein Warnsignal für Biofilme in der Installation. Für viele mögliche Schadstoffe im Trinkwasser ist die deutsche Trinkwasserverordnung ein gewisser Schutz. Diese garantiert strenge Kontrollen seitens der Wasserwerke. Allerdings besteht dabei aufgrund der festgelegten Grenzwerte ein gewisser Spielraum und einige Risikostoffe werden gar nicht berücksichtigt. [2] Dass es immer mal wieder zur Beschwerde über faulig stinkendes Trinkwasser kommt, verwundert somit nicht.
Schwefelwasserstoffgas ist beim Einatmen hoher Konzentrationen (etwa in Kanalisation, Güllegruben oder industriellen Anlagen) hochgiftig. Im Trinkwasser sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Risiko differenzierter: Die Geruchsschwelle liegt laut WHO bei nur 0,05 bis 0,1 mg pro Liter, deutlich unterhalb jeder Menge, die beim Trinken gesundheitlich bedenklich wäre. Die WHO legt deshalb keinen eigenen gesundheitsbasierten Grenzwert für Schwefelwasserstoff im Trinkwasser fest, fordert aber, dass es weder geschmacklich noch geruchlich wahrnehmbar sein sollte [4].
Der Geruch ist also in erster Linie ein Qualitätssignal. Und die Schwefelverbindung schadet Wasserrohren aus Eisen, da sie korrosiv wirkt und das Material auf lange Sicht entsprechend zersetzen kann.
3 Lässt sich der Geruch nach faulen Eiern neutralisieren?
Der Geruch nach faulen Eiern verschwindet dauerhaft nur, wenn seine Quelle entfernt wird. Dafür sind hauptsächlich Biofilme und die dort stattfindende Aktivität von Keimen im Wasser verantwortlich. Wenn dieser Mangel jedoch innerhalb der Leitungen des Wasserversorgers liegt, können Verbraucher selbst wenig ausrichten.
Zur Eingrenzung der Ursache hilft eine einfache Beobachtung: Riecht ausschließlich das Warmwasser nach faulen Eiern, das kalte Wasser aber nicht, liegt das Problem meist im Warmwasserspeicher selbst. Dort reagiert häufig die Magnesium-Opferanode, die viele Boiler vor Korrosion schützen soll, mit sulfatreduzierenden Bakterien im Wasser, dabei entsteht Schwefelwasserstoff.
In diesem Fall hilft meist schon ein Fachbetrieb weiter, etwa durch Reinigung des Speichers, kurzzeitiges Aufheizen auf über 70 °C oder den Austausch der Anode. Riecht dagegen auch das kalte Wasser faulig oder betrifft es alle Wasserhähne im Haus gleichermaßen, liegt die Ursache eher in der gesamten Hausinstallation oder, bei Bezug aus einem eigenen Brunnen, bereits im Grundwasser.
Liegt die Ursache im eigenen Haushalt, lohnt eine sorgfältige Prüfung der Installation. Vor allem zu kontrollieren sind dafür Warmwasserleitungen, Schläuche und Dichtungen sowie eventuelle Kunststoffrohre. All dies bietet für die Vermehrung von Bakterien günstige Bedingungen. [3] Doch selbst in metallenen Kaltwasserleitungen können Biofilme entstehen, wenn beispielsweise Stagnation von Wasser zustande kommt.
4 Ein Aktivkohle-Blockfilter entfernt den Geruch am Entnahmepunkt
Ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt ist die schnellste Maßnahme gegen Wassergeruch: Er entfernt geruchs- und geschmacksstörende Stoffe aus dem Trinkwasser, bevor es ins Glas kommt. Damit ist es im Ergebnis oftmals bekömmlicher, als gewöhnliches und vermeintlich sauberes Leitungswasser.
Der gesinterte Aktivkohleblock hält auch viele weitere gesundheitsschädliche Stoffe zurück, darunter jene, die zum immer größeren Problem im Trinkwasser werden: Mikroplastik, Rückstände von Pestiziden und sogar kleinste Reste von Arzneimitteln.

5 Was Leser zum Geruch nach faulen Eiern noch fragen
Ist Wasser, das nach faulen Eiern riecht, gefährlich?
Meist nicht. Die Geruchsschwelle für Schwefelwasserstoff liegt laut WHO bei nur 0,05 bis 0,1 mg pro Liter, deutlich unterhalb der Menge, die beim Trinken gesundheitlich bedenklich wäre. Der Geruch ist vor allem ein Qualitäts- und Warnsignal, weil er auf Biofilme in Leitungen oder Speicher hinweist.
Warum riecht nur das Warmwasser nach faulen Eiern?
Dann reagiert meist die Magnesium-Opferanode im Warmwasserspeicher, die den Boiler vor Korrosion schützen soll, mit sulfatreduzierenden Bakterien im Wasser, wodurch Schwefelwasserstoff entsteht. Das kalte Wasser riecht in diesem Fall normal, weil das Gas erst im Speicher gebildet wird. Ein Fachbetrieb kann den Speicher reinigen oder die Anode tauschen.
Was kann ich selbst gegen den Geruch tun?
Bei einem betroffenen Warmwasserspeicher hilft ein Fachbetrieb mit Reinigung, kurzzeitigem Aufheizen auf über 70 °C oder dem Austausch der Anode. Riecht auch das kalte Wasser faulig, lohnt sich eine Kontrolle von Warmwasserleitungen, Schläuchen, Dichtungen und Kunststoffrohren.
Hilft ein Wasserfilter gegen den Geruch nach faulen Eiern?
Ja. Ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt entfernt geruchs- und geschmacksstörende Stoffe aus dem Trinkwasser und hält auch Mikroplastik, Pestizidrückstände und Arzneimittelreste zurück. Die Ursache in der Installation, etwa einen Biofilm oder eine reagierende Opferanode, beseitigt er allerdings nicht; die sollten Sie parallel abstellen lassen.
6 Was Sie jetzt tun können
Riecht nur das Warmwasser, lassen Sie den Speicher von einem Fachbetrieb warten. Riecht auch das kalte Wasser, hält ein Aktivkohle-Blockfilter am Entnahmepunkt den Geruch zurück, bis die Ursache in der Installation gefunden ist; passende Modelle finden Sie unter Auftisch-Wasserfilter.
Nur Warmwasser betroffen: meist die Magnesium-Opferanode im Speicher, behebbar durch einen Fachbetrieb.
Entfernt den Geruch sowie Mikroplastik, Pestizidrückstände und Arzneimittelreste zuverlässig.
Riecht auch kaltes Wasser faulig, liegt die Ursache meist in Leitungen, Schläuchen oder dem Grundwasser.
Quellen
- Quarks Magazin (2019) - Darum nutzen auch Biobauern Pflanzenschutzmittel
- Bundesministerium der Justiz (2023) - Trinkwasserverordnung
- Gesundheitsamt Baden-Württemberg (2021) - Legionellen in Trinkwasser-Hausinstallationen
- World Health Organization - Hydrogen Sulfide in Drinking-water (Background document)
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